Lesehund Mojito in der Bibliothek Knonau

Die Bibliothek Knonau bietet in Zusammenarbeit mit der Heil­pädagogin und Logopädin Judith Britschgi Kindern an, einem ausgebildeten Hund vorlesen zu können. Lesehunde geben Hilfestellung, sicheren Halt, regen an, motivieren und unterstützen.

Jana Trächslin setzt sich auf einen Hocker und liest Lesehund Mojito konzentriert vor. Später wechselt sie an den Rand des Bettes, um dem Hund näher zu sein. (Bild Regula Zellweger)
Jana Trächslin setzt sich auf einen Hocker und liest Lesehund Mojito konzentriert vor. Später wechselt sie an den Rand des Bettes, um dem Hund näher zu sein. (Bild Regula Zellweger)

Jana Trächslin geht in die zweite Klasse. Und sie liebt Hunde. Eigentlich hätte sie gern einen eigenen Hund. Wie viele ­andere Kinder auch. Jana geht auch gern in die Bibliothek im alten Pfarrhaus in Knonau. Sie hat bereits ein Buch vor ihrem Abenteuer, einem Hund vorlesen zu dürfen, ausgeliehen. Am Mittwochnachmittag auf dem Weg zur Bibliothek schmökert sie unterwegs schon etwas im Buch.

In der Bibliothek wird sie von der Bibliothekarin Petra Studer herzlich ­begrüsst. Sie steuert aber sofort vertrauensvoll auf Mojito zu. Der Australian Shepherd reagiert mit Schwanzwedeln und scheint genauso aufgeregt zu sein wie Jana. Gemeinsam steigen sie mit Judith Britschgi die Treppe hinauf in einen gemütlich eingerichteten Raum. Jana setzt sich auf einen Hocker. Mojito legt sich in sein Hundebett. Und dann beginnt Jana konzentriert zu lesen. Und kann fast nicht mehr damit aufhören.

Ausgebildete Lesehunde

Das Lesehundeteam, die Halterin und der Hund, sind beide gut für diese Aufgabe ausgebildet. Mojito ist 11 Jahre alt. Er besuchte nach der Welpenschule die Junghundeschule und absolvierte schliesslich die Ausbildung zum Begleithund und zum Schulhund. Als Schulhund hat er langjährige Erfahrung in der Zürcherischen Pestalozzistiftung in Knonau, wo er über einige Jahre Judith Britschgi begleitete. Die Logopädin und Heilpädagogin ist heute – zusammen mit Mojito – im Heilpädagogischen Zentrum Hagendorn tätig. Es bietet Kindern und Jugendlichen mit besonderen Bedürfnissen im Alter zwischen 4 und 20 Jahren ein liebevolles und professionelles Schulungs- und Betreuungsangebot.

Judith Britschgi ist überzeugt von der Wirksamkeit der «Tiergestützten Therapie». Neben Mojito trainiert sie die junge Empanada. «Nach dem mexikanischen Drink Mojito nun die Teigtasche Empanada», lacht Judith Britschgi. Sie und ihr Partner sind beide im heil­pädagogischen Bereich tätig. Die vier Kinder in ihrem Haushalt lieben die beiden Hunde. Schulhunde müssen ­gehorchen und dürfen nicht ­erschrecken, wenn sie von Kindern ­begeistert angefasst werden.

Annika und der Lesehund

Alles begann mit den liebevoll illustrierten Büchern rund um «Annika und der Lesehund» von Lisa Papp aus dem ­Glarner Bäschlin Verlag. Annika findet Lesen doof. «Vielleicht hast Du nur die falschen Zuhörer», meint die Bibliothekarin und macht sie mit dem Lesehund Bonnie bekannt.

Bei Jana war es die Bibliothekarin Petra Studer, die auf den Lesehund ­Mojito aufmerksam machte. Und wie im Buch für Annika, war es auch bereits für einige Knonauer Kinder ein Erfolg, Lesehund Mojito vorlesen zu dürfen. Jana durfte Mojito ein Leckerli geben und setzte sich nah zum Hundebett, um dem Lesehund weiter vorzulesen. Judith Britschgi hielt sich im Hintergrund und liess die Interaktion zwischen Kind und Hund ruhig zu. Sie trainiert täglich mit Mojito und Empanada und ihre eigene Tochter liest Mojito jeden Abend vor.

Leseförderung durch die Bibliothek

Bibliotheken haben nicht nur den ­Auftrag, Medien aufzubereiten und ­auszuleihen, sie betreiben auch aktiv Leseförderung, beispielsweise mit der Aktion «Verrate uns Dein Lieblingsbuch – gegen eine Kugel Glace», mit einem Bookselfies-Wettbewerb für Jugendliche, mit «Lesetipps für Kids», mit Ausstellungen in der Bibliothek und News­lettern, beispielsweise zu neuen Krimis.

Petra Studer lobt die Zusammen­arbeit mit der Primarschule Knonau und der Zürcherischen Pestalozzistiftung Knonau, einer mittelgrossen Institution mit interner Schule für normalbegabte, verhaltensauffällige Schüler von 7 bis 17 Jahren. Judith Britschgi und Petra Studer lernten sich in diesem Kontext kennen und bald waren sich die beiden einig: Wir wollen gemeinsam Kindern Zeit mit einem Lesehund ermöglichen. Der Bäschlin Verlag unterstützte mit Bonbon-Döschen, die alle Kinder beim ersten Lesehund-Date bekommen, mit Plakaten, Lesezeichen und mit Tassen, die zugunsten der Lesehunde in der ­Bibliothek erworben werden können.

Glücklich verliess Jana die Bibliothek – und schon stand die Fünft­klässlerin Nele Stenger bereit, um ­Mojito vorzulesen. Auch Nele möchte schon lange einen Hund und wie Annika im Buch, fällt ihr das Lesen nicht leicht. Aber für Mojito liest sie gern und tut es bereits zum dritten Mal. Ihre Mutter ist dankbar, dass die Bibliothek und Judith Britschgi diese Art der Leseförderung ermöglichen. Monatlich können drei Kinder dem Lesehund vorlesen – Judith Britschgi und die Bibliothek bieten dies unentgeltlich an.

Weitere Infos unter knonau.biblioweb.ch.

 

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