«Leuchtkraft der Farben»
Bis 4. Juni sind bemerkenswerte, teils grossformatige Ölgemälde des Ottenbacher Künstlers GeGessler in der Kirche Unterstrass an der Turnerstrasse 47 in Zürich ausgestellt – jeweils Dienstag bis Samstag von 11 bis 18 Uhr.

Sie faszinieren in Farbe, Form und Ausdruck, die Werke des vor zehn Jahren verstorbenen GeGessler. «Es sind Bilder, deren Bildsprache deutlich, klar und ausstrahlend ist», hält Dr. Hanspeter Zürcher anlässlich der Vernissage zur Ausstellung fest. Mit seiner prägnanten Würdigung von Leben und Schaffen des Ottenbacher Künstlers sowie seinen Ausführungen zu den zurzeit in der reformierten Kirche Unterstrass gezeigten Bildern bereicherte der Kunsthistoriker und Pfarrer die Ausstellungseröffnung, die exakt am zehnten Todestag von GeGessler stattfand. Zürcher ergänzte: «Der am 6. März 1924 in Zürich geborene und am 11. April 2012 verstorbene GeGe arbeitete nach einer ganz eigenen künstlerischen Philosophie: Er hat die Leinwände für seine Bilder eigenhändig gespannt und vorbereitet, seine Farben, die seinen Bildern die bekannte und besondere Leuchtkraft geben, selber gerieben und selbst die Bilderrahmen zimmerte er über grosse Strecken selber.» Musikalisch begleitet wurde die Vernissage von Kiyomi Higaki am Klavier und Viorel Alexandru am Kontrabass.
GeGes Werk hat an Relevanz und Aktualität nichts eingebüsst
Die in der bekannten Querkirche an der Turnerstrasse 47 in Zürich gezeigten 35, teils grossformatigen Ölgemälde sind sowohl im Eingangsbereich, als auch in deren Innenraum sowie im grossen Saal im Untergeschoss (rollstuhlgängig) – hier vor allem Bilder von Sizilien und den liparischen Inseln – ausgestellt. In seinen Erläuterungen verwies Hanspeter Zürcher unter anderem auf das grosse Triptychon zwischen den Kirchenfenstern, das 1956 letztmals ausgestellt wurde: «Es ist Bewegung, hat Schwung und bringt Befreiung. Mit seinem Farbenspiel regt es zum Zwiegespräch an und löst so aus der Starre oder vom Schrecken des Krieges, wie ihn GeGe im Bild ‹Prolog› im Eingangsbereich zeigt, zu dem er durch den Ungarnaufstand von 1956 inspiriert wurde. Den Fragen von Liebe und Tod, von Krieg und Frieden, die uns alle vor einigen Wochen unvermittelt erreicht haben, hat der Künstler immer wieder nachgespürt.» Es ist, wie alle Bilder von GeGe, ein engagiertes Werk, welches an Aussagekraft und Aktualität nichts eingebüsst hat. Dazu gehört auch das im Kirchenraum gezeigte Bild aus GeGes Palermo-Zyklus, das die dortige weitläufige Gruftanlage unter dem Kapuzinerkloster thematisiert und geradezu frappant an gegenwärtige Bilder aus Mariupol erinnern.
Eine spannende Reise durch Zeit und Raum
Die in der Kirche Unterstrass gezeigten Werke bestechen durch künstlerische Schaffenskraft, bildnerische Gestaltungselemente, Pinselduktus und die Komposition der Farben, die GeGe so bemerkenswert wie evident beherrscht und damit Bilder von besonderem Charakter und einer eigenen ätherischen Anmut erschaffen hat. Sie atmen eine ungeheure Emotionalität aus, bezaubern so sehr, dass meist zunächst nur Verwunderung da ist, die sich langsam sammeln muss, bis sie zu erkennen beginnt und zur Bewunderung wird. Formen und Farben geben GeGes Werken Seele, die – einmal erkannt – ein Schlüssel wird zum künstlerischen Wesen dieses Mannes, zu seiner Begabung, zu ihm selbst. Im Innenraum der Kirche treten diese Bilder zudem in den Dialog mit den Kirchenfenstern, die vom Obfelder Künstler Franz Karl Opitz gestaltet wurden.
Die Ausstellung in der Kirche Unterstrass bestätigt auch, dass GeGessler zu keiner Zeit künstlerisch mit dem grossen Strom geschwommen ist. Er hatte seine methodischen Paradigmen, seine eigene gestalterische Aussage, die aber nie ohne Sichtbarkeit und Evidenzen blieb. Er verfolgte den Weg des Weder-Noch mit Beharrlichkeit und richtete dabei seine Aufmerksamkeit auch immer wieder auf malerische Fragestellungen.
GeGes Werke sind aber gleichsam keine «anstrengende» Kunst für den Betrachter, denn die figurativen Kompositionen, die durch geometrische Elemente und flächigen Farbauftrag strukturiert sind, offenbaren jederzeit illustrative Souveränität. Für den Betrachter werden sie zur bezaubernden Begegnung, und so hinterlassen sie entsprechend tiefe wie prächtige Eindrücke. So gestaltet sich die Ausstellung «Leuchtkraft der Farben» zu einer strahlenden Reise durch Zeit und Raum, was sich auch in der stilistischen Variabilität der Bilder ausdrückt.
Man sollte sich die grossartige Gelegenheit nicht entgehen lassen und die Ausstellung «Leuchtkraft der Farben» in der reformierten Stadtzürcher Kirche Unterstrass an der Turnerstrasse 47 besuchen – sie ist bis 4. Juni jeweils Dienstag bis Samstag von 11 bis 18 Uhr geöffnet.
«Leuchtkraft der Farben», Ausstellung GeGessler, 11. April bis 4. Juni, Dienstag bis Samstag 11 bis 18 Uhr, Kirche Unterstrass, Turnerstrasse 47, Zürich.


