Licht am Ende des Tunnels
Das von Gesundheitsminister Alain Berset vielzitierte «Licht am Ende des Tunnels» wird sichtbar. Es zeichnet sich ab, dass Kleinbetriebe wie Coiffeure, Blumenläden sowie Bau- und Gartencenter bald wieder geöffnet haben dürfen. Wie bereiten sich die Unternehmen auf die Öffnung vor und welche Bilanz ziehen die KMU?

Die nicht repräsentative Kurzumfrage des «Anzeigers» bei kleinen und mittleren Betrieben (KMU) im Säuliamt, die ihre Kundschaft bald wieder persönlich empfangen dürfen, zeigte ein einheitliches Bild. Man hat Verständnis für die Massnahmen des Bundes und zeigt sich optimistisch trotz des Lockdowns, der zu markanten Umsatzeinbussen geführt hat. Unisono war man der Meinung, dass man firmenintern auf ein ideenreiches und flexibles Team zählen darf, was geholfen habe, mit der «ausserordentlichen Situation» fertigzuwerden. Monika Schneebeli von Blumen Schneebeli in Affoltern ergänzte: «Der Arbeitsaufwand ist zwar wesentlich grösser, wenn die Bestellungen ausschliesslich telefonisch, online oder über Fleurop abgewickelt werden müssen. Aber es funktioniert.» Monatelang würde es so aber nicht gehen. Deshalb freue sie sich auf die baldige Wiedereröffnung – auch wenn sie Respekt vor der Ansteckung mit dem Coronavirus habe. Im Geschäft selber sei es kein Problem. Da habe man Plexiglas montiert, um Kundschaft und Angestellte zu schützen. Wegen der kleineren Verkaufsfläche werde der Verkauf von Sommerflor jedoch geringer sein.
Leute zu Hause - "gut für uns"
Walter Grimmer, Inhaber des Blumengeschäfts «Kraut und Rosen» mit Verkaufsstellen in Knonau und Affoltern ist froh, dass das Geschäft wenigstens online weiterlaufen könne. Er sagt: «Wir haben für unsere Kundschaft einen Bring- und Abholservice eingerichtet.» In den Filialen seien aus Platzgründen nie mehr als drei Mitarbeiterinnen gleichzeitig im Einsatz. Grimmer hat sich darauf eingestellt, dass das Ende des Lockdowns Ende April kommt. Über den Geschäftsverlauf sagt er: «In der ersten Woche des Lockdowns haben wir draussen noch sehr gut verkauft, bis wir schliessen mussten. Danach haben wir nur noch nach entsprechenden Bestellungen der Kundschaft und nicht mehr auf Vorrat eingekauft.» Grimmer ist optimistisch, dass sich die Lage in nächster Zeit positiv für sein Blumengeschäft entwickeln könnte: «Wenn die Leute mehr zu Hause sind, ist das auch gut für uns.» Das habe sich bereits über Ostern gezeigt. Man sei nicht verreist, sondern habe es sich daheim gemütlich gemacht – mit entsprechendem Blumenschmuck. Thuri Küng, Geschäftsführer des Gartencenters Guggenbühl, wird voraussichtlich bis zum Muttertag einen Sicherheitsdienst anstellen, um den Kundenstrom nach der Öffnung des Gartencenters in geregelte Bahnen zu lenken. «Mit 60 Prozent der Angestellten haben wir während des Lockdowns rund 25 Prozent unseres üblichen Umsatzes erreicht», hat Küng errechnet. In den letzten Wochen habe man enorm viel gelernt – und sich mit einem neuen Webshop nun auch für jene Kundschaft gewappnet, die vielleicht nie während der normalen Öffnungszeiten ins Gartencenter gekommen wäre.
Maske selber mitbringen
Filomena Calabrese, die zusammen mit ihrem Bruder Alfi in Affoltern das Beauty House mit Coiffeur- und Kosmetikabteilung betreibt, würde sich wünschen, dass es baldmöglichst wieder mit dem Betrieb losgeht. «Wir haben Plexiglas bestellt, um die Kunden besser zu trennen und im oberen Stock unseres Geschäfts noch zwei Arbeitsplätze eingerichtet», erklärt sie. Separate Ein- und Ausgänge seien ebenfalls geplant, damit sich die Kunden nicht kreuzten. Bei schönem Wetter könne man auch im Garten bedienen. Kopfzerbrechen würde ihr einzig eine Maskenpflicht bereiten, denn Schutzmasken seien schwer zu bekommen. «Vielleicht müssen wir die Kunden auffordern, selber eine Maske mitzubringen.»
Die Ämtler Unternehmen sind also bereit, wieder hochzufahren. Anders bei Glaser Dario Piccini. Er war in den letzten Wochen als einer der wenigen gar nicht auf Standby: «Wir versinken in der Arbeit», sagt er. Die sechs Angestellten sind ununterbrochen unterwegs, um Plexiglas-Schutzscheiben an Kassen, in Arztpraxen, Coiffeursalons und Kleiderboutiquen zu montieren.


