Mehr als ein halbes Jahrhundert im Dienst der Öffentlichkeit
Sein öffentliches Engagement in unzähligen Gremien war beispiellos: Vor wenigen Tagen hat die Trauergemeinde in Obfelden und in Bonstetten von Franz Leutert-Illi Abschied genommen.

Video-Übertagungen in den Singsaal des Schulhauses Chilefeld in Obfelden sowie in den Kirchgemeindesaal von Bonstetten sowie in unzählige private Haushalte: Coronabedingt konnten am 7. Mai nicht alle in der reformierten Kirche von Obfelden Abschied nehmen. Und dieser Abschied erfolgte vor dem von Pfarrer Werner Schneebeli (Affoltern) schön gestalteten Trauergottesdienst in Bildern, die das reichhaltige Leben und die vielseitige Tätigkeit von Franz Leutert illustrierten: von der Kindheit bis ins hohe Alter, wo er sich an seinen 14 Enkeln und sieben Urenkeln erfreute. Nun ist das «himmlische Buch», wie es Werner Schneebeli nannte, im 85. Altersjahr geschlossen worden. Ein reichhaltiges Buch, fürwahr, das «Erinnerungen an einen wunderbaren Menschen» wachhält.
Unternehmer und Brückenbauer
Franz Leutert verbrachte seine ersten Jahre bei seinem Götti in Brunnen SZ, danach wuchs er als Ältester zusammen mit sieben Geschwistern im Grossraum Othmarsingen AG auf. Schon in jungen Jahren übernahm er als Vorstandsmitglied der jungen Kirche Verantwortung. Nach einer Lehre als Zimmermann bildete er sich weiter, lernte seine Frau Elsa kennen und trat als Handwerker in die Basler Mission ein. Zusammen mit seiner Frau leistete Franz Leutert Anfang der 1960er-Jahre im damaligen Britisch-Nordkamerun (heute Nigeria) während gut eines Jahres Entwicklungshilfe mit Wasserleitungs- und Häuserbau. Ein erneutes Engagement nach der Rückkehr in die Schweiz wurde durch einen schweren Unfall verunmöglicht.
Aber das hinderte ihn nicht, sein Engagement im Dienst des Gemeinwohls fortzusetzen – erst in Zwillikon, dann in Bickwil-Obfelden. Und dies neben einem Beruf, der ihn forderte: Während 28 Jahren leitete Franz Leutert den Grundbau- und Spezialtiefbaubetrieb der Fietz & Leuthold AG, wo er erfolgreich tätig war und sowohl als Forderer wie auch als Förderer seine Spuren hinterliess. Bei der BatiGroup wurde er schliesslich Leiter der Division Alpen. Nebst Pfählen und Baugrubensicherungen gehörte über Jahrzehnte auch der Brückenbau zu seinen Aufgaben. Und auch da kam sein Talent als Macher zum Vorschein – als Brückenbauer, im wörtlichen wie im übertragenen Sinn.
Franz Leutert wollte keine langen Diskussionen; er bevorzugte kurze Wege, klare Stellungnahmen und sachdienliche Entscheide; er zeigte aber als Unternehmensleiter immer ein Herz für Schwache und Benachteiligte. Und er, der Belesene, lebte seine christliche Überzeugung, was auch in seinem kirchlichen Engagement zum Ausdruck kam.
«Unübertroffen fürs Gemeinwohl»
Von 1978 bis 1996 präsidierte er die Kirchenpflege in Obfelden, wo er mit dem langjährigen Pfarrer Dieter Wachter ein starkes Duo bildete. In diese Zeit fiel auch die Obfelder Kirchenrenovation und die Installation eines neuen Kirchenfensters von Franz Opitz, das den heutigen Raum massgeblich prägt. Ab 1987 bis 2006 stand er auch der Kappelerpflege vor, wo er sich vorerst um die Sanierung der Finanzen kümmerte und anschliessend für einen nachhaltigen Betrieb des Kappelerhofes sorgte.
Aber Franz Leutert hat darüber hinaus weitere, markante Spuren hinterlassen: 1970 bis 1978 gehörte er dem Gemeinderat Obfelden an, 1979 bis 2006 der kantonalen Baurekurskommission (heute Baurekursgericht). Seine finale Behördentätigkeit erfolgte als Mitglied des Bezirksrates Affoltern, dem er von 2003 bis 2013 angehörte. Während zwölf Jahren präsidierte er die Trachtengruppe Knonaueramt. Daneben stellte Franz Leutert sein Wissen und die enorme Erfahrung Vereinen, Verbänden und Baugenossenschaften zur Verfügung – und natürlich «seiner» Partei, der EVP: Auf Bezirksebene während 55 Jahren im Vorstand und 25 Jahre als Präsident, 45 Jahre in der von ihm gegründeten Ortsgruppe Obfelden.
Fünf Jahre lenkte er die Geschicke der kantonalen EVP als Präsident. Weil der EVP bei Proporzwahlen der nötige Sockel fehlte, schaffte er den Sprung in den Kantonsrat nie. «Ich habe Franz Leutert als ewigen Kantonsratskandidaten kennengelernt», sagte Pfarrer Werner Schneebeli scherzhaft. Das hat ihn freilich nie vergrämt – auch nicht, weil Franz Leutert den Parlamentsbetrieb während acht Jahren als Synodaler in der Landeskirche kennengelernt hat.
«Unübertroffen fürs Gemeinwohl»: So fasste Werner Schneebeli das Wirken von Franz Leutert treffend zusammen. «Wir werden ihn vermissen und nicht vergessen. Franz war prägend.»
In der Ahnengalerie des Klosters Kappel
Für Gerhard Gysel, den heutigen Präsidenten der Kappelerpflege, war er während 40 Jahren ein wichtiger Wegbegleiter. Er bezeichnete ihn als Wirker und Bewirker, der es dank seines grossen Engagements mit dem Leutert-Wappen sogar in die Ahnengalerie im Kloster Kappel geschafft hat. Dazu habe er auch als Berater, als gewiefter und zielstrebiger Verhandler seine Meriten geholt – und sich immer auch für die Benachteiligten eingesetzt.
Mehr als ein halbes Jahrhundert diente Franz Leutert der Öffentlichkeit – bis 2003. Ein beispielloses Engagement, das heute, wo manche Behördenämter nur schwer zu besetzen sind, fast quer in der Landschaft steht. Später stand die Zeit mit der Familie auch unter der Woche im Vordergrund, seine Frau Elsa, seine fünf Töchter mit Familien, seine 14 Enkel und sieben Urenkel, seine Geschwister und natürlich auch der Freundeskreis. Am 30. April ist Franz Leutert-Illi in seinem Haus im Obfelder Dorfteil Bickwil im 85. Altersjahr verstorben.


