Mehr Betrieb als vor zweihundert Jahren

Mühlen waren in früheren Jahrhunderten ein Treffpunkt der regionalen Bevölkerung. Die sorgfältig sanierte Aumüli in Stallikon ist es auch heute noch. Am Mühletag vom Samstag fanden sich bei prächtigem Wetter während des ganzen Tages Interessierte ein.

Zwei Knaben wollen entdecken, wie man früher von Hand gewaschen hat. (Bild Erika Schmid)
Zwei Knaben wollen entdecken, wie man früher von Hand gewaschen hat. (Bild Erika Schmid)

Das Wasserrad der Aumüli lieferte genügend Energie, um neben der Mühle auch eine Sägerei zu betreiben. Am Samstag konnte der Antriebsmechanismus, der sorgfältig instand gesetzt worden ist, von nahe betrachtet werden. Gleichzeitig zeigten verschiedene Kunsthandwerker ihre Arbeit, um nachvollziehbar zu machen, wie früher gewirtschaftet wurde: Glockenriemer-Sticker, Klöpplerinnen, Weberinnen, Schmiede.

Der heutige Bewohner der Aumüli, Fredi Hofmann, freute sich, dass nicht weniger als 72 freiwillige Helferinnen und Helfer dafür sorgten, dass die Besucherinnen und Besucher auch kulinarisch auf ihre Kosten kamen. Der Ertrag kommt der Aumüli als einem Kulturdenkmal von überregionaler Bedeutung zugute, denn nach der Sanierung braucht eine Anlage Unterhalt, um instand gehalten zu werden. Fredi Hofmann stellte fest, dass das Interesse an Handarbeit auch in der jüngsten Generation gross ist: «Mir fällt auch auf, dass immer mehr Knaben das Waschen von Hand mit dem Waschbrett ausprobieren.»

Tausendjährige Geschichte

Die Reihe der namentlich erfassten Besitzer der Aumüli beginnt 1544. Die Mühle an der Reppisch ist allerdings wesentlich älter. Erstmals wurde sie urkundlich 1328 erwähnt. Tatsächlich stammt sie aber aus dem Hoch-, möglicherweise gar aus dem Frühmittelalter. Dass viele Mühlen erst im 14. Jahrhundert erstmals in Urkunden auftauchen, hängt damit zusammen, dass in dieser Zeit das Bedürfnis zunahm, Abgaben schriftlich zu dokumentieren.

Bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts besassen die meisten Haushaltungen ein kleines Äckerchen, auch wenn zu dieser Zeit der Broterwerb der Mehrheit der Bevölkerung im Knonauer Amt zu einem grösseren oder kleineren Teil aus der textilen Heimarbeit stammte. Das Getreide musste möglichst zeitnah vor dem Verzehr gemahlen werden, was den regelmässigen Gang zu einer Mühle erforderte. Nicht nur aus Stallikon und Aeugst kamen die Leute zur Aumüli, auch viele Affoltemer kamen mit ihrem Getreide hierher, meist zu Fuss. Der Name Müliberg des kleinen Passes zwischen Affoltern und dem Reppischtal stammt denn auch zweifellos davon, dass die Anhöhe auf dem Weg zur Mühle zweimal überwunden werden musste.

Technologische und wirtschaftliche Änderungen

Die Liberalisierung der Wirtschaft im 19. Jahrhundert führte dazu, dass zahlreiche wirtschaftliche Beschränkungen aufgehoben wurden. So wurde es möglich, neue Mühlen – näher bei den Konsumentinnen und Konsumenten – zu errichten. Gleichzeitig mussten viele Haushaltungen ihre Äckerchen aus wirtschaftlicher Not verkaufen und als Fabrikarbeiter den Lebensunterhalt notdürftig verdienen. Ohne eigenes Getreide war es naheliegend, das Brot von da an bei einem Bäcker zu kaufen.

Der unternehmerisch denkende Aumüller Ulrich Weyermann passte die Struktur des Betriebs im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts den neuen Bedürfnissen an. Er richtete eine Bäckerei mit Verkaufslokal ein, belieferte als Fuhrhalter Kunden mit Holz aus der Sägerei, engagierte sich im Getreide- und Pferdehandel.

Regionaler Treffpunkt

Dank der Energie des Wassers aus dem kleinen Kanal neben der Reppisch war die Aumüli seit dem Mittelalter ein Treffpunkt für die Bevölkerung aus der ganzen Region. Mit dem jährlichen Mühletag wird diese Tradition aufrechterhalten – und gleichzeitig leistet der Anlass einen Beitrag, dass die Mühle als Kulturdenkmal erhalten werden kann. Das grosse Interesse an handwerklicher Arbeit trug ebenso dazu bei wie das strahlende Sommerwetter, dass die Aumüli am vergangenen Samstag wohl noch stärker bevölkert war als an einem Sommertag vor zwei- oder dreihundert Jahren.

Weitere Infos unter www.aumueli.ch.

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