Mehr Leben für Flüsse und Bäche
Der Kanton Zürich will bis 2035 verschiedene Bäche und Flüsse revitalisieren. Dabei sollen die Biodiversität entlang der Fliessgewässer gefördert, Naherholungsgebiete aufgewertet und ein besserer Hochwasserschutz erzielt werden.

«Die wenigsten Schweizer Flüsse und Bäche fliessen heute noch durch ihr natürliches Bett», sagt Marc Autenrieth, Projektleiter Wasserbau beim Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel) des Kantons Zürich. «Im 18. Jahrhundert begannen die Menschen hierzulande, diese im grossen Stil zu begradigen, zu kanalisieren und künstlich zu verbauen. Man wollte Land für Siedlungen und die Landwirtschaft gewinnen und sich gleichzeitig vor Überschwemmungen schützen.» Viele Fliessgewässer beraubte man so ihrer natürlichen Dynamik, aber auch für die Flora und Fauna hatte dieses Vorgehen erhebliche Konsequenzen. «Zahlreiche Lebensräume im und am Wasser sind durch die Verbauungen stark beeinträchtigt.»
Nachdem der Bund 2011 das Gewässerschutzgesetz revidiert hatte, zog der Kanton Zürich mit einer Revitalisierungsplanung nach. Neben der Erhaltung von naturnahen Abschnitten sollen auf Basis dieser Planung bis 2035 je fünfzig Kilometer der kantonalen und kommunalen Fliessgewässer revitalisiert werden. Damit will man nicht nur die Biodiversität entlang der Flüsse, Bäche und die Naherholungsgebiete aufwerten, sondern auch einen Beitrag zum Hochwasserschutz leisten. Die Kosten für die Revitalisierungsmassnahmen gehen zu einem wesentlichen Teil zulasten des Bundes. Der Kanton und die betroffenen Gemeinden beteiligen sich ebenfalls finanziell.
Zusammenarbeit von Bund und Kanton
Neben bereits umgesetzten Revitalisierungen durch Gemeinden und Kanton ist auch der Bund angehalten, zerstörte oder beeinträchtigte Naturlandschaften im Rahmen von sogenannten Ausgleichs- und Ersatzmassnahmen zu ersetzen. So hat das Bundesamt für Strassen (Astra) gemeinsam mit dem Awel vor einiger Zeit den Hofibach zwischen Hedingen und Zwillikon revitalisiert. Dabei wurden die Bachverbauungen entfernt, ein natürlicher Gewässerverlauf angelegt und das angrenzende Bord verbreitert. «Der mäandrierende Bachverlauf orientiert sich heute am ursprünglichen Verlauf des Gewässers», ergänzt Marc Autenrieth. Der Bach soll so zu seiner alten Dynamik zurückfinden.
Auch Flora und Fauna weisen entlang des Hofibaches eine beachtliche Artenvielfalt auf. Bisweilen sieht man das Gewässer ob der wild wuchernden Pflanzen, Büsche und Bäume kaum und vernimmt lediglich ein leises Rauschen oder Plätschern. «Für die Pflege und den Unterhalt der revitalisierten Fliessgewässer sind je nach Standort und Verantwortlichkeit der kantonale Gewässerunterhaltsdienst oder die kommunalen Dienste zuständig», klärt Marc Autenrieth auf. Ökologisches Fachwissen sei dabei mehr als gefragt.
Arbeiten in Gemeinden aufgegleist
Auch in den Gemeinden im Bezirk Affoltern sind bereits einige Massnahmen auf Basis der kantonalen Revitalisierungsplanung aufgegleist. So haben die Verantwortlichen das Vorprojekt für die Revitalisierung eines Teilstücks des Jonenbaches in Rifferswil bereits abgeschlossen, und die Arbeiten am Bauprojekt aufgenommen. Ein weiteres Teilstück des Jonenbaches zwischen Affoltern und dem Zwilliker Weiher befindet sich derzeit noch in der Projektphase.
Auch in verschiedenen Gemeinden im Bezirk sind erste Arbeiten, welche die Revitalisierung kleiner Fliessgewässer betreffen, aufgegleist. In den nächsten 15 Jahren sollen dort entlang verschiedener Bäche die Biodiversität verbessert, die Erholungsgebiete aufgewertet und ein besserer Hochwasserschutz insbesondere im Siedlungsgebiet erzielt werden.


