Mehr Mobilisierung fürs Gewerbe

Stellung beziehen, sich auf lokaler Ebene vermehrt in politische Geschehnisse einmischen und mehr Mobilisierung, wenn es um Themen geht, die das Gewerbe betreffen: Einmal mehr richtete Präsident René Ammann an der GV einen flammenden Appell an die Mitglieder des Gewerbevereins Affoltern.

Gewerbevereinspräsident Präsident René Ammann und Gastreferentin Cécile Koller, Vizepräsidentin der Genossenschaft Kiss. (Bild Werner Schneiter)
Gewerbevereinspräsident Präsident René Ammann und Gastreferentin Cécile Koller, Vizepräsidentin der Genossenschaft Kiss. (Bild Werner Schneiter)

Der Gewerbeverein Affoltern zählt derzeit 150 Mitglieder. 34 kamen am Freitag zur Generalversammlung in den Saal des Mehrzweckgebäudes an der Büelstrasse, wovon 19 stimmberechtigt. Das Coronavirus hielt wohl einige vom Besuch ab. Dieses hat spürbare Auswirkungen auf das lokale Gewerbe, aber laut René Ammann sind es auch andere Herausforderungen, die zu schaffen machen – keineswegs so neue wie das Virus: «Wir sehen uns immer mehr Gesetzen und Vorschriften von Bund und Kanton gegenüber, die im Widerspruch zu dem stehen, was uns die Politik immer wieder verspricht: die Entlastung der KMU-Betriebe, auch von administrativem Aufwand», sagte der Präsident in seinem Jahresbericht.

Ins Visier nahm er auch die Stadt Affoltern. Sie entwerfe ein Leitbild, lade die Vereine zu einem Anlass ein und mache schliesslich eine von ihr
bestimmte Gebührenverordnung, die dann an einer schwach besuchten Gemeindeversammlung verabschiedet werde. Bei diesem Punkt sprach
Ammann den Gewerbetreibenden ist Gewissen, jenen, die stets abseits stehen und sich gegen solcherlei Entscheide nicht engagieren. «Wir müssen dringend mehr Charakter zeigen, uns an Gemeindeversammlungen einmischen und mitbestimmen. Dieses gewerbliche Engagement ist in den letzten Jahren in Affoltern verlorengegangen», bedauerte er.

«Der Bezirksverband sucht Aufgaben und findet keine»

Und er bedauert auch, dass der Bezirksgewerbeverband keine Lust gezeigt hat auf die von Affoltern initiierte Aktion «Lust auf einheimisches Gewerbe?». Diesen Entscheid bezeichnete Ammann als Spiegelbild des Verbandes, bei dessen Sitzungen jedes Mal über die Daseinsberechtigung gestritten wird «Statt den Bezirk und das regionale Gewerbe mit einem einheitlichen Auftritt zu stärken und einen Gegenpol zur Standortförderung zu bilden, werden bei Sitzungen lautstarke Grabenkämpfe geführt.

Der Bezirksverband sucht Aufgaben und findet keine», hielt René Ammann sarkastisch fest. Für ihn gilt: «Nur zusammen sind wir stark, und jeder Verein ist so gut wie dessen Mitglieder». Seit das Spektrum im Gewerbeverein grösser geworden sei, werde leider weniger politisiert, fügte der Präsident bei. Er sieht mit Blick auf die grossen Ausstände bei Beitragszahlungen der Mitglieder in Affoltern auch Defizite in Sachen Solidarität.

Der Präsident sprach ausserdem von der Schwierigkeit, Referenten für Anlässe zu gewinnen, die gut und ­gerne 3000 Franken verlangen für ­einen halbstündigen Vortrag. Am 5. Mai ist ein Mittagsforum zum Thema Energie und Nachhaltigkeit mit den EKZ geplant. Neuigkeiten werden auf der Website www.gewerbeverein-affoltern.ch angekündigt. Gewerbetreibende müssen sich in absehbarer Zeit auch entscheiden, ob sie bei dem für 2021 angekündigten Stadtfest in Affoltern mitmachen wollen. Dazu folgt ein Schreiben des Bezirksverbandes.

Eine Frau für den Vorstand gesucht

Die Versammlung genehmigte alle statutarisch vorgeschriebenen Geschäfte (u.a. unveränderter Mitgliederbeitrag, nach Verlusten kleiner budgetierter Gewinn für 2020) und nahm von sechs Neueintritten und zwei Austritten Kenntnis – mit Freude auch davon, dass Präsident René Ammann für ein weiteres Jahr im Amt bleibt, aber möglicherweise das letzte. David Caldas (Kassier) und Michael Sommer (Aktuar) ergänzen den Vorstand. Ivano Brignoli amtet weiterhin als Vize und ist für Kommunikation zuständig, Manuel Alonso für Events/PR. «Es wäre schön, wenn wir unser Team mit einer Frau ergänzen könnten», so der Wunsch des Präsidenten. Ehe das Nachtessen aus der «Rosengarten»-Küche serviert wurde, sprach Vizepräsidentin Cécile ­Koller über die Genossenschaft Kiss (siehe separaten Text unten).

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