Mehr Reisende nach Zug erwartet

Ein Ausbau der Kapazität der S-Bahn in die Innerschweiz wird aufwendig

Die Strecke in Richtung Zug ab dem Bahnhof Affoltern. (Archivbild Dominik Stierli)

Die Strecke in Richtung Zug ab dem Bahnhof Affoltern. (Archivbild Dominik Stierli)

Ob sich ein Ausbau der S-Bahn-Verbindungen nach Zug rechtfertigt, lässt sich nicht einfach feststellen. Aktuelle ­Zahlen zu den Verkehrsströmen der Bevölkerung sind nur wenige vorhanden und die Abklärungen, was an Ausbauten für mehr Verbindungen nötig sind, ­wurden mehrheitlich noch gar nicht vorgenommen.

Das Gesamtverkehrsmodell des Kantons Zürich rechnet damit, dass bis 2030 die Verkehrsströme in die Stadt Zug um 42 Prozent wachsen, in Richtung Baar und Steinhausen um 24 Prozent. Dabei wird davon ausgegangen, dass der ÖV-Anteil bei Reisen in die Stadt Zug von heute 17 Prozent Anteil am gesamten Verkehr auf 30 Prozent steigt. In die anderen Richtungen (Baar, Cham, Steinhausen und Rotkreuz) bleibt der Anteil mehr oder weniger unverändert.

Langfristige Planungen

Die Zürcher Planungsgruppe Knonaueramt schreibt dazu: «Aufgrund des ÖV-Nachfragepotenzials Richtung Kanton Zug und im Hinblick auf den Bahnausbauschritt 2040/45 (Step AS 2040/45) wird die Umsetzung des vollständigen Ausbaus der S-Bahn Altstetten–Zug auf Doppelspur geprüft. Langfristig können damit auf der Strecke Zürich–Zug durchgehend vier Verbindungen angeboten werden. Damit wird das Knonauer Amt besser an den Kanton Zug angebunden und das Verkehrssystem im Knonauer Amt und im Kanton Zug wird entlastet.» Das Projekt sei auch im kantonalen Richtplan eingetragen. Es wird aber betont, dass «dieser Richtplaneintrag nicht mehr und nicht weniger als die Darlegung des Interesses des Kantons Zürich» bedeute. Die konkrete Planung und insbesondere die Terminierung des Ausbaus der Bahninfrastruktur würde vom Bundesparlament auf ­Antrag des Bundesrates beschlossen.

Aufhorchen lässt die Aussage, dass bisher auch nicht geklärt wurde, ob für eine Kapazitätserweiterung zwingend ein Doppelspurausbau notwendig sei. Diese Prüfung sei Sache des Bundes­amtes für Verkehr in Zusammenarbeit mit der SBB AG. Dass man hier weit von einem Projekt entfernt ist, zeigt auch, dass es bisher keine Kostenschätzungen für einen Ausbau gibt. Auf die Frage, ob auch Alternativen wie Bus-Verbindungen in die Innerschweiz oder auch ein Schnellbus via Autobahn hilfreich wären, antwortet Alexander Neuhaus, stellvertretender Sekretär der Zürcher Planungsgruppe Knonaueramt, man habe mehrere Alternativen geprüft: «In dieser Evaluation hat sich gezeigt, dass nur die strategische Stossrichtung ‹S-Bahn stärken› zielführend ist. In diesem Sinne gibt es keine Alternativen.»

Ausbau aufwendig

Gemäss dem Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) sind in den nächsten Jahren keine Ausbauten auf der Strecke nach Zug geplant und auch nicht finanziert. Auch eine Verlängerung der S14 kann nicht einfach umgesetzt werden.

Der ZVV schreibt dazu: «Im aktuellen Fahrplan kann die S14 nicht nach Zug verlängert werden. Es bräuchte hierfür Ausbaumassnahmen an der Infrastruktur wie zusätzliche Kreuzungsstellen. Diese sind aber nicht durch den Bund im nächsten Ausbauschritt der Bahninfrastruktur Step 2035 beschlossen und somit auch nicht finanziert. Weiter wären die Kreuzungsstellen auch nicht optimal, da mittel- bis langfristig angestrebt wird, dass die beiden Linien im Knonauer Amt im exakten Viertelstundentakt verkehren. Damit wären die Kreuzungsstellen nicht mehr an den richtigen Orten. Zudem macht der ZVV geltend, dass aktuell kein Rollmaterial für so eine Verlängerung verfügbar sei. Unabhängig davon sprach vor zwei Wochen der SBB-Chef Vincent Ducrot von einem Viertelstundentakt für die ganze Schweiz. An der Präsentation der Jahreszahlen sprach er davon, das Knoten­prinzip aufzuweichen. Nach diesem haben Reisende in grossen Bahnhöfen wie Bern, Zürich HB oder Basel SBB immer zur halben oder vollen Stunde von allen Richtungen Anschlüsse. Je öfter Züge fahren, desto weniger wichtig werden die Anschlüsse, da die Wartezeiten gering sind, ähnlich wie bei einem Trambetrieb.

Politischer Vorstoss

Wie Anfang März im «Anzeiger» erwähnt, gab es im letzten Jahr auch einen politischen Vorstoss zu diesem Thema. EVP-Kantonsrat Daniel Sommer reichte im Januar 2023 ein Postulat ein, mit dem alle Ämtler Kantonsräte einen ­raschen Bahnausbau nach Zug fordern. Dies lehnte der Regierungsrat aber ab. In seiner Stellungnahme verweist dieser darauf, dass der Ausbau der Bahninfrastruktur grundsätzlich die Aufgabe des Bundes sei. Die aktuellen Ausbauschritte für 2035 sind bereits definiert. «Folglich könnte auch ein Angebotsausbau auf dem Abschnitt Affoltern–Zug erst mit dem nächsten grossen Ausbauschritt erfolgen. Dieser soll voraussichtlich 2030 beschlossen und bis 2050 (Step 2050) umgesetzt werden», schreibt der Regierungsrat in seiner Antwort. Auf Nachfrage des «Anzeigers» erklärt Kantonsrat Daniel Sommer, dass das Postulat demnächst im Kantonsrat behandelt werden sollte. Für die gestrige Kantonsratssitzung war es bereits traktandiert, bis Redaktionsschluss war jedoch nicht klar, ob es behandelt wurde. In der negativen Stellungnahme des Regierungsrates stellte dieser zwar einen Antrag auf Ablehnung. Weil aber immer noch fast alle Ämtler Kantonsrätinnen und Kantonsräte hinter dem Postulat stünden, hat dieses dennoch Chancen überwiesen zu werden. Gelingt dies, muss der Regierungsrat innert zwei Jahren nach der Überweisung über das Ergebnis seiner Prüfung Bericht erstatten. Mit grosser Wahrscheinlichkeit werde er aber wohl weiterhin auf seiner ­Ablehnung beharren. «Generell ist ein Postulat allerdings ein schwaches Werkzeug», erklärt ­Sommer. Ob und wie das Thema noch auf anderem Weg weiterverfolgt würde, sei noch nicht entschieden. Alle zwei Jahre würde man über die Strategie des Zürcher Verkehrsverbundes im Kantonsrat befinden. Da sehe er eine weitere Chance, das Thema einzubringen.

Generell habe der Kanton Zürich mit den hohen Finanzbeiträgen in den Bahninfrastruktur-Fonds des Bundes ein grosses Gewicht bei Ausbauprojekten. So seien in letzter Zeit der Brüttener und der Zimmerberg-Tunnel 2 und auch der Ausbau des Bahnhofs Stadelhofen in die Planung des Bundes aufgenommen worden. Darauf nimmt auch der ZVV Bezug: «Mit der Realisierung des Zimmerberg-Basistunnels 2 reduziert sich die Fahrzeit auf diesem Weg weiter und wird dadurch noch attraktiver als die Strecke der S5 via Knonauer Amt.»

Die Prioritäten liegen im Moment nicht auf dem öffentlichen Verkehr in Richtung Innerschweiz. Vielleicht müssen in Zukunft doch auch Alternativen zum Bahnausbau in Erwägung gezogen werden. So wie zum Beispiel Busverbindungen ab Orten im Säuliamt in Richtung Zug. Diese scheinen einfacher zu realisieren sein. So bestehen auch schon Verbindungen zum Beispiel ab Hausen nach Baar oder von Knonau nach Cham und Rotkreuz.

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