Mehr Schadholz als nach "Lothar"
Nach den Stürmen der letzten zwei Jahre sind in den meisten Wäldern im Bezirk Affoltern die unzähligen geknickten und entwurzelten Bäume aufgeräumt worden. Der Schaden lässt sich nun beziffern. Er ist höher als jener nach dem Orkan Lothar. Die auffälligen kahlen Flächen in einigen Wäldern sind Folgen dieser Stürme und auch des Borkenkäfers.

Vor gut 20 Jahren zerstörte der Orkan Lothar riesige Waldflächen. Die Wunden sind nun langsam geheilt, die neuen Bäume nachgewachsen. In den vergangenen beiden Jahren zogen jedoch wieder mehrere heftige Stürme übers Land: «Burglind» im Januar 2018 sowie «Sabine» und mehrere Folgestürme im Februar 2020. Die Aufräumarbeiten nahmen während dieser Zeit für die Waldbesitzer kein Ende.
Im Bezirk Affoltern gehören die Wälder vor allem Privaten und Korporationen. Ein kleiner Anteil der Fläche ist Gemeinde- oder Staatswald. Mehrere Förster sind für verschiedene Kreise zuständig. Förster Robi Püntener vom Forstrevier Oberamt – dazu gehören Kappel, Hausen, Rifferswil und Aeugst – kann nun die Schadenmenge der letzten zwei Jahre beziffern. «Die Schäden durch den Sturm Burglind, die Borkenkäfer und die Stürme vom Februar 2020 haben mittlerweile mehr Schadholz verursacht als der Sturm Lothar inklusive der darauffolgenden zwei Jahre.»
Im Oberamt habe Lothar 15 bis 18 Hektaren Wald zerstört und 33000 Kubikmeter Schadholz hinterlassen. «Jetzt beträgt die Fläche fast 20 Hektaren und wir haben 34000 Kubikmeter Schadholz aus dem Wald geholt.» Das sei die Menge des normalen Jahreszuwachses von dreieinhalb Jahren. Die grossen Holzstämme lagern teilweise noch entlang der Waldwege auf hohen Stapeln und warten auf den Abtransport. Das qualitativ gute Holz wird in Sägereien verkauft, der Rest zu Hackholz für Schnitzelheizungen verarbeitet. Im Moment bestehen wegen des Coronavirus aber auch im Holzabsatz Verzögerungen.
Sturm und Borkenkäfer
Bei einem Rundgang durch den Wald am Aeugsterberg erklärt der Förster: «Diese Fläche hier sieht deprimierend aus, wie ein Kahlschlag. Es gab schon Wanderer, die dachten, die Waldbesitzer hätten hier mutwillig abgeholzt.» Dem sei nicht so. «Es handelt sich um eine der zahlreichen Flächen in den Wäldern, wo die Stürme besonders stark einwirken konnten und viele Bäume knickten oder entwurzelten.» Und nach den Stürmen sei der Borkenkäfer sehr aktiv gewesen, was weitere Bäume zum Absterben gebracht habe. Das warme Wetter jetzt sei übrigens leider für den Borkenkäfer optimal, sagt er, und zeigt auf einen kleinen schwarzen Käfer, der auf seinem Arm gelandet ist.
Nach dem Aufräumen folgt nun das Aufforsten. Dort, wo sich der Wald selber verjüngt und neue Bäume zu spriessen beginnen, wird das natürlich unterstützt. Ansonsten werden neue Bäume gepflanzt. «Wir möchten möglichst zukunftsfähige Arten pflanzen», betont Robi Püntener. Doch das sei eben gar nicht so einfach. «Wir wissen ja nicht verbindlich, war für ein Klima in 50 Jahren herrschen wird.» Aus diesem Grund wähle man möglichst verschiedene Baumsorten wie Eichen, Wildkirschen, Ahorn, Nussbäume, Linden, Föhren, Lärchen, Weisstannen oder auch Douglasien.
Auch emotionaler Verlust
Besonders für die privaten Waldbesitzer waren die zahlreichen Stürme belastend. Rolf Streich aus Aeugst besitzt zwei Hektaren Wald und ist nun seit zwei Jahren fast pausenlos daran, aufzuräumen und Schäden zu beheben. «Zuerst schlug Sturm Burglind eine Schneise in mein Waldstück, dann musste ich wegen des Borkenkäfers die schönsten Tannen rausnehmen, und schliesslich knickte der Sturm Sabine das, was noch stand.»
Er habe sehr Freude an seinem Wald. «Aber wenn dann innerhalb so kurzer Zeit dermassen viel kaputt geht, ist das schon frustrierend.» Es gehe ihm nicht nur um den finanziellen Schaden, der natürlich auch hoch sei. «Es geht um die Arbeit von einer ganzen Generation. Das ist auch ein emotionaler Schaden. Das dauert nun 30 bis 40 Jahre, bis diese Wunden im Wald geheilt sind.» Zum Glück gibt es aber auch erfreuliche Nachrichten aus dem Privatwald vom Aeugsterberg. Ein Teil des Sturmholzes von «Sabine» wird nun für den Bau des neuen Betriebsgebäudes vom Camping Türlersee verwendet. Die Weisstannen-Stämme guter Qualität sind für die Aussenschalung vorgesehen. Sie wurden schon in die Sägerei geliefert und sind somit bereit, wenn der Bau im kommenden Herbst beginnen soll.


