Mit Alfonso und Bruno zurück in die 90er
Die Schmirinskis sind wieder da – und mit ihnen Kultfiguren, alte Pointen und jede Menge Schweizer Prominenz
Eine Stunde vor Showbeginn bahnen sich am Freitagabend in Affoltern dunkle Autos ihren Weg durch den Nieselregen. Wo gäbe es noch einen freien Parkplatz? In der Kasino-Tiefgarage jedenfalls nicht; die digitale Anzeige über der Einfahrt leuchtet rot. Das dichte Stimmenrauschen vom Kasino-Vordach ist sogar im Untergeschoss des Parkhauses noch zu hören. Autos aus der halben Schweiz stehen hier, die meisten Mittelklassewagen, ein paar Ausreisser nach oben. Die Gäste, die hier unten parkiert haben, sind längst verschwunden. Nur ihre opulenten Parfüms hängen noch in der Luft. Es riecht nach Bedeutsamkeit.
Im Mai hatten Stephan Schmidlin und René Rindlisbacher überraschend verkündet, dass sie zu Ehren ihres 40-Jahre-Jubiläums als Schmirinskis und 25 Jahre nach der Trennung noch einmal auf die Bühne zurückkehren: mit zwei Jubiläums-Shows in Affoltern, wo ihre Karriere begonnen hatte. Wie in einer perfekten Reinszenierung nahmen alle noch einmal die gewohnten Rollen ein: Die «Glückspost» hob das Cüpliglas («Prost auf das Comeback»), die NZZ lästerte («Sauglatte Schenkelklopfer») und die Fans drehten durch: In drei Minuten waren alle Billette weg.
Beim Apéro unter dem Kasino-Vordach bestätigt sich, was sich an den Nummernschildern der Autos angedeutet hat: Der Ruf der Schmirinskis reicht weit über die Kantonsgrenze hinaus. Die Gästeliste reicht von Fussball-Natitrainer Murat Yakin und Ex-Eiskunstläuferin Denise Biellmann über Hausi Leutenegger und Sänger Seven bis zu den Federer-Eltern. In Stilettos, eng geschnittenen Anzügen oder betont lässig in Sneakers prostet sich die versammelte Prominenz zu. Und zwischen all diesen bekannten Gesichtern scheint da und dort eine erstaunlich glatte Stirn oder pralle Lippe bereit, ebenfalls erkannt zu werden.
Nur einer macht sich auf den Heimweg, noch bevor der Abend beginnt. Es ist Toni Bortoluzzi. Er hatte einst jene Turnerchränzli organisiert, bei denen die Schmirinskis ihre ersten Auftritte hatten. «Ich kenne fast niemanden», sagt er und lacht. Ein einziges Gesicht hat er erkannt: Murat Yakin – aus dem Fernsehen. Nun zieht es ihn zurück in sein Wohnzimmer. Dort werde er «die Beine hochlegen und die ‹Weltwoche› lesen.»
Schütteres Haar, scharfe Zungen
Kurz nach 20 Uhr tritt Stefan Büsser für die Anmoderation auf die Bühne. «Wie ihr unschwer erkennt, bin ich weder René noch Schmidi. Für die, die mich nicht kennen, stelle ich mich gerne kurz vor: Mein Name ist Victor Giacobbo. Ich habe die Schmirinskis damals entdeckt.» Büsser soll das Publikum auf die SRF-Kameras und natürlich auf den Abend einstimmen. «Toben, stampfen, klatschen, BHs schmeissen − wie an einem ganz normalen Freitagabend in Affoltern.»
Dann treten die beiden auf die Bühne. Rindlisbacher im goldenen Paillettenanzug, Schmidlin im schwarzen Jackett. Da sind sie nun also, die Schmirinskis, nach 25 Jahren wieder als Duo vereint. Die Körper sind nicht mehr so durchtrainiert, das Haar schütterer und grauer – und natürlich wissen die beiden daraus als Erstes Kapital zu schlagen. «Früehner bisch mit ere Hechtrolle ine cho», stichelt Rindlisbacher etwa während der «Polizeikontrolle», einer ihrer legendärsten Nummern.
Gestik, Mimik und Mundwerk jedenfalls haben die vergangenen 25 Jahre erstaunlich unbeschadet überstanden. Wie zu besten Schmirinski-Zeiten dürfen sich die Fans noch einmal über die bekanntesten Nummern amüsieren: Schmidlin im Superman-Kostüm oder in der Lederhose als «Hausi» Leutenegger, beide zusammen als Avatare oder grossspurige Tennis-Laien (neu mit Roger-Federer-Fanmütze). Und natürlich dürfen auch Kultfiguren wie Alfonso oder Bruno Waldvogel nicht fehlen.
Zwischen den Sketches sorgen Einspieler und Anekdoten der beiden für Abwechslung. Die Schmirinskis haben sichtbar Spass. Und das Publikum geht mit – es erkennt die alten Figuren sofort, applaudiert ausgiebig und lacht − auch bei der einen oder anderen Pointe, die heute in dieser Form wohl nicht mehr geschrieben würde.
Restlos begeistertes Publikum
Als «fantastisch» bezeichnet René Rindlisbacher nach der Show gegenüber Tele Züri das Gefühl, wieder mit Stephan Schmidlin auf der Bühne zu stehen: «Da kommen alte Erinnerungen hoch.»
Ähnlich viel Spass hatte das Publikum: «Restlos begeistert» ist Ex-Eiskunstläuferin Denise Biellmann. Sänger Jan «Seven» Dettwyler verrät: «Ich habe seit 20 Jahren auf diesen Abend gewartet, und es ist genau so, wie ich es erhofft habe.» Und Moderator und Comedian Stefan Büsser sagt es gegenüber SRF so: «Ich habe mich vor der Show gefragt, funktioniert das auch 25 Jahre später noch, und man kann sagen: Es funktioniert definitiv.» Eine Tour schliessen die Schmirinskis zwar aus, gut möglich aber, dass es 2027 noch ein paar Zusatzshows geben wird.


















