Mit «Lift» selbstbewusst zur Lehre

Zwölf Jugendliche sammelten mit «Lift» ein Jahr lang Berufserfahrung im Säuliamt.

Daniel Frischkopf besprach die Arbeitseinsätze mit den zwölf Jugendlichen wöchentlich und unterstütze sie bei der Jobsuche. (Bild Desirée Ayer)
Daniel Frischkopf besprach die Arbeitseinsätze mit den zwölf Jugendlichen wöchentlich und unterstütze sie bei der Jobsuche. (Bild Desirée Ayer)

«Wir Erwachsenen wissen genauso, wie viel Überwindung es kostet, sich in einem neuen Betrieb vorzustellen», sagte Schulleiterin Corinne Hochstrasser aus Obfelden an der Diplomfeier des Projekts «Lift» am Mittwochabend in Mettmenstetten, «ihr könnt stolz auf euch sein, dass ihr euch das getraut habt.»

Mit «Lift» erhalten Jugendliche bereits während der Sekundarschule die Möglichkeit, erste Erfahrungen in der Arbeitswelt zu sammeln. Während eines Jahres arbeiten sie jede Woche einen halben Tag in einem regionalen Betrieb. Dabei erleben sie, wie der Arbeitsalltag in einem Betrieb aussieht, übernehmen Verantwortung und sammeln erste Berufserfahrungen.

«Oft können die Jugendlichen im Nachhinein nicht genau benennen, was sie während der Zeit gelernt haben», sagt Stephan Süess, Regionalleiter des Projekts. Die Erfahrungen in der Arbeitswelt würden ihnen jedoch Sicherheit geben, weshalb sie später selbstbewusster an die Lehrstellensuche herangingen.

Telefonieren fiel anfangs schwer

Daniel Frischkopf, der seit 2025 an der Sekundarschule Mettmenstetten unterrichtet und die Jugendlichen im Projekt «Lift» begleitet hat, überreichte den Teilnehmenden aus den drei Projektgemeinden Obfelden, Affoltern und Mettmenstetten ihre Diplome.

Rückblickend beeindruckte Frischkopf besonders, dass den Jugendlichen oft nicht die grossen Aufgaben, sondern die kleinen Erlebnisse in Erinnerung geblieben seien. So erinnerte er sich an einen Schüler, der im Restaurant Bahnhöfli in Mettmenstetten gearbeitet hatte. «Was ihm besonders in Erinnerung geblieben ist, war, wie gut die Pommes nach der Arbeit geschmeckt haben», sagte Frischkopf. Jeden Freitag reflektierte Frischkopf mit den Jugendlichen ihre Arbeitseinsätze. Sie sprachen über ihre Erfahrungen, mögliche Berufswege und Herausforderungen. «Obwohl die Jugendlichen mit Smartphones aufwachsen, fällt es vielen anfangs schwer, jemanden anzurufen und sich am Telefon einem Arbeitgeber vorzustellen», sagt Frischkopf.

Leoni aus Mettmenstetten berichtete selbst von ihren Erlebnissen: «Meinen ersten Arbeitseinsatz absolvierte ich in einer Kita, weil ich ursprünglich eine Ausbildung in diesem Bereich machen wollte», sagt sie, «ich konnte dort vieles selbstständig machen, fühlte mich aber nie auf mich allein gestellt.»

Die Arbeit im Team habe ihr zwar gefallen, gleichzeitig habe sie erkannt, dass sie sich beruflich doch eher in eine andere Richtung entwickeln möchte. «Später arbeitete ich auch in einem Altersheim im Service. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir, als ich die Geburtstagsgeschenke für die Bewohnerinnen und Bewohner einpacken durfte», sagt sie.

Nach der Feier die letzte Arbeit

Im vergangenen Jahr leisteten die zwölf Schülerinnen und Schüler gemeinsam mehr als 1000 Arbeitsstunden. Dafür erhielten sie fünf Franken pro Stunde. Für die Teilnahme am Projekt mussten sie sich bereits ein Jahr im Voraus bewerben. «Das Projekt richtet sich insbesondere an Jugendliche im zweiten Jahr der B- und C-Sekundarklassen, um sie bei der Lehrstellensuche zu unterstützen», erklärt Frischkopf.

«Lift» besteht in der Schweiz seit 20 Jahren und wird mittlerweile an über 400 Schulen durchgeführt. Nach der feierlichen Diplomübergabe wartete auf die Jugendlichen noch ein letzter Arbeitseinsatz: Sie servierten den anwesenden Eltern den Apéro mit Getränken und Sandwiches.

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