Projekt soll gut 21 Millionen kosten
Stalliker Gemeinderat veröffentlicht Abstimmungsvorlage zum Schulhausneubau – Petitionäre bleiben skeptisch

Jetzt ist die Katze aus dem Sack. Der vom Stalliker Gemeinderat und der Schulpflege vorgeschlagene Bau eines neuen Schulhauses, einer Sport-/Mehrzweckhalle und eines Generationenplatzes beim Schulhaus Pünten soll zwischen 21.1 und 21.9 Millionen Franken kosten. Bei der teureren Variante A würde der Generationenplatz unter anderem mit zusätzlichen Sportanlagen und einem Gebäude mit öffentlicher WC-Anlage ausgestattet, bei der günstigeren Variante B würde vorderhand darauf verzichtet werden. Gemeinderat, Schulpflege und Rechnungsprüfungskommission empfehlen der Stimmbevölkerung, bei der Urnenabstimmung am 27. September beim Hauptantrag und der Stichfrage für die Variante A zu stimmen. Dies geht aus den am Freitag auf der Webseite der Gemeinde veröffentlichten Abstimmungsunterlagen (Beleuchtender Bericht) hervor. Die nun vorliegenden Zahlen beziehen sich auf die Projekte «Azoamicus» (Schulanlage; Niedermann Sigg Schwendener Architekten) und «Quartett» (Generationenplatz und Aussensportanlage; Sima Breer Landschaftsarchitekten), die 2023 als Sieger aus einem Architekturwettbewerb hervorgingen.
Im Kredit enthalten sind auch 910000 Franken für zusätzliche Anpassungen im bestehenden Schulhaus und Werkhofgebäude.
Es ist das grösste öffentliche Bauprojekt in der Geschichte der Gemeinde. «Dabei wurde auf eine solide und langlebige Bauweise geachtet», erklärte dazu Gemeindepräsident Reto Bernhard gegenüber dem «Anzeiger».
Auf die offizielle Bekanntgabe des Objektkredits (Baukredits) hatten in Stallikon nicht wenige mit Spannung gewartet. Denn bei den allerersten, groben Schätzungen vor ein paar Jahren war zuerst von 17 Millionen Franken die Rede gewesen (+/- 30 %), später dann von über 23 Millionen. Die Preissteigerung und die zuletzt genannten 23 Millionen Franken nahm eine kleine Gruppe von Stimmbürgern vor einigen Monaten zum Anlass, eine Petition zu lancieren. Darin verlangt die Gruppe eine Verschiebung der Abstimmung und die Einholung von Offerten für den Bau von Schulraum/Mehrzweckhalle in günstigerer, hochwertiger Modulbauweise.
Diese Bitte lehnt der Gemeinderat in einer parallel zur Abstimmungsvorlage veröffentlichten Antwort an die Petitionäre vollumfänglich ab (siehe Kästchen). Aus seiner Sicht müsste man bei einem Kurswechsel im Sinne der Petition mit der Planung nahezu wieder von vorne beginnen. Die Folgen wären jahrelange Verzögerungen, die Kosten nicht abschätzbar.
Kein höherer Steuerfuss notwendig
Die Notwendigkeit einer neuen Sporthalle ist in Stallikon unbestritten. Beim zusätzlichen Schulraumbedarf gehen die Meinungen zwischen Gemeinderat/Schulpflege und den Petitionären bezüglich Umfang und Dringlichkeit allerdings auseinander. Zentraler Streitpunkt sind aber vor allem die Kosten und damit verbunden die künftige finanzielle Belastung der Gemeinde und der Steuerzahlenden. Die Petitionäre sprechen in diesem Zusammenhang von einer notwendigen Steuerfusserhöhung von 10 bis 15 Prozent. Aktuell liegt der Steuerfuss in Stallikon bei 83 Prozent (politische Gemeinde).
Diesem Argument nimmt der Gemeinderat in der Abstimmungsvorlage jetzt einigen Wind aus den Segeln, indem er festhält: «Der Neubau Schulhaus Pünten kann ohne Erhöhung des Steuerfusses finanziert werden.»
Dies sieht auch die Rechnungsprüfungskommission (RPK) so. Ihre erfrischend eigenständige, mit kritischem Blick erstellte Stellungnahme kommt bezüglich der finanziellen Belastung zum Schluss: Aufgrund der «sehr guten Rechnungsabschlüsse der vergangenen Jahre mit dem vollständigen Schuldenabbau und der starken Zunahme des zweckfreien Eigenkapitals» sei der überarbeitete Finanz- und Aufgabenplan 2027 – 2030 plausibel und nachvollziehbar. Zwar sei eine erneute Fremdverschuldung in der Höhe von 15.4 Millionen Franken notwendig (ca. 70 % der Investitionen), was zu einer «sehr hohen» Pro-Kopf-Verschuldung von 3850 Franken führe. Mit den im Finanzplan neu budgetierten Steuererträgen sollte jedoch die mittelfristige finanzpolitische Zielsetzung von zwischen 0 und 2000 Franken pro Einwohner erreichbar sein. Die RPK hält allerdings auch fest, dass sich eine allfällige Anpassung/Erhöhung des Steuerfusses zwar während der Planungsperiode und darüber hinaus nicht aufdränge. Nach Bauvollendung und im Hinblick auf eine mögliche Realisierung des Projekts «Landgarten» sei dannzumal jedoch eine Neubeurteilung der Gesamtsituation angezeigt. Des Weiteren verzichtet die RPK auf die Variantenfrage und dazugehörige Stichfrage einzugehen. Begründung: Die Differenz zwischen den beiden Varianten betrage gemessen an den Gesamtinvestitionen gerade mal drei Prozent und sei somit «zu gering und vernachlässigbar».
Erschliessung über Reppischtalstrasse
Die von Gemeinderat und Schulpflege favorisierte Variante A sieht im Bereich der bestehenden Schulanlage Pünten einen zweistöckigen Schulhaus-Neubau vor, der unter anderem zwei Schul- und zwei Gruppenräume beinhaltet, zwei Kindergärten, einen Singsaal und diverse Nebenräume. Die geplante neue Sport- und Mehrzweckhalle, die an den bestehenden Werkhof angebaut werden soll, umfasst eine Einfachsporthalle (BASPO A), die auch als Mehrzweckhalle (mit Bühne) genutzt werden kann. Dazu kommt ein sogenannter Generationenplatz (Spiel- und Sportanlage). Dieser besteht in der einfachen Variante B aus einem Allwetter- und einem Rasenspielplatz. Bei der Variante A käme ein kleines Nebengebäude dazu mit öffentlichem WC sowie einem Geräteraum und einer Garage, zusätzlich ein Pumptrack (wellenförmiger Rundkurs für Velos), zwei Boule-Spielfelder und die Erweiterung des Wegnetzes entlang des Reppischlaufs. Sowohl Schule als auch Mehrzweckhalle sollen als Holzbau realisiert werden. Diese Bauweise sei ökologisch, erlaube einen hohen Vorfertigungsgrad und verkürze die Bauzeit, wodurch der Schulbetrieb möglichst wenig beeinträchtigt werde. Beim Schulhaus sei die Tragstruktur so dimensioniert, dass eine spätere Aufstockung um ein weiteres identisches Schulgeschoss möglich sei. Rechnet man zu den beiden vorgelegten Varianten die an der Urnenabstimmung vom Juni 2024 bewilligten Projektierungskosten hinzu, belaufen sich die Gesamtinvestitionen auf 24.3 Millionen Franken (A), beziehungsweise auf 23.6 Millionen (B). Nicht eingerechnet sind dabei zu erwartende Subventionen für die Sporthalle (maximal 600000 Franken) und die Photovoltaikanlage (22000, auf der Sport-/Mehrzweckhalle) sowie Gelder aus dem kantonalen Impulsprogramm für Sportinstallationen (25000) und Sponsoringbeiträge für den Pumptrack durch die Helvetia Versicherungen und die Genossenschaft Kafimüli (7000). Mit den Neubauten sollen zusätzlich zu den 21 bestehenden Parkplätzen beim Werkhof 20 weitere entlang der Reppischtalstrasse entstehen. Die Erschliessung der Mehrzweckhalle und des Generationenplatzes soll direkt über die Reppischtalstrasse erfolgen. Auf diese Weise werde das Pünten-Quartier durch Vereinssport und kulturelle Aktivitäten in der Sport-/Mehrzweckhalle kaum tangiert, so der Gemeinderat in der Abstimmungsvorlage.
Loomatt massiv überbelegt
Gemeinderat und Schulpflege begründen ihren Vorschlag unter anderem mit dem fehlenden Schulraum. Schon im aktuellen Schuljahr habe ein Defizit von 19 Prozent der benötigten Schulfläche bestanden. Zudem würden in den kommenden Jahren mit der geplanten Wohnüberbauung «Landgarten» drei sanierungsbedürftige Klassenräume wegfallen (die beiden Kindergärten im Dorf und der hintere Teil des alten Schulhauses Dorf). Noch grösser sei der Engpass im Bereich der Sportinfrastruktur. So sei die Turnhalle Loomatt derzeit zu 151 Prozent ausgelastet. Rund ein Drittel aller Stalliker Schulkinder müssten derzeit für den Turnunterricht auf Turnhallen in den drei Nachbargemeinden Bonstetten, Wettswil und Uitikon ausweichen. Dafür zahle Stallikon Miete. Zudem verursachten die Transporte zusätzlichen Transportaufwand und halbierten die effektive Unterrichtszeit. Vom Bau der Sport-/Mehrzweckhalle profitierten auch die lokalen Sportvereine. Die Halle könne zudem für gesellschaftliche und kulturelle Veranstaltungen (Platz für bis zu 500 Personen) genutzt werden.
Bei der Variantenfrage weisen Gemeinderat und Schulpflege darauf hin, dass ein Verzicht auf die Ausgestaltung des Generationenplatzes (Variante B) zwar 740000 Franken günstiger käme, ein späterer Ausbau dafür deutlich teurer würde und eine zusätzliche Belastung für den Schulbetrieb wäre. Grundsätzlich, so die Abstimmungsempfehlung, würden beide vorgeschlagenen Varianten «einen langfristigen Mehrwert für die Schulinfrastruktur und die Bevölkerung von Stallikon schaffen». Die Variante A belebe aber mit einem «vielfältigen, generationenübergreifenden Leistungsangebot das Dorfzentrum von Stallikon» und könne so «dem dörflichen Leben wesentliche Impulse geben».
Sollte der Objektkredit am 27. September von den Stallikerinnen und Stallikern bewilligt werden, könnte bereits im Winter mit den Bauarbeiten begonnen werden (vorausgesetzt, das Vorhaben wird nicht durch Einsprachen/Rekurse verzögert). Der Bezug der neuen Gebäude könnte dann im Sommer 2028 erfolgen.
Vor der Abstimmung, am 26. August, führt die Gemeinde eine Informationsveranstaltung durch.
Gemeinderat beurteilt Petition negativ
Der Stalliker Gemeinderat weist die Mitte Juni eingereichte, von 134 Personen unterstützte Petition gegen die geplante Schulraumerweiterung mit Sport-/Mehrzweckhalle und Generationenplatz ab.
Es handelt sich um eine Art «Express-Antwort»; zwischen Petition und Antwort liegen nur gerade zehn Tage, vom Gesetz her hätte sich der Gemeinderat bis zu sechs Monate Zeit lassen können. Dennoch ist die Antwort an die vier Urheber der Petition mit sieben A4-Seiten bemerkenswert detailliert.
So erklärt der Gemeinderat zu den vorübergehend leicht sinkenden Schülerzahlen, dass man auch den «steigenden Flächenbedarf für Tagesstrukturen, Gruppenunterricht, Spezialunterricht und moderne pädagogische Konzepte» habe mitberücksichtigen müssen. Das Argument der Petitionäre, es brauche lediglich vier neue Schulzimmer, greife daher zu kurz.
Negativ äussert sich der Gemeinderat auch zu der in der Petition als günstige Alternative erwähnten Modulbauweise. Diese könne in bestimmten Situationen zwar eine zweckmässige und wirtschaftliche Lösung darstellen. Beim vorliegenden Projekt handle es sich «jedoch nicht um einen einfachen Schulraumbau, sondern um ein komplexes Bauvorhaben mit unterschiedlichen Nutzungsanforderungen».
Die in der Petition genannten Kosten von rund 15 Millionen Franken für einen Modulbau beruhten lediglich auf Grobschätzungen. Um eine seriöse Beurteilung der Wirtschaftlichkeit einer Modulbaulösung vornehmen zu können, wären eine «vollständige Neuplanung und eine erneute Ausschreibung» nötig.
Auch das von den Petitionären angeführte Argument der extremen Kostenentwicklung seit 2024 lässt der Gemeinderat nicht gelten. Damals habe es sich um eine Grobschätzung gehandelt, so der Gemeinderat. Der Anstieg sei nicht Ausdruck einer unkontrollierten Entwicklung, sondern die Folge üblicher Präzisierungen innerhalb eines mehrjährigen Prozesses.
Weiter sei auch die durch das vorliegende Projekt angeblich unvermeidliche kräftige Steuererhöhung nicht zutreffend (siehe Hauptartikel). Eine Steuerfusserhöhung sei nicht notwendig. Die in der Petition gewünschte Verschiebung der Abstimmung lehnt der Gemeinderat ebenfalls ab: «Ein Abbruch der laufenden Planung und die Neuaufnahme des Projekts in Modulbauweise würden einen grundlegenden Systemwechsel bedeuten.» Die Folgen: die bisherigen Projektierungskosten von 2.4 Millionen Franken müssten vollständig abgeschrieben und ein neues Projekt von Grund auf entwickelt werden. Dies würde die «Realisierung des dringend benötigten Schulraums und der Sportinfrastruktur um mehrere Jahre verzögern».
Die vier Urheber der Petition wollten noch keine abschliessende Position zur Abstimmungsvorlage beziehen. Auf Anfrage erklärten sie gegenüber dem «Anzeiger», dass sie zuerst die umfangreichen Unterlagen anschauen wollen. Man nehme aber zur Kenntnis, dass die Kosten tiefer ausfallen und voraussichtlich keine Steuererhöhung nötig sein werde.
Ihre Bedenken wegen der grossen Investitionssumme, welche auch die RPK erwähne, hätten grundsätzlich wenig Gehör gefunden. Das Zinssatzänderungsrisiko und die grosse finanzielle Herausforderung bestünden weiter.


