Mit Optimismus die Krise überstehen
Vertreter von Gewerbevereinen im Bezirk Affoltern berichten einerseits von einem schleppenden Start und wenig Kauflust unter der Kundschaft. Andererseits zeigen sie sich optimistisch und befürchten keine grosse Konkurswelle. Eine abschliessende Analyse ist erst später im Jahr möglich.

Wie geht es dem Gewerbe im Bezirk Affoltern nach der Lockerung? Auf diese Frage lautet die Antwort vonseiten verschiedener Gewerbe- und Arbeitgebervertreter gleich: «Wir wissen nichts von einer bösen Konkurswelle, aber es ist noch zu früh für eine abschliessende Analyse. In einem halben Jahr können wir vermutlich mehr sagen.» Im Moment laufe das Geschäft bei den meisten Gewerbetreibenden aber sehr schleppend. Die Kundschaft sei verunsichert und nicht in Stimmung, Geld auszugeben.
Claudio Rütimann, Präsident des Gewerbevereins Oberamt, weiss von verschiedenen Handwerksbetrieben, die vor Corona gut gefüllte Auftragsbücher hatten. Doch nun seien die Bücher leer, und neue Aufträge kämen nur schleppend herein. Er ist aber optimistisch, dass die Betriebe im Oberamt die Krise durchstehen werden. «Wir haben hier viele Traditionsunternehmen, die finanziell solide aufgestellt sind», erklärt er. «Aber beliebig viele Reserven sind auch dort nicht vorhanden. Einmal kann man einen Lockdown durchstehen, aber die Krise darf nicht nochmals losgehen.» Eines ist Rütimann aber klar: Die zweite Welle finde jetzt im Portemonnaie statt und da helfe nur eine gute Konsumentenstimmung. «Ich hoffe, dass durch die Lockerungen die Angst in der Gesellschaft schwindet und die Menschen wieder in die gefühlte Normalität zurückfinden. Der Mensch ist ein Herdentier und nicht für Einzelhaltung gemacht!»
Stellenabbau bleibt Thema
Auch René Ammann, Präsident des Gewerbevereins Affoltern, weiss von vielen Gewerbebetrieben und Detailhandelsgeschäften, die unter der zurückhaltenden Kauffreudigkeit oder fehlenden neuen Aufträgen leiden. Er höre aber erfreulicherweise auch von solchen, bei denen das Geschäft wieder gut angelaufen sei. «Doch der Abbau von Stellen wird sicher weiterhin in vielen Betrieben ein Thema bleiben. Ich hoffe fest, dass unsere Firmen genügend Ressourcen haben und sich über die Krise hinüberretten können», betont er auf Anfrage.
Der Präsident des Arbeitgeberverbandes Bezirk Affoltern, Dieter Greber, spricht von einer grossen Bandbreite von Arbeitgebern. «Ich kenne solche, die zufrieden sind und andere, die über fehlende Aufträge klagen.» In der Baubranche sei die Arbeit zwar mit gewissen Einschränkungen möglich gewesen, aber durch Corona sei es oftmals bei den Bewilligungen zu grossen Verzögerungen gekommen. «Und jetzt ist spürbar, dass die Kunden zurückhaltend sind, wenn es um Investitionen und neue Projekte geht.»
Keine Eventaufträge
Dasselbe erlebt Christian Müller aus Hausen. Er hat sich mit seiner eigenen Schreinerei und Zimmerei auf Privatkundschaft spezialisiert und beschäftigt sechs Personen. Er berichtet vom Lockdown: «Da war plötzlich der Hahn zu. Wir wurden nur noch für einzelne dringende Reparaturen gerufen. Ich musste erstmals für meine Mitarbeitenden Kurzarbeit einführen.» Bestehende Aufträge seien verschoben worden, neue habe er kaum erhalten. «In den letzten Tagen kamen aber wieder vermehrt Anfragen, was uns optimistisch stimmt.» Er hofft nun stark, dass es weiterhin aufwärts geht. «Wenn das nicht der Fall ist, wird es für uns schwierig.»
Sehr schwierig ist die Situation für Hanspeter Lier von Enterprise Veranstaltungstechnik. Sämtliche Grossanlässe sind für diesen Sommer abgesagt. «Zurzeit ist tote Hose, das Jahr ist mehr oder weniger gelaufen», äussert er besorgt. Bei der Raummiete für sein Lager sei ihm die Vermieterin zum Glück ein Stück entgegengekommen. Doch von den Bundeszuschüssen habe er noch nichts gesehen. «Ich habe auf meine Anfrage nur ein Schreiben erhalten mit der Aufforderung, die abgesagten Aufträge zu dokumentieren.» Das könne er nur bedingt, da ja viele vorgesehene Veranstaltungen durch die aktuelle Situation gar nicht organisiert und deshalb weder angefragt noch abgesagt werden. «Im Moment halte ich mich mit dem Ersparten und meinem Nebenjob in der Landwirtschaft über Wasser.»


