Mit vereinten Kräften durch die Krise

Bis jetzt läuft alles noch sehr ruhig ab, dem Knonauer Amt dürfte jedoch schon bald eine grosse Welle an Corona-Erkrankungen bevorstehen. Die Entscheidungsträger in den Bereichen Sicherheit, Gesundheit und Pflege tauschen sich vorausblickend aus.

Beim Einrichten der Zivilschutz-Triagestelle vor dem Spital Affoltern: Gabriela Bolleter und Yves Koch. (Bild Thomas Stöckli)
Beim Einrichten der Zivilschutz-Triagestelle vor dem Spital Affoltern: Gabriela Bolleter und Yves Koch. (Bild Thomas Stöckli)

Ein generelles Besuchsverbot in Gesundheits- und Pflegeinstitutionen, ein Verbot von Veranstaltungen mit über 100 Personen und kein Präsenzunterricht mehr an Schulen – der Bundesrat hat am Freitag die Massnahmen gegen das Coronavirus noch einmal verschärft. So findet auch im Knonauer Amt seit dieser Woche kein Unterricht mehr statt – und zwar mindestens bis Ostern. Für Primarschüler, die nicht zu Hause betreut werden können, soll laut Bildungsdirektorin Silvia Steiner ein Betreuungsangebot zur Verfügung stehen.

Derweil kommt auch das gesellschaftliche Leben zum Stillstand. Veranstaltungen müssen abgesagt werden, um die krankheitsanfälligen Personen zu schützen und die Verbreitung des Virus zu bremsen, damit das Gesundheitssystem nicht überrannt wird. Getroffen hat es unter anderem den Radsportklassiker GP Osterhas in Affoltern, die Gewerbeschau in Hausen, die Frühlings-Show in Obfelden, aber auch diverse kulturelle Anlässe, etwa im Affoltemer «LaMarotte», das nun auch den Betrieb eingestellt hat. Umso reger besucht waren am sonnigen Wochenende dafür das Reussufer, die Wälder und anderen Naherholungsgebiete.

Zivilschutz vor dem Spital

Die neusten Vorgaben des Bundes haben auch Auswirkungen auf das Spital Affoltern. So ist vor dem Haupteingang seit Freitag der Zivilschutz im Einsatz und kanalisiert den Patientenfluss. Er erteilt Auskünfte und hilft bei der Einhaltung der obligatorischen Hygienemassnahmen. Wer Grippe- oder Erkältungssymptome aufweist, wird direkt zum Container weitergeleitet, der eigens für die Coronavirus-Abklärung vor dem Notfall installiert wurde. Hier wird sieben Tage in der Woche von 9 bis 17 Uhr getestet. Die Hausärzte können Patienten mit telefonischer Voranmeldung für Abklärungen überweisen. Nach wie vor gilt: wer sich krank fühlt, Fieber oder andere grippeähnliche Symptome hat, soll primär zu Hause bleiben. Die Ressourcen werden für schwere Fälle und besonders gefährdete Personen benötigt.

Bereits in der Woche zuvor standen rund 40 Ämtler Zivilschützer im Einsatz. An der «Corona-Hotline» haben sie im Schichtbetrieb rund um die Uhr Fragen beantwortet. Nun also folgt die Triagestelle vor dem Spital. Die erste Schicht leistete am Freitag Zivilschützer Yves Koch. Vier Tage zuvor hat er eine Vorankündigung erhalten, am Donnerstag folgte das offizielle Aufgebot. Und tags darauf war er zur Stelle, dies obwohl seine Freundin zur Risiko-
gruppe gehört. «Das habe ich gar nicht gewusst», so Fredi Haab, Kommandant der Zivilschutzorganisation (ZSO) Albis, «sonst hätten wir ihn nicht aufgeboten.» Die Zivilschützer tragen Schutzmasken und müssen nach jedem Kontakt, nach jeder Anmeldeformular-Übergabe ihre Hände desinfizieren. Die Formulare fotografieren sie dann mit dem Handy und schicken sie elektronisch ins Spital weiter.

«Wir testen laufend und haben auch bereits positive Fälle nachweisen können. Bis jetzt mussten wir zum Glück niemanden mit positivem Test hospitalisieren», teilte Dr. med. Nadja Lindenmann, Chefärztin Medizin am Spital Affoltern, am Sonntagnachmittag auf Anfrage mit. Bis jetzt laufe alles noch sehr ruhig ab. Die grosse Welle erwarte sie ab Mitte/Ende der Woche, so Nadja Lindenmann weiter. Damit man dafür bestmöglich gerüstet ist, treffen sich die Entscheidungsträger
aller Ämtler Gesundheits- und Pflegeinstitutionen, Vertreter der Ärzteschaft, von Zivilschutz und der Regionalen Führungsorganisation unter Federführung des Sicherheitszweckverbands wöchentlich zu einer Bezirks-Koordinationssitzung. «Das Ziel ist, die Lage gemeinsam zu bewältigen», sagt Haab. Das reicht vom Austausch an benötigtem Material bis zur Koordination bei allfälligen Personal-Engpässen.

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