MoorArt – Ausstellung im Seleger Moor

Kunstwerke inmitten von Rhododendren und Farnen

Erdtaucher von Max Grütter tauchen aus dem Boden auf.

Erdtaucher von Max Grütter tauchen aus dem Boden auf.

Die Grinsekatze mit den gelben Zähnen von Valentina Pini schwebt über den Hortensien. (Bilder Regula Zellweger)

Die Grinsekatze mit den gelben Zähnen von Valentina Pini schwebt über den Hortensien. (Bilder Regula Zellweger)

huber.huber setzen sich mit Neophyten auseinander.

huber.huber setzen sich mit Neophyten auseinander.

Zum dritten Mal organisierte Urs Amstutz von ThalwilerHofKunst das Projekt MoorArt. Die Ausstellung widmet sich dieses Jahr an 16 Positionen dem Thema «Garten der Wildnis» – ein Thema, das einen Widerspruch in sich zu tragen scheint und damit zum Denken anregt. Für Urs Amstutz ist der Anstoss zum Reflektieren ein zentrales Motiv seines Engagements. Er zählt Themen auf, die zu Diskussionen anregen könnten: «Natur – Naturschutz – Landwirtschaft Mensch», «Mythologie – Sagenwelt – Magie – Idealisierung der Natur», «Wahrnehmung – Beobachtung» oder «Zersetzung, Transformationsprozess».

Kunstvermittlung in der Natur

Die Veranstalter laden zu einer «poetischen Entdeckungsreise im wildromantischen Landschaftspark» ein, mit der Intention, Besucherinnen und Besuchern mit der Präsentation von zeitgenössischer Kunst inmitten einer lebendigen Naturwelt einen leichten Zugang zu Kunst zu vermitteln. Urs Amstutz wählte die Kunstschaffenden aus und schlug sie der Parkleitung vor. Bei der Auswahl wurde darauf geachtet, dass Ausstellende aus allen Schweizer Sprachregionen vertreten sind.

Die Bündnerin Ursula Palla ist gleich mit drei Werken vertreten: Torf, gestaltet mit locker geschichteten Torfziegeln, lässt an die Energiegewinnung vergangener Zeiten erinnern und macht auf Moore als Wasserspeicher und CO2-Speicher aufmerksam. «Brave Flowers 3» besteht aus zehnfach vergrösserten und in Bronze gegossenen Blättern einer vom Aussterben bedrohten Pflanze. Der Schriftzug «Als wir träumten» schwebt zwischen Bäumen und macht im weitesten Sinn das Verhältnis von Natur und Mensch zum Thema.

Kunst der Zwillinge Huber

Weitere drei Kunstwerke stammen von huber.huber. Hinter diesem Künstlernamen stehen die Zwillingsbrüder Markus Huber und Reto Huber. Von ihnen gestaltete Nistkästen aus Abfallmaterialien findet man an mehreren Orten im Park. Sie zeigen auf skurrile Art das problematische Verhältnis zwischen Zivilisation und Natur auf. Faszinierend ist ihre Auseinandersetzung mit Neophyten: Beim Eingang entdeckt man in einer Tonne mit Wasserpflanzen bunte Korallen. Neophyten haben die Eigenart, sich zu verbreiten. So entdeckt man «ausgebüxte» Neophyten an weiteren Orten im Park und fragt sich: «Sind nicht viele heimische Pflanzen ehemalige Neophyten? Wie wirkt sich die globale Erwärmung aus – werden da auf natürliche Art andere Pflanzen heimisch werden müssen?» «Shelter» nennt sich die Aluminiumkonstruktion aus vier alten Kirchenfenstern, die an ein Treibhaus erinnert. Natur als Kirche?

Unterschiedlichste Materialien

Am Parkeingang informiert eine Videoschau über die Ausstellung. Pläne des Parks mit Hinweisen und Erklärungen zu den einzelnen Positionen liegen auf.

Nicht zu übersehen ist die farbige Grinsekatze aus Lewis Carrolls «Alice im Wunderland» der Tessinerin Valentina Pini. Die Katze aus dem Kinderbuch kann verschwinden – und ihr Grinsen bleibt. Das Werk lässt generell über «Wahrnehmung» nachdenken. Beim Spazieren durch den Park staunt man nicht schlecht, wenn Taucher aus einer Wiese auftauchen. Die Erdtaucher des Horgener Künstlers Max Grüter waren fünf Jahre auf der Gotthardpasshöhe installiert. Messingobjekte unter dem Titel «momentum» der Baslerin Julia Steiner nehmen das Thema Zeit auf. Wer hinhört, kann leises Ticken vernehmen. Mit einem über hundert Meter langen gefilzten Seil verbindet die Künstlerin unter dem Titel «be-long-ing» symbolisch Natur, Menschen und Tiere. Ihr drittes Werk zeigt einen in Bronze gegossenen Falken im Vorbeiflug an einer Bohnenstange: ein Moment des Stillstands einer leichten und flüchtigen Bewegung.

Ende der Pilotphase

Einen Wiedererkennungseffekt erlebt man beim Werk «Zimmer frei» von Thomas Bortfeldt, Ana & Vera Sous. Das umgestülpte Haus war bereits 2023 an der MoorArt zu sehen. In seinem Inneren ist Natur, aussen ist es «eingerichtet» mit Bildern, Bücherregal, Garderobe und Nippes. Das Werk «Moorgeheimnis», kokonartige Trichter, bekam bereits 2024 viel Beachtung.

Die Ausstellung dauert noch bis am 31. Oktober und ist begleitet von Anlässen wie öffentlichen und privaten Führungen, für Schulklassen und Workshops. Die Pilotphase geht nach drei Jahren zu Ende. Die Ausstellungen ­werden evaluiert. «Doch was hier entstanden ist, wird bleiben – als Idee, als Erinnerung und als Spur im Moor», formuliert der gemeinnützige Verein ThalwilerHofKunst.

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