Musikantentreffen des Netzwerks Amt und Limmattal in Hedingen

Geselligkeit, Veteranenehrungen und beste Stimmung

Hinter den geehrten Veteranen stehen Fähnriche und Fähnrichinnen. Flankiert werden sie von zwei Ehrendamen in Hedinger Tracht. (Bilder Regula Zellweger)

Hinter den geehrten Veteranen stehen Fähnriche und Fähnrichinnen. Flankiert werden sie von zwei Ehrendamen in Hedinger Tracht. (Bilder Regula Zellweger)

Jakob Geissbühler, rechts, wurde für 70 Jahre aktives Musizieren in einem Ämtler Musikverein, Markus Sandhofer für 50 Jahre geehrt.

Jakob Geissbühler, rechts, wurde für 70 Jahre aktives Musizieren in einem Ämtler Musikverein, Markus Sandhofer für 50 Jahre geehrt.

Patrick Humbel, Vorstandsmitglied der Zürcher Musikverbände, nahm die Ehrungen vor.

Patrick Humbel, Vorstandsmitglied der Zürcher Musikverbände, nahm die Ehrungen vor.

Seit 70 Jahren gehört der Eufoniumspieler Jakob Geissbühler einem Ämtler Musikverein an und ist mit 85 Jahren noch immer aktiv − seit seinem zwölften Lebensjahr. Heute musiziert er weiterhin im Musikverein Harmonie Affoltern. Am traditionellen Musikantentreffen in Hedingen wurde er zum eidgenössischen Ehrenveteranen ernannt. Der Musikverein Hedingen hatte am vergangenen Samstag die Musikvereine des Netzwerks Amt und Limmattal eingeladen. Neben der Ehrung langjähriger Vereinsmitglieder standen die Kameradschaft und die Freude am gemeinsamen Musizieren im Mittelpunkt.

Das Netzwerk Amt und Limmattal ist eine Regionalgruppe der kantonalen Zürcher Musikverbände. Es setzt sich für die Förderung der Blasmusik, die Unterstützung der Musikvereine und die Vertretung ihrer Interessen ein. Auch die Nachwuchsförderung und die Ehrung verdienter Veteraninnen und Veteranen gehören zu seinen Aufgaben. In Hedingen nahm Patrick Humbel, Vorstandsmitglied der Zürcher Musikverbände, die Ehrungen vor.

Aktive Ämtler Musikvereine

Die traditionellen Musikvereine im Knonauer Amt begleiten nicht nur Feierlichkeiten in ihren Gemeinden, sondern begeistern ihr Publikum auch mit abwechslungsreichen Jahreskonzerten. Das Repertoire reicht von Märschen und Polkas bis zu Filmmusik und modernen Arrangements. Das Musikantentreffen ist jedoch anders als ein Jahreskonzert eines Vereins: Es verbindet Menschen, pflegt Traditionen und stärkt die Kameradschaft über Vereins- und Generationengrenzen hinweg.

Im Zentrum stehen das gesellige Beisammensein und die Veteranenehrung, die nach festgelegten traditionellen Abläufen durchgeführt wird.

In Hedingen begann der Anlass mit einem von der Gemeinde offerierten Apéro. Schulpräsidentin und Vorsteherin Bildung und Jugend Esther Nievergelt begrüsste die Gäste im Namen der Gemeinde und dankte dem Musikverein Hedingen für die Organisation. Als Saxofonistin und ehemaliges Vereinsmitglied war sie unter den Musikantinnen und Musikanten sichtlich in ihrem Element. Immer wieder wurde der familiäre Charakter des Musikvereins Hedingen betont.

Vereinspräsident Thomas Graf moderierte den Abend. Für den musikalischen Rahmen vor dem Abendessen sorgten die Postlonzibuebe aus Merenschwand. Sie spielten beim Eintreffen der Gäste und begleiteten die Ehrungen – mit viel Applaus als verdientem Lohn.

Bevor die Ehrungen begannen, bereiteten sich die sieben Fahnenträgerinnen und Fahnenträger im Vorraum auf ihren Auftritt vor. Wer glaubt, diese Aufgabe sei einfach, irrt sich: Für das Fahnentragen gibt es spezielle Kurse. Die Fahne muss korrekt gehalten, getragen und präsentiert werden. Bei Begrüssungen, Ehrungen und Gedenkfeiern sind zudem bestimmte Bewegungen und Abläufe einzuhalten.

Zum Auftakt schritten die Fahnentragenden einmal durch die Turnhalle Schachen und stellten sich anschliessend hinter den neun Stühlen der zu ehrenden Veteranen auf. Rechts und links der Veteranen standen Ehrendamen in der traditionellen Hedinger Tracht. Ein besonderes Detail der Ämtler Tracht ist das sogenannte «Bureföifi»: eine v-förmige Verzierung am Rücken. Das V steht für die römische Zahl fünf.

Neun Personen wurden geehrt. Bei jeder Auszeichnung wurde die Vereinsfahne feierlich geschwenkt. Die Vereinskolleginnen und -kollegen feierten ihre Veteranen mit lautstarken Zurufen; sogar Kuhglocken kamen zum Einsatz. Neben der Ehrung erhielten die Ausgezeichneten ein Glas Weisswein, mit dem sie anschliessend gemeinsam auf ihre langjährige Verbundenheit mit der Blasmusik anstossen konnten.

Die Fahnenträger stellten zum Schluss ihre Fahnen gut sichtbar in ein Gestell ab, das sich «Fahnenburg» nennt.

Gemeinschaft über Generationen

Im Zentrum der Ehrungen stand Jakob Geissbühler. Die Ernennung zum eidgenössischen Ehrenveteranen würdigte seine 70-jährige Verbundenheit mit der Blasmusik. Bereits mit zwölf Jahren trat er der Knabenmusik bei, die es damals im Knonauer Amt noch gab. Später amtierte er mehrere Jahre als Präsident des Musikvereins Harmonie Affoltern.

Auch innerhalb der Familie hat Geissbühler die Begeisterung für die Musik weitergegeben. Stolz erzählt er, dass sein Sohn Eufonium in der Militärmusik spielte und seine Tochter noch heute gemeinsam mit ihm in der Harmonie Affoltern musiziert.

«Seit den 60er-Jahren – und es war nie langweilig», sagt Geissbühler lachend. Besonders schätzt er, dass im Verein verschiedene Generationen zusammenspielen. Das sei nicht immer einfach. «Man muss flexibel sein, denn in den Vereinen und vor allem bei der Auswahl der Musikstücke hat sich seit den 60er-Jahren vieles verändert.» Gleichzeitig lerne man voneinander. Der Umgang sei respektvoll und insgesamt freundschaftlich und familiär.

Markus Sandhofer, Bonstetten, und Ueli Imhof, Hausen, wurden für 50 Jahre, weitere drei Personen für 35 und drei für 25 Jahre geehrt.

Nachwuchs gewünscht

Wer einem Verein über sieben Jahrzehnte treu bleibt, braucht Ausdauer und Verlässlichkeit. Geissbühler weiss, wie viel es bedeutet, neben anspruchsvoller beruflicher Tätigkeit regelmässig an Proben teilzunehmen und bei Auftritten und Vereinsanlässen mitzumachen. Wie Vereinspräsident Thomas Graf wünscht auch er sich Nachwuchs, der sich für die Musik und das Vereinsleben begeistern lässt.

Nach den Ehrungen genossen die Hedinger Gastgeber und die Delegationen der übrigen Musikvereine ein gemeinsames Abendessen mit Dessert. Anschliessend sorgten Gerolds Musikvagabunden für musikalische Unterhaltung. Die Stimmung war ausgelassen: Es wurde geplaudert, gelacht und in Erinnerungen geschwelgt.

Das Musikantentreffen zeigte einmal mehr, was die Blasmusik über das Musizieren hinaus ausmacht: Sie verbindet Generationen, stärkt Freundschaften und hält die Dorfkultur lebendig.

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