Musiksternstunde in Affoltern: Konzert des Oliver Schnyder Trios

Erstes Konzert 2026 unter dem Label «Weltklasse im Säuliamt» im Pianohaus Schoekle in Affoltern

Andreas Janke, Violine, Oliver Schnyder, Klavier, und Benjamin Nyffenegger, Violoncello, spielen seit 13 Jahren erfolgreich zusammen. Das Publikum in Affoltern war begeistert. (Bilder Regula Zellweger)

Andreas Janke, Violine, Oliver Schnyder, Klavier, und Benjamin Nyffenegger, Violoncello, spielen seit 13 Jahren erfolgreich zusammen. Das Publikum in Affoltern war begeistert. (Bilder Regula Zellweger)

Der Aargauer Cellist Benjamin Nyffenegger, Jahrgang 1984, ist stellvertretender Solocellist des Tonhalle-Orchesters Zürich.

Der Aargauer Cellist Benjamin Nyffenegger, Jahrgang 1984, ist stellvertretender Solocellist des Tonhalle-Orchesters Zürich.

Oliver Schnyder ist weltweit als Solist und Kammermusiker gefragt; sein Solo-Debüt in der Tonhalle Zürich gab er 2002.

Oliver Schnyder ist weltweit als Solist und Kammermusiker gefragt; sein Solo-Debüt in der Tonhalle Zürich gab er 2002.

Andreas Janke ist erster Konzertmeister des Tonhalle-Orchesters Zürich. Er hat weltweit Konzerte und unterrichtet an der Zürcher Hochschule der Künste.

Andreas Janke ist erster Konzertmeister des Tonhalle-Orchesters Zürich. Er hat weltweit Konzerte und unterrichtet an der Zürcher Hochschule der Künste.

Klassik auf höchstem Niveau in Affoltern – möglich gemacht durch die gemeinsame Konzertreihe «Weltklasse im Säuliamt» von lamarotte und dem Pianohaus Schoekle. Die Konzerte finden in den Räumlichkeiten des Pianohauses Schoekle in Affoltern statt: Dort, wo sonst Konzertflügel ausgestellt sind, verwandelt sich der Raum in eine Bühne für Weltklasse-Musik im persönlichen Rahmen.

Den Auftakt des Konzertjahres 2026 gestaltete das international renommierte Oliver Schnyder Trio mit Oliver Schnyder (Klavier), Andreas Janke (Violine) und Benjamin Nyffenegger (Violoncello). 2012 feierte das Oliver Schnyder Trio mit Schuberts Klaviertrio Nr. 2 in der Tonhalle Zürich ein viel beachtetes Debüt und wurde seither mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.

Der Pianist Oliver Schnyder, geboren 1973 in Brugg, ist weltweit als Solist und Kammermusiker gefragt; sein Solo-Debüt in der Tonhalle Zürich gab er 2002. Andreas Janke, seit 2010 erster Konzertmeister des Tonhalle-Orchesters Zürich, wurde 1983 in München in einer deutsch-japanischen Musikerfamilie geboren. Er unterrichtet an der Zürcher Hochschule der Künste. Der Aargauer Cellist Benjamin Nyffenegger, Jahrgang 1984, ist stellvertretender Solocellist des Tonhalle-Orchesters Zürich. Gemeinsam mit der bekannten Geigerin Julia Fischer hat er die künstlerische Leitung des Festivals «Boswiler Sommer».

Mozart und Schubert

In den Abend führte Manfred Papst, Kulturjournalist NZZ am Sonntag, ein. Er stellte die drei Musiker und die Werke der drei Komponisten Mozart, Schubert und Brahms vor – und verwies auf die zahlreichen Tonaufnahmen des Oliver Schnyder Trios. Seit vielen Jahren verfolgt Papst die Entwicklung des Trios mit Begeisterung und resümierte: «13 Jahre – und keine Routine, sondern magische Präsenz.» Er lobte die gleichzeitige Transparenz sowie Wärme und Fülle des Klangs und die stets durchdachte Interpretation. Zum ersten Werk, dem Klaviertrio B-Dur KV 502, verwies Papst auf wiedererkennbare Elemente der Prager Sinfonie. Die Themen zeigten eine ähnliche subtile Chromatik und vergleichbare Molleintrübungen wie im Orchesterwerk. Zudem hob er das charakteristische Hell-Dunkel in Mozarts Kompositionen hervor, was das Publikum zu besonders aufmerksamem Zuhören motivierte.

Mozarts Musik ist gefühlsstark und zugleich klassisch, dass, wer sich auf seine Tonsprache einlässt, sie sofort emotional versteht. Dies gilt besonders für das Larghetto, das himmlische Ruhe und wunderbare Weite der Melodik vermittelt.

«Der Hirt auf dem Felsen», ursprünglich komponiert für Gesangsstimme, Klarinette und Klavier, ist Schuberts vorletzte Komposition. Das Werk basiert auf zwei Gedichten von Wilhelm Müller und einem von Karl August Varnhagen von Ense. Für Schubert spielten die Texte stets eine zentrale Rolle. Das Lied gliedert sich in drei längere Abschnitte. Zunächst erklingen in B-Dur nach einem ausgedehnten Vorspiel elegische Passagen als klavierbegleitetes Duett zwischen Hirtenstimme und Schalmei.

Für das Oliver-Schnyder-Trio bearbeitete Yi-Chen Lin – Geigerin, Komponistin und Ehefrau von Andreas Janke – das Werk. Es erzählt von einem Hirten, der dem Echo seines Gesangs lauscht. Zwischen Geige und Cello entspinnt sich ein intensiver Dialog mit wechselnden romantischen Emotionen: tiefer Gram, sehnende Klage und schliesslich die Hoffnung auf den Frühling.

Klaviertrio von Brahms

Das viersätzige Klaviertrio H-Dur op. 8 von Johannes Brahms ist zugleich sein frühestes und sein spätestes Klavier-Trio: Urfassung 1854, grundlegende Überarbeitung 1889. Johannes Brahms war sein eigener schärfster Kritiker, er schrieb seinem Verleger: «Wegen des verneuerten Trios muss ich noch ausdrücklich sagen, dass das alte zwar schlecht ist, ich aber nicht behaupte, das neue sei gut!»

Die Zuhörerinnen und Zuhörer des Konzerts vom vergangenen Samstag in Affoltern hätten dem wohl kaum zugestimmt – insbesondere nicht angesichts der Interpretation des Oliver Schnyder Trios, das die Fassung von 1889 spielte. Das «verneuerte Trio» zeichnet sich viel weniger durch romantischen Überschwang aus und überzeugt mit höchster Verdichtung. Das reifere Werk setzt auf motivische Arbeit statt flächiger Themendarstellung und auf Melancholie statt Sturm und Drang.

Die Vorschusslorbeeren, die Manfred Papst dem Trio zu Beginn des Abends verliehen hatte, erwiesen sich als mehr als gerechtfertigt. Die emotionale Tiefe und Präzision, mit denen die drei Musiker die unterschiedlichen Klangwelten von Mozart, Schubert und Brahms gestalteten, zeugten von höchster Sensitivität. Es gelang ihnen, die breite emotionale Palette der Kompositionen differenziert zu vermitteln, ohne die lieblichen Momente je ins Süssliche abgleiten zu lassen.

Dies bewiesen sie nach lang anhaltendem Applaus auch in der Zugabe, dem bekannten «Ständchen» von Franz Schubert.

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