Neues Safari-Erlebnis im Zoo Zürich
Die Zoos dürfen seit Samstag ihre Türen wieder aufmachen. In Zürich wurde zusätzlich die spektakuläre, grosszügige Lewa-Savanne eröffnet.

Vogelstrausse flüchten vor den Nashörnern, daneben zupfen Giraffen Blätter von den Bäumen. Unter den für Kenia typischen grossen Kopjefelsen zerrt eine Tüpfelhyäne ein Huhn vom Steinbrocken, um es danach genüsslich zu verzehren. Die Sonne brennt heiss, ein warmer Wind weht über die weite Savanne. Was sich wie eine Safari in Afrika anfühlt, ist ab kommendem Samstag mitten in Zürich zu erleben.
Mit der Wiedereröffnung des Zoos wird auch die 57 Millionen Franken teure Lewa-Savanne fürs Publikum zugänglich. Dieses kleine Stück Kenia ist flächenmässig das grösste Projekt unter den drei Grossanlagen des Zoos, neben der Masoala-Regenwaldhalle und dem Elefantenpark. Auf 5,6 Hektaren Fläche finden hier auch Stachelschweine, Säbelantilopen, Vögel und Reptilien ihren Platz.
Das Zoo-Jahr hatte überdurchschnittlich gut begonnen, bis am 13. März die Läden runtergingen. Statt zum erwarteten Rekordjahr kam es mit Corona zur «grössten Krise, welche der Zoo je erlebt hat», wie Verwaltungsratspräsident Martin Naville sagt. Jede Woche kostet der Lockdown den Zoo seither eine Million Franken, weil Tiere und Pflanzen auch in der Krise versorgt sein müssen, und den Mitarbeitern in Kurzarbeit der Lohnverlust ausgeglichen wird.
Platz für höchstens 5800 Besucher
Jetzt aber geht es wieder los und Naville sagt, man sei mit einem blauen Auge davongekommen. Noch müssen Corona-Auflagen erfüllt werden. Der Zoo darf höchstens 5800 Besuchern Eintritt gewähren. Die einzelnen Anlagen dürfen nicht überfüllt werden und in den Häusern gilt Einbahnverkehr, kleine Häuser bleiben geschlossen. «Wir beschäftigen 20 Leute mit der Corona-Aufsicht», sagt Zoodirektor Alex Rübel vor dem Eingang zur Lewa-Savanne. Vor 29 Jahren hat Rübel, der Ende Monat in Pension geht, die Vision einer grossflächigen Savanne in einem Masterplan skizziert. Und nun hat er, wie schon bei den anderen Grossprojekten, diese Idee zusammen mit einem Naturschutzprojekt verwirklicht.
Das Lewa Wildlife Conservatory in Kenia zählt zum Weltkulturerbe und beheimatet bedrohte Tierarten wie die Breitmaulnashörner und Grevyzebras. «Mit diesem Projekt wollen wir diese Tiere in der Wildnis erhalten. Wir finanzieren Löhne der Ranger, welche die Wilderei bekämpfen, unterstützen Schulen und Gesundheitszentren», sagt Rübel. Nur wenn es den Menschen um die Naturschutzgebiete herum gutgehe, würden auch die Tiere geschützt. Die Wilderei von Nashörnern konnte beinahe auf Null reduziert werden.
Die Affenbrotbäume sind aus Beton
In Zürich führt der Weg in die Lewa-Savanne durch eine beeindruckende Schlucht. Davor steht ein riesiger Baobab, das Wahrzeichen des Lewa-Dorfs in Kenia. Die Affenbrotbäume im Zoo sind nicht aus Holz, sondern aus Beton, so wie die ganze Felslandschaft. Mit feinen Netzen, Spritzbeton und naturgetreuer Farbgestaltung wirken die Bäume wie auch die Savannen-Landschaft echt
Die am stärksten bedrohte Art in Lewa ist das Grevyzebra mit noch rund 2800 wildlebenden Tieren. Genauso interessant sind die Tüpfelhyänen, die in einer komplexen sozialen Struktur leben. Einen Clan von 100 Hyänen führen Weibchen. Die Töchter der Königin werden mit Geburt zu den ranghöchsten Hyänen. So bietet die Lewa-Savanne viel Wissenswertes und führt die Besucher und Besucherinnen gleichzeitig in Ferienlaune. Mit diesem Grossprojekt ist die Fläche des Zoos für Grossanlagen ausgereizt, einzig für ein Menschenaffenhaus ist noch etwas ausgespart. «Ein Zoo ist nie fertig gebaut», sagt Naville.


