Ottenbach soll nur mässig wachsen
Über 250 Personen an der Info-Veranstaltung zum räumlichen Entwicklungskonzept
220 am Neujahrsanlass, drei ausverkaufte Chränzli-Aufführungen, 170 am Wahlpodium und am letzten Mittwoch über 250 an der Info-Veranstaltung: Ottenbach ist unter grosser Publikumsbeteiligung ins neue Jahr gestartet – auch zur Freude von Gemeindepräsidentin Gaby Noser Fanger, die für den Info-Abend drei Themen ankündigte: das Räumliche Entwicklungskonzept (REK), das Projekt WohnenPlus und das Projekt einer Familienpraxis.
Das 2024 gestartete und nun per Gemeinderatsbeschluss abgeschlossene REK dient als Grundlage für kommunale Planungen und koordiniert Entwicklungen mit räumlichem Bezug – Rahmenbedingungen, vorgegeben vom Kanton. Das REK ist Leitbild für die räumliche Entwicklung bis 2040, Steuerungsinstrument für den Gemeinderat, Orientierungshilfe für die Bevölkerung, aber nicht eigentümerverbindlich. Und letztlich: eine Grundlage für nachgelagerte, nicht parzellenscharfe Planung. Im Vordergrund steht die räumliche Entwicklung der nächsten 15 Jahre. Die Resultate fussen auch auf Bevölkerungsumfragen, Online-Umfrage und Workshops, flankiert von einer Begleitgruppe, vom Gemeinderat und vom Büro GPW, Affoltern. Berücksichtigt werden mussten Rahmenbedingungen von Bund, Kanton und Region.
Das REK zeigt hinsichtlich Bevölkerungsentwicklung ein klares Resultat: Eine grosse Mehrheit wünscht sich ein mässiges Wachstum – mit einer Bevölkerungszunahme von heute 3000 um maximal 400 Personen bis 2040. In der Kern-/Wohnzone ist laut Büro GPW theoretisch Potenzial für weitere 850 Personen vorhanden, ein Plus von über 400 wäre ohne Einzonungen möglich. Fast 80 Prozent sprechen sich hinsichtlich Veränderung der Landschaft/Naherholung für den Status quo aus. Für 53 Prozent ist das Wohnraumangebot für Senioren ungenügend. Das REK enthält ein Zielbild 2040, wonach Ottenbach unter anderem «ein schönes, wohnliches, ländliches und gut erreichbares Dorf» ist.
Sechs Leitsätze
Die Vision 2040 wurde ausserdem in sechs Leitsätze gegossen. Darin ist von geringem bis mässigem Wachstum die Rede, von gezielter Entwicklung in Schwerpunktgebieten, von der Förderung preisgünstigen Wohnraums. Freiräume sollen gesichert und weiterentwickelt werden, innerhalb und ausserhalb des Siedlungsgebietes. Unterstützung eines aktiven Dorflebens und ein abgestimmtes Strassen-, Weg- und ÖV-Angebot für die künftige Entwicklung runden die Leitsätze ab.
Als vorrangiges Entwicklungsgebiet wird der Bründler sein, für den dereinst eine Testplanung vorgesehen ist. Potenzial ist ausserdem im Sandbüel, und im Unterdorf vorhanden. «In den Quartieren geht es nicht um grosse Umwälzungen, sondern um schrittweise Erneuerung und um Qualität im Bestand», erläuterte Gaby Noser Fanger. Was passiert mit dem Restaurant Post, mit der alten Post? Die Entwicklung von Liegenschaften soll einhergehen mit Strassenumgestaltungen. Dorfzentrum und Affolternstrasse, das Gebiet Lanzen und das Haas-Areal bilden Schwerpunktgebiete.
Letzteres soll in eine Quartiererhaltungszone umgezont werden, womit im denkmalgeschützten Gebäude Wohnanteil möglich ist. Bauzonenreserven gibt es im Schmittenacher, wo eine Gestaltungsplanpflicht geprüft wird, und im Fuessmättli, die als Schulraumreserve dient. All dies bedarf indessen mehrerer Schritte, die sehr viel Zeit in Anspruch nehmen: unter anderem Zonenplanänderungen, Quartier- oder Gestaltungspläne, Testplanungen. Nicht ganz einfach wird auch die Neuansiedlung von Gewerbe. Es gibt Widerstand wegen Nutzungskonflikten gegen neues, mässig störendes Gewerbe entlang der Jonenstrasse. Geeigneter erscheint eine Gewerbezonenfläche im Bereich des Zubringers an der Rickenbacherstrasse. Die damit verbundene Änderung im Richtplan stellt laut Gaby Noser jedoch eine hohe Hürde dar. Priorität hat aber offenbar der Erhalt der heute bestehenden Gewerbezonenflächen. Für eine Verlagerung innerhalb des Siedlungsgebietes käme aus Sicht des Gewerbes eine teilweise Verlagerung ins Sandbüel infrage, womit dort eine Vergrösserung des bestehenden Garagenbetriebs möglich würde.
Die Förderung preisgünstiger Wohnungen ist ebenfalls REK-Bestandteil. Möglich sind Nutzungsstudien auf gemeindeeigenen Grundstücken sowie die Unterstützung privater Initiativen für Wohnraum für Ältere. Ein Kapitel ist auch der Weiterentwicklung und Sicherung von Freiräumen gewidmet. «Freiräume, Landschaft, Klima und Biodiversität sind integrale Bestandteile der räumlichen Entwicklung», so Gaby Noser, die ihre Freude auch über das gut ausgebaute Fusswegnetz zum Ausdruck bringt. Wichtig sei auch die Zusammenarbeit mit privaten Initiativen. Ein attraktives Dorfleben unterstützt die Gemeinde unter anderem mit dem Bau eines öffentlichen Spielplatzes.
Wichtig zu erwähnen ist, dass das REK lediglich Stossrichtungen aufzeigt und keine formellen Planungsverfahren ersetzt. In diesem Rahmen sind Mitwirkung und Rekurse weiter möglich. Das REK legt auch im Verkehrsbereich keine Massnahmen fest. Es schafft aber eine Grundlage für den Verkehrsrichtplan. Und da werden die Themen vertieft und konkret weiterbearbeitet.
Die Präsentation zur Veranstaltung und das REK sind unter www.ottenbach.ch einsehbar






