«Pflichtgefühl allein reicht nicht»

Führungswechsel in Knonau ist auch eine Chance für neue Ideen

Prägten Knonau: Gemeindeschreiber Matthias Ebnöther (links) und Gemeindepräsident Walter von Siebenthal. (Bild Thomas Stöckli)
Prägten Knonau: Gemeindeschreiber Matthias Ebnöther (links) und Gemeindepräsident Walter von Siebenthal. (Bild Thomas Stöckli)

Wenn im Frühling 2018 die Gemeindebehörden neu gewählt werden, wird Walter von Siebenthal nach 20 Jahren sein Amt als Gemeindepräsident zur Verfügung stellen. Die fünf Amtszeiten verblüffen ihn rückblickend selber. «Das hätte ich nie gedacht, als ich als junger Gemeinderat in den Kreis der Gemeindepräsidenten gekommen bin», so von Siebenthal. Die Feuertaufe folgte damals sogleich: Unmittelbar nach dem Amtsantritt musste er vor dem Bundesgericht in Lausanne antraben und ein Statement zur eingeklagten Überdeckung der geplanten Autobahn abgeben. Auch wenn das Ansinnen nicht durchkam, so haben die Bestrebungen vieler Knonauer doch zu einer guten Autobahn-Lösung fürs Dorf geführt.

Die Autobahn war für Knonau ein prägendes Thema der vergangenen Jahrzehnte, ein weiteres der grosse Wachstumsschub, so legte die Bevölkerung innert 20 Jahren von gut 1000 auf über 2300 zu. Die Herausforderung dabei: das Wachstum in positiver Form nutzen, die Infrastruktur bereitstellen und die hohe Lebensqualität erhalten. «Das Wachstum passierte auf bestehendem Bauland», stellt von Siebenthal klar. Weil die Möglichkeit des Industriewachstums im Standort Hasental beschränkt war, positionierte sich Knonau erfolgreich als Wohngemeinde, mit der Möglichkeit, attraktiv verdichtet zu bauen. Ein Resultat davon ist der hohe Anteil an Wohneigentum.

Dieses Wachstum flacht nun deutlich ab. Eine gute Gelegenheit also, einen Führungswechsel zu vollziehen und mit neuen Ideen anzupacken. Die Voraussetzungen sind günstig: Als Einheitsgemeinde mit zeitgemässen Verwaltungsstrukturen ist Knonau gut aufgestellt. Die Bau- und Zonenordnung ist ebenso auf aktuellem Stand wie die Verkehrssituation. Eine Herausforderung sind die Finanzen «Es wird künftig keinen Raum geben für Investitionen, die nicht Kernaufgabe der Gemeinde sind», so Walter von Siebenthal. «Nice to have» ist also mehr und mehr gar nicht so «nice». Problematisch ist die Tendenz des Kantons, den Gemeinden immer mehr Regeln aufzubürden und ihnen gleichzeitig Lasten runterzureichen.

Gemeindeschreiber geht zum Jahreswechsel

Der erste Veränderungsschritt betrifft nicht die Behörde, sondern die Verwaltung. Gemeindeschreiber Matthias Ebnöther verlässt Knonau zum Jahreswechsel. Den Ausschlag zum Stellenwechsel nach sieben Jahren gaben die neue Herausforderung in Oberengstringen sowie der kürzere Arbeitsweg. Im Dezember letzten Jahres ist Ebnöther Vater geworden. Künftig wird er im Notfall schneller zu Hause oder in der Krippe sein können. «Knonau ist ein toller Arbeitsort – auch in Bezug auf die Einwohner», betont er. Dass dies nicht nur so dahergesagt ist, beweist die Tatsache, dass Ebnöther seine Tochter am Knonauer Chilbigottesdienst hat taufen lassen.

In den letzten Jahren habe man gemeinsam viel bewegt. «Dabei konnte ich immer auf die Unterstützung eines motivierten und gut eingespielten Teams zählen», verrät Ebnöther. Und auch selber habe er sich extrem weiterentwickelt: «Von Walter von Siebenthal habe ich viel gelernt über die Zusammenarbeit von Politik und Verwaltung – und wie ein kleiner Entscheid sich auf eine Vielzahl an Parteien auswirkt.» In Oberengstringen wird er weniger operativ tätig sein, stattdessen eine Schnittstellen-Funktion wahrnehmen. «Für Matthias Ebnöther ist das ein Karriereschritt», stellt von Siebenthal klar, «ein Gemeindeschreiber wird auch nach der Gemeindegrösse gemessen.»

Für die Suche des neuen Gemeindeschreibers oder der neuen Gemeindeschreiberin setzt der Gemeinderat auf fachliche Unterstützung. «Eine jüngere, dynamische Person würde gut ins Team passen», sagt Walter von Siebenthal. Grössten Wert legt er zudem auf Flexibilität und unternehmerisches Denken: «An Matthias Ebnöther habe ich die zupackende Art sehr geschätzt.»

Drei Rücktritte im Gemeinderat

Neben dem Gemeindepräsident werden auch die beiden Gemeinderäte Peter Zürcher (seit 2002, 1998 bis 2002 RPK) und Marianne Mühl (seit 2010) nächsten Frühling nicht mehr antreten. «Es geht ein enormer Erfahrungswert verloren», so Matthias Ebnöther. Gleichzeitig biete der grosse Wechsel auch Spielraum für neue Gemeinderäte, sich in der neu formierten Behörde von Anfang an einzubringen. «Trotz aller Verordnungen, am Schluss hängt alles von den Leuten ab», weiss der Gemeindeschreiber.

Die Funktion und das Privatleben müssen sich vereinbaren lassen. Das ist wichtigstes Kriterium, um eine Behördenfunktion zu übernehmen. «Ich hatte das Glück, dass es funktioniert hat», so Walter von Siebenthal. Er bekam die notwendige Unterstützung von seiner Frau und hatte die beruflichen Freiheiten. So gelang es ihm 20 Jahre erfolgreich, alles unter einen Hut zu bringen. Keine Selbstverständlichkeit, ist er sich bewusst: «Es gibt auch Beispiele, bei denen das schon in der ersten Amtsdauer scheitert.» Als weiteren wichtigen Faktor ortet der Gemeindepräsident die natürliche Freude an der Tätigkeit. «Pflichtgefühl allein reicht nicht», sagt er, «Begeisterung für die Sache und am Umgang mit den Leuten gehören dazu.»

Spannende Behördentätigkeit

Entschädigt wird das Engagement durch den grossen Gestaltungsspielraum. Darunter verstehe er nicht das Bestimmenwollen, so von Siebenthal, sondern das Einbringen von Ideen ins Gremium. Im Gegensatz zur schwerfälligen Parlamentsarbeit läuft auf Gemeindeebene vieles zügiger. Geschätzt hat der Gemeindepräsident den direkten Kontakt zur Bevölkerung – auch wenn diese nicht immer erfreut war über die Gemeinderatsbeschlüsse. In solchen Fällen kann ein Gespräch auch eine Chance sein, einen vermeintlich unverständlichen Entscheid verständlicher zu machen.

Behördentätigkeit bietet auch Zugang zu Entscheidungsträgern und einer Vielfalt an Themen, wie man sie in den üblicherweise stark begrenzten Berufsfeldern kaum kennt. Besonders breit ist das Feld an den Klausurtagungen, wo man sich über die Grenzen des eigenen Ressorts hinaus in andere Themen einbringen soll. Genossen hat Walter von Siebenthal das gute Gefühl nach einer erfolgreich geleiteten Gemeindeversammlung, Insbesondere den schlichten Akt der Einbürgerung. In bester Erinnerung bleiben auch die zahlreichen Anlässe, etwa das kantonale Schwingfest, das er als OK-Präsident leiten durfte.

Das Gemeindegeschehen wird von Siebenthal auch nach Ablauf seiner fünften Amtszeit als Gemeindepräsident noch interessiert verfolgen, allerdings nur noch als «stiller Zuhörer», wie er betont. Die gewonnene Freizeit will er nutzen, um sich mehr mit Literatur zu beschäftigen, seine Spanisch-Sprachkenntnisse zu verfeinern und verschiedene andere Projekte anzugehen.

Weitere Artikel zu «Bezirk Affoltern», die sie interessieren könnten

Bezirk Affoltern27.08.2026

Müller‑Mehrheit – und die Säuliamt‑Spezialitäten

Offizielle Namensdaten: Im Bezirk Affoltern dominieren die grossen Schweizer Klassiker
Maschwanden fällt aus der Reihe
Bezirk Affoltern27.08.2026

Maschwanden fällt aus der Reihe

Fortsetzung: «Müller-Mehrheit – und die Säuliamt-Spezialitäten»
Ungleiches Abstimmungsbudget? Schweizweit, so auch im Knonauer Amt, finden sich viele Plakate, die für eine Annahme der Neutralitätsinitiative werben, wie dieses hier in Affoltern. Solche für die Ernährungsinitiative sind eher selten zu sehen, we
Bezirk Affoltern27.08.2026

Neutralität und Ernährung im Fokus

Über diese zwei nationalen Abstimmungsvorlagen gilt es, am 27. September an der Urne zu befinden