Prosa, Lyrik und Pianoklänge
Für die Hausemer Bibliothekarin Susi Fischli standen Lesen und Schreiben schon seit frühster Kindheit im Mittelpunkt. Am vergangenen Donnerstag bot sie in der Mülibar Einblick in ihr literarisches Schaffen. Stimmungsvoll liess Theo Wiget die Worte musikalisch weiterklingen: Zeitgedehnt.

Susi Fischli versteht es, Alltagssituationen genau zu beobachten und so lange darüber nachzudenken, Wörter zu finden und zu erfinden, bis sie beginnen zu schillern, zu funkeln und zu glitzern. Sie ist eine Sprachkünstlerin, Wortakrobatin und Stimmungszauberin. Theo Wiget hat ein extrem feines Gespür, Stimmungen, Emotionen und Themen aufzunehmen und so zum Klingen zu bringen, dass sie sich weiterentwickeln. Beide, Susi Fischli und Theo Wiget verstehen es, bei jedem Menschen etwas anderes, Individuelles auszulösen, das tut gut – auch wenn nicht alle Texte von Susi Fischli leicht dahergehüpft kommen. Sie spielt mit Sprache alle Töne der Empfindungen virtuos.
Sich anmuten lassen
Susi Fischli ist eine Frau mit feinem Sensorium. Wer empfindsam ist, nimmt intensiv und differenziert wahr. Eindrücke und Erlebnisse wollen verarbeitet sein. Susi Fischli tut dies in der freien Natur, im Garten – und vor allem schreibend.
Von frühster Kindheit an war Susi Fischli umgeben von belesenen Menschen. Zuerst im Elternhaus, später in der Schule. Weitere Impulse erhielt sie an der EB in Zürich, wo sie drei Semester «Literarisches Schreiben» belegte: Szenisches, erzählendes, experimentelles und lyrisches Schreiben.
Als Bibliothekarin kann sie ihre Affinität zu Büchern und der Schriftstellerwelt voll ausleben. Hier hat sie auch jahrelang Lesungen organisiert. Sie empfiehlt zwei für sie wichtige Anlässe: Die jährlichen Literaturtage auf der Rigi und in Solothurn.
Prägende Gruppe
Voller Begeisterung erzählt Susi Fischli von der Zeit, als sie im «Club Hrotsvit – Kunst und Frau» mitwirkte. «Der Club mit all seinen kulturinteressierten Frauen war ein Eldorado für mich, insbesondere die damit verbundene Literaturgruppe, der ich rund 15 Jahre angehörte.»
Susi Fischli hat hohe Ansprüche an ihr Schreiben: «Ziel ist es immer, einem Text seinen Funkelkern zu entlocken, also zum Eigentlichen vorzustossen und dabei möglichst Floskeln, Füllwörter und Wiederholungen abzumurksen. Ich koche die Buchstabensuppe langsam ein, bis nur noch die Essenz übrigbleibt. Das kann dauern.»
Über ihr Schreiben sagt sie bescheiden: «Nein, ich habe nichts von all dem veröffentlicht. Ein Theaterstück von mir, «Geister sind auch nur Menschen», wurde im Schloss Meggenhorn aufgeführt. Das Originalmanuskript liegt irgendwo im Archiv von Meggen. Eigentlich hüte ich meine Texte in meiner Schreibschublade. Ab und zu mache ich lieben Menschen mit einer Geschichte oder einem Gedicht ein Geschenk. Mehr begehre ich nicht.»
Ein Geschenk
Mit ihren Gedichten bringt sie die Dinge auf den Punkt – der sich alsbald in einen Gedankenstrich verwandelt. «Meine Themen kreisen vor allem um Werden und Vergehen. Ich finde es in den Jahreszeiten, im menschlichen Leben, in mir selber. Ich bin fasziniert von den Gegensätzen Licht und Schatten, Freude und Leid, Leben und Tod», erklärt Susi Fischli.
Die Gedichte brauchen Zeit, um sich zu setzen und zu wirken – bei jedem Zuhörer anders. Die improvisierte Klaviermusik von Theo Wiget begleitet und vertieft die Gedanken. Auf eine Erzählung aus der Sicht eines Kindes lässt er beispielsweise «Summertime» anklingen.
Die Mülibar ist ein idealer Ort für solche Veranstaltungen. Man trifft sich gern hier in Hausen. Aschi Rutz und sein Team sind hervorragende Gastgeber und bieten seit vielen Jahren Menschen einen Begegnungsort und einen Ort, wo Kultur nicht stattfindet, sondern lebt.


