Raserlärm nervt gewaltig

Töff- und Autofahrer benutzen die Bucheneggstrasse immer wieder als Rennstrecke und bringen die Anwohner mit ihrem Lärm zur Weissglut. In einer Petition fordern sie Verkehrs­beruhigung. Die Behörden reagieren zurückhaltend.

Die Bucheneggstrasse wird gern als Raserstrecke missbraucht – sehr zum Ärger der Anwohner. (Bild Stefan Schneiter)
Die Bucheneggstrasse wird gern als Raserstrecke missbraucht – sehr zum Ärger der Anwohner. (Bild Stefan Schneiter)

Die Strassen über den Albispass wie auch über die Buchenegg zwischen Stallikon und Langnau sind beliebte Raserstrecken. Vornehmlich im Sommer, aber auch das ganze Jahr über, preschen Töff- und Autofahrer gern mit überhöhten Tempi und oft auch mehrfach über die beiden Pässe. Das sorgt für Gefahren und Lärm. Im Sommer haben 94 ­Anwohner der Bucheneggstrasse eine Petition an die Gemeinden Stallikon, Adliswil und Langnau sowie an die Baudirektion des Kantons eingereicht. «Immer heftiger wird die Bucheneggpassstrase als Rennstrecke von Motorrad- und auch von Autofahrern missbräuchlich benutzt, um den Kitzel der Grenzsituation zu erleben», heisst es darin. Viele hätten «ihr Gerät manipuliert, um mit maximalem Getöse, Geknall und quietschend» den Berg hoch- und runterzufahren. Bis zu einem Kilometer Distanz bringe der Motorenlärm auf Passhöhe Gespräche zum ­Erliegen.

Die Petitionärinnen und Petitionäre fordern vom Kanton und den Gemeinden einschneidende Massnahmen. So schlagen sie eine Temporeduktion auf 30 km/h vor, die Einrichtung von Bodenwellen sowie eine Sperrung der Passstrasse für Motorräder (ausser Anlieger) ab 16 Uhr sowie an Wochenenden und Feiertagen. ­Kanton und Gemeinden haben nun auf die Petition geantwortet, fristgerecht ein halbes Jahr nach deren Einreichung.

«Kein Handlungsbedarf»

Der Gemeinderat von Stallikon schreibt in seiner Antwort, er könne das Anliegen der Petition gut nachvollziehen und er habe grosses Verständnis für den Ärger über die durch hohes Verkehrsaufkommen und teilweise unangepasste Fahrweise entstehende Lärmbelästigung und Sicherheitsbeeinträchtigung. Dennoch kommt er zum Schluss, es bestehe in der Angelegenheit «kein Handlungsbedarf». Die geforderten Fahrverbote/Sperrungen sowie baulichen Massnahmen erachtet er als «unverhältnismässig». Nicht viel anders tönt es bei der Gemeinde Adliswil. Die Bucheneggstrasse sei eine weitgehend schmale Strasse und daher «eher wenig geeignet für schnelles Fahren.» Obwohl der Verkehr an schönen Wochenenden hohe Zahlen erreiche, sei der durchschnittliche tägliche Verkehr «über das ganze Jahr hinweg gesehen eher gering». Fahrverbote oder bauliche Massnahmen seien daher «unverhältnismässig». Aufgrund fehlender Zuständigkeit – die Bucheneggstrasse ist eine Kantonsstrasse – werde die Stadt Adliswil beim Kanton Zürich keinerlei Massnahmen fordern.

Doch auch seitens des Kantons erklärt sich die Baudirektion für nicht zuständig. «Leider hat die Baudirektion keine Möglichkeit, direkte Massnahmen zur Entschärfung der belastenden Situation an der Bucheneggstrasse zu treffen», antwortet Regierungsrat Martin Neukom den Petitionären. Der Einbau von Fahrbahnschwellen sei aus Sicherheitsgründen keine Option. Für Geschwindigkeitsreduktionen und Strafmassnahmen gegen unnötigen Verkehrslärm sei die Kantonspolizei zuständig. Entsprechende Gesuche seien daher direkt an diese zu richten.

«Zynisch»

«Wir sind enttäuscht von den Antworten», sagt Eckhard Wolff, einer der Petitionäre. Keine der angeschriebenen Stellen sehe sich als zuständig, meint der Stalliker. In allen Stellungnahmen sei vom durchschnittlichen Verkehrsaufkommen die Rede. «Das ist zynisch», findet er. Es gehe um die unerträglichen Spitzenwerte, wenn die Bucheneggstrasse als Rennstrecke missbraucht werde. «Dann wird es extrem laut und höchst lebensgefährlich.» Stallikons Hinweis auf unverhältnismässige Forderungen kontert Wolff mit der Gegenfrage, ob es unverhältnismässig sei, Wohl und Sicherheit der Bürger höher zu werten als das zügellose, verkehrswidrige Ausleben einer rücksichtslosen Raserminderheit.

Mit den Antworten geben sich die 94 Petitionärinnen und Petitionäre nicht zufrieden. «Wir werden nicht aufgeben. Da muss etwas geschehen», sagt Wolff. Weitere Schritte werden von ihnen nun geprüft. Eckhard Wolff verweist darauf, dass sich das Lärmproblem nicht nur in der Albisregion, sondern an vielen Orten in der Schweiz stelle. Der Lösung des Problems stünden gesetzliche Regelungen entgegen. «Aber», so Wolff, «dann muss halt das Gesetz angepasst werden.»

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