Riesiges Interesse an der Langzeitpflege
Interessierte sollten einen Eindruck bekommen, was in der Langzeitpflege tagtäglich geleistet wird – darum ging es letzten Samstag am Tag der offenen Tür. Das Interesse war so gross, dass die Spitalleitung im Herbst und Ende Jahr nochmals Führungen anbieten wird.
«Lasst uns eng zusammenrücken, der nächste Winter kommt bestimmt» – unter diesem Motto begrüsste Spitalpräsident Michael Buik die nicht weniger als 150 Interessierten, welche am Samstagmorgen ins Restaurant Panorama gefunden haben. Neben den Plätzen an den Tischen waren auch die Fensterbänke belegt, sodass einige Besucher tatsächlich dicht gedrängt im Eingangsbereich stehen mussten. «Ich bin überwältigt vom Interesse», so Buik.
Der Anlass vom 26. Mai hätte der Auftakt sein sollen für die Abstimmungen über die Spital-Zukunft vom 10. Juni, verriet Clemens Grötsch, Präsident der Spital-Betriebskommission. Der Abstimmungstermin musste bekanntlich verschoben werden. Am Festtag hielt man trotzdem fest. «Hier im Haus haben wir 115 Pflegeplätze», wusste Grötsch den Besuchern zu berichten. Erst im letzten Jahr waren deren 11 geschlossen worden – weil die Nachfrage fehlt und das Haus Rigi neu konzipiert werden muss. Aktuell kommt die Langzeitpflege Sonnenberg auf eine Auslastung von 91%. «Das ist zu wenig», so der BK-Präsident, «wir hätten gerne 95%.»
«80 Plätze fehlen mit Sicherheit»
Mit den 85 Betten im Seewadel und den 120 Betten im Senevita kommt das Knonauer Amt aktuell auf 320 Pflegebetten. Prognosen gehen in zehn Jahren von einem Bedarf von über 500 Betten aus. Die Hochrechnungen seien allerdings mit Vorsicht zu geniessen, basieren sie doch auf zwei Annahmen, die überholt sind. So dürfte das Durchschnittsalter beim Heim-Eintritt künftig deutlich höher liegen. Die Verweildauer im Heim ist mit durchschnittlich 14 bis 18 Monaten zudem schon heute nur noch halb so lang wie die 28 bis 36 Monate, die 2010 noch galten.
Realistischer dürften die Prognose mit gut 400 Plätzen sein, die Pflegewissenschaftler Dr. Stefan Knoth kürzlich im Haus zum Seewadel vorgestellt hat. «80 Plätze fehlen mit Sicherheit», so Clemens Grötsch, «und die müssen gebaut werden.» Es ist Auftrag der Gemeinden, diese Plätze zur Verfügung zu stellen. In den letzten Jahren habe er deshalb wiederholt mit den anderen Bezirksgemeinden Kontakt gesucht, um gemeinsam zu planen, verriet Grötsch – bisher vergeblich. «Ich werde mich einsetzen für eine regionale Bettenplanung», versprach er.
Als Gemeindepräsident von Affoltern äusserte sich Clemens Grötsch auch noch zum Seewadel. Hier geht am 10. Juni der Projektierungskredit für den Neubau an die Urne. Nach 45 Jahren sei das Seewadel schon zweimal abgeschrieben, es sei verbraucht und abgewohnt. «Wir brauchen das Spital, wir brauchen die Langzeitpflege, wir brauchen das Seewadel – und wir brauchen ein weiteres Gebäude.» Letzteres müsse allerdings nicht zwingend in Affoltern stehen.
Die Aufenthaltsdauer variiert von einem Tag bis zu 28 Jahren
Die Langzeitpflege zählt aktuell 107 Bewohner, davon 2/3 Frauen, 1/3 Männer. Das Durchschnittsalter liegt bei 82 Jahren, der Pflegebedarf über dem kantonalen Durchschnitt. Jährlich werden 120 Eintritte verzeichnet, die Aufenthaltsdauer variiert von einem Tag bis zu 28 Jahren. Die Langzeitpflege bedeute heute auch nicht mehr in jedem Fall «Endstation». So komme es vermehrt vor, dass Bewohnerinnen und Bewohner nach einer «Selbstversorgungskrise» wieder Fuss fassen und in ihre häusliche Umgebung zurückkehren können, verriet Michael Buik.
Nicht nur die Ansprachen stiessen auf reges Interesse, auch den Rundgang durchs Haus wollte sich niemand entgehen lassen. So fanden sich zu einigen der Führungen über 50 Interessierte ein. Kurzfristig mussten zusätzliche Leiter organisiert und einige Besucher auf später vertröstet werden. Spannend zu sehen war die bauliche Entwicklung. So waren im Haus Rigi – gleich alt wie das Seewadel – damals noch Viererzimmer nur mit Lavabo Standard. Was für ein Unterschied zum weitgehend individuell möblierbaren Einzelzimmer. Gross war das Interesse auch an den Führungen durch die geschlossene Demenzstation. Im Erdgeschoss bot sich zudem an diversen Informationsständen Gelegenheit, interne und externe Angebote aus dem Bereich Alter und Pflege kennen zu lernen. Daneben wurde den Besuchern auch eine spektakuläre Überraschung geboten: Aus Holz-Rohlingen arbeitete Motorsägen-Künstler Lukas Senn vor Ort eine Bank und zwei Skulpturen heraus.
Der Andrang hat den Spital-Verantwortlichen aufgezeigt, dass das Interesse der Bevölkerung an ihrer Langzeitpflege gross ist. «Im September und Anfang Dezember werden wir nochmals Führungen anbieten», versprach Pflegedienstleiter Edwin Meier und betonte: «Wir wollen offen sein, ein Haus der Begegnung.»










