Rückgang des Quell- und Grundwassers bereitet Sorgen
David Nietlispach ist neuer Betriebsleiter der Wasserversorgung Affoltern. Sein Vorgänger Ueli Hug verabschiedet sich per Ende Jahr in die Pension. Er hinterlässt einen modernen, gut unterhaltenen Betrieb.

Am 1. Dezember 2020 hat Ueli Hug an David Nietlispach übergeben – nach elf Jahren und zwei Monaten als Betriebsleiter der Wasserversorgungs-Genossenschaft Affoltern. Was hat sich in seiner Amtszeit verändert? «Fast alles», blickt Hug zurück. «Von der Buchhaltung über die Infrastruktur bis hin zu Qualitätssicherung und Arbeitssicherheit haben wir mit dem Vorstand und den Genossenschaftern aus einem altmodischen Betrieb eine zeitgemässe Wasserversorgung entwickelt.» Für rund 10 Mio. Franken wurden in dieser Zeit 13 bis 14 km Leitungen ersetzt. Weitere gut fünf Mio. Franken flossen in die Anlagen, die Sanierung des Reservoirs Allmend, den Umbau des Reservoirs Rohrenmoos und die neue Filteranlage im Jonental. Trotzdem ist der Wasserpreis immer noch auf tiefem Niveau: gerade mal einen Franken kostet der Kubikmeter.
Aktuell läuft die Sanierung des Wasserreservoirs Rinderweidhau beim Bislikerweiher über dem Spital Affoltern. «Die Behälter sind fertig, jetzt läuft der Innenausbau», so Hug. «Im Frühling bis Sommer ist es betriebsbereit», ergänzt David Nietlispach. Ein nächster Entwicklungsschritt ist der Leitungszusammenschluss mit Jonen. Dieser erhöht für die Aargauer die Versorgungssicherheit und löst in Zwillikon das Problem der chronisch schlecht durchspülten Leitungen. Weiter ist ein Ringschluss im Lindenmoos geplant – im Sinne der Versorgungssicherheit – sowie mittelfristig die Sanierung des Reservoirs Ess in der obersten Druckzone beim Müliberg.
Sauberes Wasser – aber immer weniger davon
Die Verkeimung war in Affoltern in den letzten Jahren nie ein Problem und auch was die Belastung mit dem mittlerweile verbotenen Fungizid Chlorothalonil anbelangt, sei man unter den Grenzwerten, so Ueli Hug. Sorgen bereitet eher der Rückgang des Quell- und Grundwassers in den vergangenen Jahren. «Wir sind je länger je mehr froh um die Gruppenwasser-Anschlüsse», sagt der abtretende Brunnenmeister, «nach einer Trockenphase von zwei Wochen merken wir bereits, wie die Fördermenge zurückgeht.» Beschränkte sich zu seinem Amtsantritt der Fremdwasser-Anteil auf zwei bis fünf Prozent sind es heute 20 Prozent oder mehr, die Affoltern zukaufen muss. Und das geht ins Geld. Zürich-Wasser sei mit einem Einkaufspreis von 65 Rappen pro Kubikmeter rund doppelt so teuer wie das eigene.
Nicht zum gesteigerten Fremdwasser-Bedarf beigetragen hat der Verbrauch. So pendelte sich der Wasserverkauf bei rund 900000 Kubikmeter pro Jahr ein. Pro Kopf gemessen ist das sogar deutlich abnehmend. Möglich machen es moderne sanitäre Anlagen und sparsamere Geräte bei den Endverbrauchern, aber auch ein steigendes Bewusstsein in der Bevölkerung und die abschreckende Wirkung des Abwasserpreises: «Heute werden kaum noch unbegrenzt Plätze und Wiesen gewässert», so Ueli Hug.
Problematische Fremdstoffe
Eine Herausforderung dürften zunehmend auch Fremdstoffe im Wasser sein. Ueli Hug denkt da mehr an den Nanoplastik, also Kleinst-Abriebe von Kunststoffteilen, und Hormone, als an das viel diskutierte Chlorothalonil: «Das trinken wir wahrscheinlich schon seit 40 Jahren, es wird einfach erst jetzt gemessen», sagt er über Letzteres. «Das nächste Problem könnten die künstlichen Süssstoffe werden, die sich nicht abbauen», zitiert David Nietlispach seinen einstigen Chemielehrer. Für veraltete Kläranlagen seien auch die – völlig unnötigen – Giftcocktails aus WC-Steinen eine Belastung, ergänzt Hug.
Per 1. Dezember hat Ueli Hug die Betriebsleitung der Wasserversorgung Affoltern abgegeben. Angestellt ist er bis Ende Jahr, diesen Monat baute er allerdings primär Ferienguthaben ab und stand nur noch sporadisch im Einsatz. Sein Nachfolger David Nietlispach hat per 1. Oktober angefangen. Er ist 44 Jahre alt, Vater von drei kleinen Kindern im Vorschulalter, wohnt in Muri und hat zuletzt bei der Stadt Bremgarten als Werkmeister und stellvertretender Brunnenmeister gearbeitet. Die entsprechende Ausbildung schloss er 2019 ab. «In einer Genossenschaft kann ich viel mehr bewirken», begründet er den Wechsel.
Auf Wanderschaft
Und was macht Ueli Hug mit der neuen Freizeit? «Ich habe keine Angst, dass mir langweilig wird», sagt der passionierte Kleintierzüchter. Nebst seinen Hühnern und Kaninchen habe er ein altes Haus, an dem er «herumbastle», und wolle auch vermehrt auf Reisen gehen, allerdings sei dies im Moment «etwas schwierig». Wieder aufnehmen will Hug die mehrtägigen Wanderungen, wie er sie früher zu unternehmen pflegte, mal ins Tessin, mal vom Bodensee oder aus Fribourg nach Hause. Während es andere auf die Berge zieht, wandert er lieber in den Tälern, wo man Dörfer sieht und mit Leuten in Kontakt kommt. Und um im Sommer vermehrt in die Reuss baden zu gehen, will sich der Ottenbacher ein Elektrovelo anschaffen. Das Wasser bleibt also ein wichtiges Element.


