«Schlegle», ganz ohne Konsequenzen
Schlägereien, Schiessereien und Verfolgungsjagden: Der Ferienplausch-Kurs «Actionfilme drehen» der vergangenen Woche im Jugendhaus Affoltern bot 19 Kindern und Jugendlichen eine volle Ladung Adrenalin.
Journalistinnen und Journalisten werden nicht überall mit gleicher Herzensgüte empfangen. Dass jedoch das Gegenüber zur Begrüssung den Lauf der Maschinenpistole auf einen richtet, passiert wohl eher selten – und meist nur einmal. Allerdings stolpert man normalerweise auch nicht einfach mitten in eine Schiesserei.
Eine solche war am letzten Dienstag im Jugendhaus Affoltern im Gang. 19 Kinder und Jugendliche zwischen 8 und 14 Jahren besuchten den Ferienplausch-Kurs «Actionfilme drehen» und lernten während zweier Tagen das Film-Handwerk näher kennen. «Im Kurs zeigen wir den Teilnehmenden, wie Verfolgungsjagden, Schlägereien und Schiessereien gedreht und gefilmt werden», erklärt Kursleiterin Gabriela Bosshard von der Filmschule Crossfade.tv. So lernten die Jungs und Mädels beispielsweise, in welchem Winkel die Kamera bei Schlägereien am besten platziert wird, um die Szenen trotz fehlendem Körperkontakt möglichst echt aussehen zu lassen. Danach probierten die Nachwuchs-Schauspielerinnen und -Schauspieler die Theorie direkt aus, indem sie in Kleingruppen eigene Filmsequenzen erstellten.
Der Reiz am Verbotenen
Elias gefällt besonders die Arbeit hinter der Kamera: «Mir macht es Spass zu sehen, was aus dem Rohmaterial entsteht». Eine Mädchentruppe hingegen berichtet, das «Schlegle» habe am meisten Spass gemacht. Allerdings sei das Schauspielern gar nicht so einfach gewesen, sie hätten ständig lachen müssen. «Am liebsten würden wir die Outtakes zu einem eigenen Film zusammenschneiden», erklärten sie begeistert. Ein bisschen Fachvokabular scheint ebenfalls hängengeblieben zu sein.
«Vielleicht ist es die Lust, einmal etwas zu machen, was man sonst nicht darf», meint Gabriela Bosshard auf die Frage, was die Kinder wohl an diesem Kurs besonders reize. «Schlägereien und Schiessereien sind normalerweise verboten. Hier dürfen sie diese Dinge für einmal ausprobieren.» Die Imitation von Gewaltszenen sei in manchen Kreisen jedoch umstritten, so Bosshard weiter. «Für eine Weile habe man deshalb die Pistolen und Gewehre durch Holz und WC-Rollen ersetzt und die Waffen erst bei der digitalen Bearbeitung eingefügt. «Inzwischen lassen wir die Kinder jedoch wieder mit Spielzeug-Gewehren drehen». Diese Szenen fänden nunmal mit Waffen statt. Nach dem Dreh durften die Teilnehmenden die Filmsequenzen am Computer selber schneiden, mit Ton hinterlegen und mit Effekten aufmotzen. So knallt es plötzlich, wenn sich zwei Mädchen gegenseitig ohrfeigen, oder aus der Wasserpistole zischt eine Feuerwolke.
Die gedrehten Szenen erhalten die Jugendlichen am Ende des Kurses als DVD. Es gehe jedoch nicht primär um das Produkt, erklärt Bosshard: «Das Lernen steht bei diesem Kurs im Vordergrund. Die Kinder lernen, wie Action-Szenen entstehen und erkennen dadurch, dass vieles, was sie in Filmen sehen, nur Illusion ist.»






