Schutz der Fische vor Bauarbeiten
Der Stollen, der den Tobelbach durch Unterwissenbach, Gemeinde Mettmenstetten, führt, muss von Kalkablagerungen befreit werden, um den Hochwasserschutz weiterhin zu gewährleisten. Der kantonale Fischereiaufseher sorgt zusammen mit den Fischern dafür, dass diese Arbeiten keine Verluste beim natürlichen Fischbestand verursachen.

Der 2,16 km lange Tobelbach führt von Oberrifferswil durch Ober- und Unterwissenbach zum Haselbach. Das kleine, fischreiche Gewässer droht im Sommer manchmal teilweise auszutrocknen. Fischereiaufseher und Fischer kontrollieren daher regelmässig den Wasserstand. Sie sind auch zur Stelle, wenn Fische aus anderen Gründen der Pflege bedürfen.
Der Tobelbach führt durch kalkreiche Böden. Dies hat zur Folge, dass Kalkaufladungen entstehen. Diese Woche wird ein Zugangsschacht erstellt, um eine solche Aufladung in einem alten Gewölbe, das den Bach unter zwei Häusern hindurchführt, abzubauen. Kalk beeinträchtigt die Wasserqualität zwar nicht, doch vermindern die Aufladungen den Durchlass. Von Bedeutung ist dies im Fall von Hochwasser, weil die Abflussmenge dadurch entscheidend verringert wird.
Nach Stromschlag bewegungsunfähig
Für die Bauarbeiten wird der eingedolte Bereich trockengelegt. Damit dabei möglichst keine Fische zu Schaden kommen, wurde der Bach am vergangenen Freitag oberhalb des Stollens ausgefischt. Dies geschieht mit einem leichten Stromschlag, der die Tiere für eine kurze Zeit bewegungsunfähig macht, damit sie vorsichtig gefangen und in einem mit Wasser gefüllten Kessel abtransportiert werden können. Die gefangenen Fische werden anschliessend in einem nahen Gewässer ausgesetzt, in dem sie ungefährdet sind.
Für den Fischereiaufseher, den Pächter des Fischreviers und die Fischer ist das Vorgehen bekannt. Sie erheben regelmässig die Fischbestände auf diese Weise und retten die Fische rechtzeitig vor Trockenheit, wenn ein Gewässer wie der Tobelbach wegen Wassermangel nicht mehr fliesst. Die Bestandesaufnahmen sind wichtig, um zu kontrollieren, ob die Naturverlaichung für die Sicherung des Überlebens der Fische ausreicht. Dabei werden die Fische ausgemessen, um zu prüfen, dass Bestand und Altersstruktur gesund sind.
Der weisse Bach
Die Mühle Wissenbach wurde erstmals 1407 erwähnt. Gemäss dem massgebenden Wörterbuch für Schweizerdeutsche Begriffe und Namen, dem Idiotikon, bedeutet Wissenbach «Bach mit schäumend-weisser oder hell-glänzender Farbe», welche mit grosser Wahrscheinlichkeit vom kalkhaltigen Boden herstammt, der immer wieder an der weissen Farbe erkennbar ist. Die 1490 erstmals erwähnte Brücke südwestlich des Weilers über den Haselbach war Teil der spätmittelalterlichen Strassenverbindung von Zürich über den Albispass nach Zug und weiter zum Gotthard. Der Weiler gilt als Ortsbild von nationaler Bedeutung. Die Bauarbeiten zur Sicherung des Hochwasserschutzes müssen daher nicht nur den Erfordernissen des Naturschutzes, sondern auch denjenigen des Denkmalschutzes genügen.
Biodiversität in Fliessgewässern
Detailliertere Informationen zum Vorgehen bei den Bestandesaufnahmen und dem Ausfischen bei solchen Rettungsaktionen erläutert der für den Bezirk Affoltern zuständige Fischereiaufseher, Christoph Quinter, im Youtube-Kanal «Naturnetz Knonauer Amt».
Die Gemeinde Mettmenstetten hat unter der Leitung von Theo Frey 2019 das Projekt «Biodiversität Fliessgewässer der Gemeinde Mettmenstetten» durchgeführt. Insgesamt wurden an zehn Standorten nicht weniger als 98 verschiedene Arten bestimmt. Für einen gezielten Schutz der einheimischen Tierwelt sind diese Erkenntnisse von grosser Bedeutung.
Weitere Infos: www.mettmenstetten.ch/_docn/2431403/Biodiversitat_Fliessgewasser_Mettmenstetten_2019_Schlussbericht.pdf


