Solardach auf der Obfelder Kirche spaltet die Gemüter

Baudirektion will eine PV-Anlage bewilligen – die Denkmalpflege ist dagegen

Er befürwortet eine PV-Anlage auf der reformierten Kirche in Obfelden: Kirchenpfleger und Liegenschaften-Vorstand Hansjörg Schneebeli. (Bild Werner Schneiter)

Während sich die kantonale Denkmalpflege gegen ein Solardach auf der ­reformierten Kirche in Obfelden stemmt, ist die Zürcher Baudirektion bereit, eine solche Anlage zu bewilligen.

Weil die historische Dacheindeckung der 1848 erbauten Kirche komplett erneuert werden muss, entstand die Idee, das rund 450 Quadratmeter grosse Kirchendach mit einer Solaranlage zu bestücken. Die reformierte Kirchgemeinde stimmte im Juni 2024 diesem Ansinnen im Grundsatz einstimmig zu – im Wissen, dass hier Widerstand von der Denkmalpflege zu erwarten und gegen eine Baubewilligung mit Rekursen zu rechnen ist. Deshalb sagte die Kirchgemeindeversammlung mit Blick auf das Prozessrisiko auch Ja zu einem dazu notwendigen Kostenrahmen von 20000 Franken.

Zu diesem Zeitpunkt stand Kirchenpfleger Hansjörg Schneebeli bereits seit längerer Zeit im Kontakt mit der Denkmalpflege-Kommission, deren Vertreter auch einen Augenschein vornahm. Für den Kirchenpfleger und Liegenschaften-Vorstand eine veritable Geduldsprobe. Er gelangte mit dem Anliegen an Kantonsrat Thomas Schweizer (Grüne), der bei Baudirektor und Parteikollege Martin Neukom vorsprach und dort offenbar auf offene Ohren stiess. Zudem warb der Gemeinderat Obfelden mit zwei Briefen an die Baudirektion für das Solardach – auch unter dem Hinweis auf den Status der «Energiestadt Obfelden».

«Schutzziele beeinträchtigt»

In ihrem 23 Seiten starken Gutachten vom April 2024 sieht die Denkmalpflege im Solardach auf der nach Ablösung von Ottenbach (1847) erbauten Obfelder Kirche «eine wesentliche Beeinträchtigung des Denkmalschutzobjektes». «Sie beeinträchtigt die Schutzziele des Objekts, welche den Eigen- wie auch den Situationswert des Gebäudes betreffen. Durch die geplante Photovoltaikanlage würde das äussere Erscheinungsbild der ­Kirche, das es zu erhalten gilt, massgeblich verändert», hält die Denkmalpflege im ­Gutachten fest. Dass darin der heute marode Zustand des Kirchendachs ausgeblendet wird, versteht Hansjörg Schneebeli nicht. Für die Erneuerung des Dachs ohne Solaranlage schätzt er die Kosten auf 250000 Franken, jene für eine Solaranlage auf 350000 bis 400000 Franken. Allerdings geht man von einer Leistung von 75 kWp und zirka 60000 kWh Stromertrag aus. Das geht über den Energieverbrauch des Gebäudes ­hinaus.

Erneuerbare Energien: «Hohes Gewicht»

Unter Abwägung aller Interessen ist nun die Baudirektion bereit, die PV-Anlage auf dem Obfelder Kirchendach zu ­genehmigen. Weil sie der Förderung von erneuerbaren Energien «hohes Gewicht» zumisst. «Der Kanton Zürich hat mit seiner langfristigen Klimastrategie ­beschlossen, dass die Netto-Null-Treibhausgasemissionen bis 2040 erreicht werden sollen. Solarenergie spielt bei dieser Strategie eine entscheidende ­Rolle, schreibt Regierungsrat Neukom. Der Kirchgemeinde empfiehlt er nun, das Baugesuch mit den üblichen Unterlagen über das kommunale Bauamt einzureichen. Allerdings fehlt der regierungsrätliche Hinweis auf «ein gewisses Prozessrisiko» nicht. Die Baueingabe erfolgt laut Hansjörg Schneebeli in rund zwei Monaten.

Es gibt bereits einige Solaranlagen auf Kirchendächern im Kanton Zürich. Widerstand gab es im Bezirk im Falle des Klosters Kappel, wo die Photovoltaik-Ausstattung auf vier Gebäuden «extra muros» am Veto des Heimatschutzes scheiterte, nachdem sich die Denkmalpflege (!) in diesem Fall für das Vorhaben ausgesprochen hatte. Die Delegiertenversammlung der Kappelerpflege hatte dazu 2023 einen Kredit von 800000 Franken bewilligt.

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