Spital, Umwelt und aktive Vereine

Von den 10ern in die 20er-Jahre – Gedanken zum Jahrzehntwechsel

Die Silvesternacht markiert diesmal nicht nur den Jahreswechsel, sondern auch den Abschluss der 10er-Jahre. Ein Jahrzehnt, in dem viel passiert ist im Knonauer Amt. Es war das erste Jahrzehnt mit der Autobahn A4, die die Verkehrsflüsse im Bezirk markant verändert hat. Auf der einstigen Nord-Süd-Achse hat sich der Durchgangsverkehr mit der Eröffnung Ende 2009 auf einen Schlag drastisch reduziert. Gleichzeitig stieg die Attraktivität des Bezirks als Wohnregion weiter an, was zu einem kontinuierlichen Bevölkerungswachstum und damit auch zu einer Steigerung des «hausgemachten» Verkehrs führte. Und da wären noch die Gemeinden Obfelden und Ottenbach, die immer noch unter dem überkantonalen Durchgangsverkehr leiden und weiter um ihre längst versprochene Umfahrung bangen müssen. Anfang Jahr soll der Kantonsrat den Zusatzkredit bewilligen für die Mehrkosten, die zu einem grossen Teil verzögerungsbedingt sind.

Die Kantonsschule ist gescheitert, das Spital hat bewegt

Mit grosser Einigkeit stand das Knonauer Amt als Wachstumsregion hinter dem Wunsch, eine eigene Kantonsschule zu erhalten. Trotz Petition mit fast 4000 Unterschriften fand man beim Kanton allerdings (noch) kein Gehör. Polarisiert wie kein anderes Thema hat in der Region in den letzten zehn Jahren derweil die Debatte um die Zukunft des Spitals Affoltern. Am 24. November 2013 sagte auf Bezirksebene zwar eine Mehrheit Ja zur Bildung einer Gemeinnützigen Spital AG, in vier Gemeinden war allerdings die Mehrheit dagegen – und damit die hohe Hürde einer Einstimmigkeit gerissen. Im zweiten Anlauf, fast sechs Jahre später, sprachen sich dann 91,5% für die Auflösung des Zweckverbands aus.

Mit dem flächendeckenden Ja zu den Nachfolgeorganisationen, der gAG Spital Affoltern und der IKA Pflege Sonnenberg, kann das Splitting von Akutspital und Langzeitpflege auf kommendes Jahr hin nun umgesetzt werden. Die nächste Hürde wird die Vergabe der Leistungsaufträge ab 2023 durch die Gesundheitsdirektion sein. Dafür gilt es, das Spital in Form zu bringen. Dazu braucht es Änderungen. Ein erster empfindlicher Einschnitt war der Verzicht auf die defizitäre Geburtenabteilung.

Wahl- und Nichtwahl-Überraschungen

Auf nationaler Ebene waren es Umweltthemen, die das Jahrzehn politisch geprägt und sich auch auf das Säuliamt ausgewirkt haben. Der «Fukushima-Effekt» löste 2011 eine erste «Grüne Welle» aus, die Klimadiskussion bescherte den Grünen und Grünliberalen 2019 weitere Mandate. Überraschend wurden dabei die Grünliberalen im Bezirk zur zweitstärksten Kraft hinter der SVP. Mit ihrer Kombination von Ökologie und Ökonomie haben sie auch im bürgerlichen Lager überzeugt.

Durfte das Knonauer Amt mit Toni Bortoluzzi und Hans Kaufmann bis zu dessen Rücktritt 2014 noch zwei Nationalräte nach Bern schicken, war unser Bezirk ab Herbst 2015 vorübergehend gar nicht mehr im eidgenössischen Parlament vertreten. Im Laufe der Legislatur sollten Hans-Ulrich Bigler und Martin Haab nachrücken. Die Wiederwahl schaffte 2019 allerdings überraschend nur der Mettmenstetter. Dafür sorgte das Knonauer Amt 2015 international für Schlagzeilen: durch den Besuch des damaligen französischen Staatspräsidenten François Hollande bei der Ernst Schweizer AG in Hedingen.

Weltmeisterlich – auch als Organisatoren

Gefeiert wurde im Bezirk in den vergangenen zehn Jahren ebenfalls. In Mettmenstetten etwa 2016 das 900-Jahre- und in Rifferswil 2019 das 1000-Jahre-Dorfjubiläum. Und sogar Elite-Weltmeister hat die Region gestellt: Der Aeugster Adrian Brennwald holte 2010 den globalen Titel im Double Ironman und doppelte fünf Wochen später über die dreifache Ironman-Distanz nach. Den Double-Titel verteidigte er im Folgejahr in Weltrekord-Zeit. Kickboxer Enver Sljivar, der «Iron Bull» aus Affoltern, sammelte von 2015 bis 2019 nicht weniger als fünf Weltmeistertitel und Sportkletterin Petra Klingler holte sich 2016 in Paris die höchste Auszeichnung im Bouldern.

Sportlich waren es zwei Mega-Anlässe, die aus dem zu Ende gehenden Jahrzehnt in Erinnerung bleiben: Das Zürcher Kantonal-Schwingfest lockte am 6. Mai 2018 6800 Zuschauer – unter ihnen Bundesrat Ueli Mauer – in die eigens dafür errichtete Arena auf dem Flugplatz Hausen. Möglich machten es 530 Frauen, Männer und Kinder, die am Anlass sowie tags zuvor am Jubiläumsabend 100 Jahre Turnverein Hausen für einen reibungslosen Ablauf sorgten. Ein gutes Jahr später kämpften am Regionalturnfest Obfelden rund 4000 Turnerinnen und Turner um Auszeichnungen. Und das Publikum würdigte den Einsatz der Teilnehmenden, Organisatoren und der rund 1000 Helfer mit einem Grossaufmarsch.

Musikfeste: Fortsetzung folgt

Über die Bezirksgrenzen hinaus mobilisiert haben auch die Musikvereine Bonstetten (2013) und Hausen (2019) mit ihren regionalen Musiktagen. Und es geht weiter: Vom 19. bis 21. Juni 2020 wird der Musikverein Harmonie Affoltern zu seinem 100-jährigen Bestehen über 600 Musikantinnen und Musikanten zum regionalen Musiktag des Verbands Amt und Limmattal auf dem Schulareal Ennetgraben empfangen. Es ist beeindruckend, was die Vereine mit Unterstützung aus der Region auf die Beine stellen können. Sie leisten damit in Fronarbeit einen integrativen Beitrag ans gesellschaftliche und soziale Zusammenleben, der unbezahlbar ist und gar nicht genug gewürdigt werden kann.

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