Stalliker Rechnung mit millionenschwerem Überschuss
Gemeindeversammlung genehmigt beide Traktanden – Unmut über Veloverkehr
Ohne Diskussion und mit jeweils 59:0 Stimmen haben die Stalliker Stimmbürgerinnen und Stimmbürger am Mittwochabend die beiden Traktanden der Gemeindeversammlung genehmigt: die Jahresrechnung 2025 und die Aufhebung von Gewässerabstandslinien. Unter dem Traktandum Verschiedenes brachte ein Einwohner des Weilers Gamlikon seinen Unmut über den immer zahlreicheren, gefährlichen Veloverkehr zum Ausdruck – und stiess damit beim Gemeinderat auf grosses Verständnis. Daneben wurden mehrere, zum Teil langjährige Gemeinderats- und Kommissionsmitglieder verabschiedet.
Hohe Grundstückgewinnsteuern
Dass die von 61 Stimmberechtigten besuchte Gemeindeversammlung inklusive Verabschiedung keine Stunde dauerte, lag unter anderem an der weit besser als budgetiert ausgefallenen Jahresrechnung 2025 (gute Nachrichten werden viel seltener diskutiert als schlechte). Anstelle einer erwarteten schwarzen Null bei einem Aufwand und Ertrag von je 23 Millionen Franken resultierte nämlich ein Ertragsüberschuss von 3.3 Millionen Franken. «Wenn heute jemand Beifall verdienen würde», so Gemeinderat Nino Ciganovic in seinen Erläuterungen, «dann die Steuerzahler und die Immobilienbesitzer.»
Den grössten Teil zum unerwarteten Überschuss trugen die Grundstückgewinnsteuern bei mit einem Plus von 1.3 Millionen Franken (total 3.0 Millionen). Ciganovic sprach in diesem Zusammenhang von einem «historischen Hoch», zurückzuführen auf nicht weniger als 77 Handänderungen im vergangenen Jahr. Im laufenden Jahr könnte es womöglich ähnlich aussehen, wenn man sich die vielen Stalliker Immobilienangebote im Internet anschaue, so der Finanzvorsteher.
Deutlich höher als erwartet sind auch die Steuereinnahmen ausgefallen mit einem Plus von 1.1 Millionen Franken (total 14.6 Millionen). Zudem profitierte die Gemeinde von einer Erbschaft in der Höhe von 225000 Franken; sie stammt von einer Person ohne Nachkommen, deren Nachlass gemäss kantonalem Einführungsgesetz zum Schweizerischen Zivilgesetzbuch zwischen dem Kanton und der Heimatgemeinde (Stallikon) je zur Hälfte aufgeteilt wurde. Die letzte Wohngemeinde der Verstorbenen (nicht Stallikon) ging dabei leer aus. Grösste Abweichung bei den Ausgaben waren höhere Lohnkosten für die Primarschule (plus 135000 Franken). Deutlich kleiner fiel die Investitionsrechnung aus (2.2 Millionen Franken statt 4.8 Millionen), vor allem weil das Schulraumerweiterungs-Projekt noch nicht so weit gediehen war, wie geplant.
Mit dem von Ciganovic als «sehr solide und erfolgreich» bezeichneten Jahresabschluss stieg das Nettovermögen pro Einwohner auf über 2000 Franken. Zum Vergleich: Vor zehn Jahren lastete auf den Stallikerinnen und Stalliker noch eine Nettoschuld von über 3000 Franken pro Kopf. «Es wäre allerdings nicht gut», so Ciganovic abschliessend, «wenn man jetzt schon über Steuersenkungen zu reden begänne», da verschiedene grosse Investitionen anstünden.
Enger gefasster Gewässerraum
Ebenfalls keine Diskussion gab die im Rahmen einer Teilrevision der Bau- und Zonenordnung vom Gemeinderat beantragte Aufhebung von Gewässerabstandslinien. Es betrifft einen Abschnitt des Zügnisbachs und einen der Reppisch. Dort wird die als Übergangslösung festgelegte Gewässerabstandslinie durch einen enger gefassten Gewässerraum ersetzt. Grund: Die Abstandslinien werden mit Blick auf das Ortsbild und die dort fehlenden Erholungsräume und schützenswerten Landschaften als nicht mehr notwendig erachtet.
Nicht aufgehoben wird die Gewässerabstandslinien hingegen in einem Abschnitt des Silberbachs. Der Gemeinderat macht dafür verfahrenstechnische Gründe geltend. Eine dagegen eingereichte Einwendung lehnte der Gemeinderat ab; die Aufhebung erfolgt deshalb im Rahmen eines Quartierplanverfahrens.
«Katastrophaler Veloverkehr»
Emotional wurde es beim Traktandum Verschiedenes. Ein Bewohner des Weilers Gamlikon machte seinem Unmut über den «katastrophalen Veloverkehr» Luft. An schönen Tagen würden teils im 30-Sekunden-Takt Velofahrer oder ganze Velovereine durch Gamlikon rasen und gefährliche Situationen hervorrufen.
Wie gross der Unmut ist, lässt sich an einer in dieser Woche dem Gemeinderat eingereichten Eingabe aus Gamlikon ablesen, in der Vorschläge zur Bekämpfung des Veloproblems gemacht werden. Der Brief wurde von nicht weniger als 61 Personen unterzeichnet.
Der Ärger über das «Puff mit den Velofahrern» in Gamlikon stiess bei Gemeindepräsident Reto Bernhard am Mittwoch auf grosses Verständnis. Gemäss von der Gemeinde durchgeführten Messungen wird mit Geschwindigkeiten von bis zu 38 km/h durch Gamlikon pedalt. Das Problem bestehe allerdings auf dem ganzen Gemeindegebiet, wo es immer wieder zu «wahnsinnig gefährlichen» Situationen komme, so Bernhard. Im Rahmen der anstehenden Revision des kommunalen Verkehrsrichtplans werde man sich dem Thema eingehend widmen.
Gemeinderat und Sicherheitsvorsteher Andreas Zbinden kündigte daneben bereits für nächste Woche eine Begehung mit Vertretern der Kantonspolizei in Gamlikon an. Schnellschüsse seien allerdings nicht zu erwarten.
Fünf Verabschiedungen
Zum Schluss wurden unter Applaus Gemeinderats- und Kommissionsmitglieder verabschiedet und für ihre Verdienste mit einem Blumenstrauss geehrt. Sie hatten sich in den vergangenen Jahren, teils sogar Jahrzehnten, für Stallikon eingesetzt. So Werner Michel (zunächst Mitglied der Rechnungsprüfungskommission, RPK, und von 2008 bis 2022 zuerst Gemeinderat, dann Gemeindepräsident, zuletzt Schulpflege-Mitglied); Ingrid Spiess (von 2018 bis 2026 zuerst Gemeinderätin, dann zusätzlich Schulpräsidentin); Mia Zumsteg (von 2022 bis 2026 Gemeinderätin); Teresa Bartesaghi (von 2016 bis 2026 zuerst RPK-Mitglied, dann RPK-Präsidentin) und Hansruedi Metzger (von 1998 bis 2026 Mitglied der Baukommission, BK, und Vizepräsident).
Zu dem vom Gemeinderat spendierten Apéro steuerte Ingrid Spiess kulinarische Leckerbissen aus ihrer ursprünglichen Heimat bei, dem Saanenland.






