«Stolz sein dazuzugehören – das ist typisch schweizerisch»

Trotz der Hitze unter dem Glasdach vor dem Kasino Affoltern, war die Feier gut besucht. Stadtpräsident Clemens Grötsch gab Erklärungen zur geplanten Strategie und Regierungsrat Ernst Stocker sprach über Wachstum, Ausbildung, Steuern, aber auch über unsern Stolz.

Anstossen und eine Wurst essen. Stadtpräsident Clemens Grötsch (links) und Regierungsrat Ernst Stocker. <em/>

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Volle Tische und Musik von der Harmonie Affoltern unter dem Kasino-Vordach.<em> (Bilder Marianne Voss)</em>

Volle Tische und Musik von der Harmonie Affoltern unter dem Kasino-Vordach.<em> (Bilder Marianne Voss)</em>

SVP-Kollegen treffen sich. Von links: Jakob Geissbühler, Regierungsrat Ernst Stocker, Toni Bortoluzzi und Theo Fischer.

SVP-Kollegen treffen sich. Von links: Jakob Geissbühler, Regierungsrat Ernst Stocker, Toni Bortoluzzi und Theo Fischer.

Vor der offiziellen 1.-August-Feier hatte die Gemeinde Affoltern die Neuzugezogenen zu einer Informationsveranstaltung eingeladen. Rund 80 Personen waren gekommen. Natürlich blieben viele und gesellten sich auf dem Vorplatz an den Festtischen dazu. Es heizte schon am Vormittag ganz schön ein unter dem Glasdach vor dem Kasino. Dennoch waren die Tische gut besetzt, als der Musikverein Harmonie Affoltern das erste mitreissende Stück spielte und mit den Klängen fröhliche Feststimmung verbreitete. Der Frauenturnverein sorgte für das leibliche Wohl und war vorerst vor allem daran, Wasserflaschen zu servieren. Auch der eingeladene Regierungsrat war schon anwesend und begrüsste rundherum alte Bekannte. Sein Auftritt in Affoltern bedeutete für den Meisterlandwirt aus Wädenswil fast etwas wie ein Heimspiel. Als Seebueb sei er von der Pfnüselküste immer gerne ins benachbarte Säuliamt gekommen, berichtete er. «Hier hat die Sonne geschienen – wie heute ja auch.»

Stadtpräsident Clemens Grötsch begrüsste die Anwesenden, gab einige Erklärungen zur geplanten Strategie und führte aus: «In den kommenden Jahren brauchen wir andere Kompetenzen. Wir müssen jetzt schon anfangen zu denken.» Es gehe dabei um Themen wie das Ortsbild, die Ansprüche an die Dienstleistungen, die Bevölkerungszahl und -struktur, die Schulentwicklung oder auch Energie und Klimaschutz. Oder zusammengefasst: «Was macht unsere Stadt noch lebenswerter?»

Dem System Sorge tragen

SVP-Regierungsrat Ernst Stocker hielt die zweite seiner gesamthaft vier 1.-August-Ansprachen. Bodenständig und volksnah redete er zu den vielen interessierten Anwesenden. Zu Beginn gratulierte er Affoltern, der jüngsten Stadt im Kanton Zürich, sowie der Harmonie für ihre mitreissenden Stücke und das «pickelharte Tragen der Krawatte trotz Hitze».

Dass wir stolz sein dürfen, betonte er mehrmals. Stolz auf uns, auf unser Land. «Ich stelle aber auch fest, dass die meisten hier stolz sind dazuzugehören und ein Teil der Gemeinschaft zu sein. Das ist doch typisch schweizerisch.» Er streifte die Themen Wachstum, Bildung und Steuern. Bei letzterem begab er sich gemäss eigenen Worten auf Glatteis, «obwohl es heute so heiss ist». Was zu viel und was zu wenig sei, werde wohl immer diskutiert werden. Und er stellte die Steuersituationen dreier Ortschaften, wo er als Redner eingeladen war, einander gegenüber. Ob es richtig sei, dass Affoltern wegen der tiefen Steuerkraft dieses Jahr 15 Millionen Franken erhalte und trotzdem nicht vom hohen Steuerfuss von 124 Prozent wegkomme? Oder dass Dinhard mit der gleichen Steuerkraft dieses Jahr rund 1,1 Millionen Franken Zuschuss erhalte und trotzdem mit einem relativ tiefen Steuerfuss von nur 89 Prozent auskomme? Und er erwähnte noch Horgen, das dieses Jahr 30,3 Millionen Franken abliefern musste und seine Steuern trotzdem noch senken konnte. «Ja, das alles ist korrekt, denn es ist so, wie es beschlossen wurde. Diese Beispiele zeigen, wie vielfältig unser Land ist.» Es sei aber wichtig aufzupassen und dem austarierten System Sorge zu tragen. «Es muss immer ein Leistungsanreiz bleiben, auch für reiche Leute.» Und schliesslich rief er dazu auf, grosszügiger zu denken. «Wir sollten nicht immer nur den eigenen Nutzen sehen.»

Nach seiner Rede erhoben sich alle und sangen mit instrument-gewaltiger Unterstützung der Harmonie die Nationalhymne. Und danach kredenzten sich viele – auch der Stadtpräsident und der Regierungsrat – eine Wurst, denn eine Bratwurst gehört doch einfach dazu am 1. August.

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