Synodenwahl: Frauen setzen sich durch
Am Wochenende haben die Angehörigen der evangelisch-reformierten Kirche ihr Parlament, die Synode, neu gewählt. Ob die fünf Sitze tatsächlich gemäss Wahlprotokoll verteilt werden, ist allerdings noch offen.
Bei einem absoluten Mehr von 1670 Stimmen erreichte Denise Hegglin, Pflegefachfrau aus Wettswil, mit 2943 Stimmen das Spitzenresultat. An zweiter Stelle folgt die ebenfalls neu kandidierende Bonstetter Pfarrerin Susanne Sauder mit 2741. Auch die dritte Frau im Bund, Gabriela Bregenzer, Sozialdiakonin aus Obfelden, schaffte die Wahl mit 2432 Stimmen komfortabel.
Fast gleichauf auf dem dritten und vierten Platz liegen die beiden Bisherigen Thomas Maurer, Knonauer Pfarrer, und Hans Streit, Architekt aus Hedingen, mit 2631 beziehungsweise 2610 Stimmen. Nicht mehr gewählt wurde der Aeugster Sozialwissenschaftler Hannes Tanner, der mit 2179 Stimmen zwar das absolute Mehr erreichte, aber als überzählig ausschied. Klar abgeschlagen auf dem letzten Platz landete Urs Stettler, Kappel, mit 1084 Stimmen.
Ein Fragezeichen
Gemäss Wahlreglement darf innerhalb der einzelnen Wahlkreise keine Mehrheit bei der reformierten Landeskirche angestellt sein. Mit Pfarrerin Susanne Sauder, Pfarrer Thomas Maurer und Sozialdiakonin Gabriela Bregenzer ist dies aber offensichtlich der Fall. Gemäss dem Mediensprecher der reformierten Kirche des Kantons Zürich, Nicolas Mori, handelt es sich um eine Premiere, denn seit der Einführung dieser Bestimmung im Jahr 2010 ist erstmals in einem Wahlkreis eine Mehrheit kirchlicher Mitarbeitender in die Synode gewählt worden. Das Prozedere verläuft nun wie folgt: Innerhalb von fünf Tagen müssen alle sechs Kandidierenden, die das absolute Mehr erreicht haben, die Wahlannahme erklären. Dabei besteht grundsätzlich auch die Möglichkeit, die Anstellung bei der Kirche zu kündigen, damit dieser Ausschlussgrund bei der ersten Sitzung der Synode hinfällig ist. Konkret liegt es somit an Gabriela Bregenzer, sich zwischen zwei unvereinbaren Funktionen zu entscheiden: Bevorzugt sie die Arbeit in der Synode, ist sie gewählt, andernfalls gilt Hannes Tanner als gewählt, falls er die Wahl annimmt.
Unabhängig davon, ob nun Gabriela Bregenzer oder Hannes Tanner den fünften Sitz einnimmt: Das Argument der Verjüngung hat offensichtlich gezogen. An der Spitze liegt die jüngste Kandidatin, geboren 1981. Die beiden ältesten unter den sieben Bewerberinnen und Bewerbern für die fünf Sitze in der Synode mit den Jahrgängen 1949 und 1946 dagegen liegen am Schluss der Rangliste.
Die Stimmbeteiligung bei den Wahlen zur Synode belief sich auf 31 Prozent. Sie lag damit markant tiefer als bei den eidgenössischen Abstimmungen, an denen sich im Bezirk Affoltern 56 Prozent beteiligten – eine bemerkenswert hohe Zahl, vergleicht man mit 43 Prozent im kantonalen Durchschnitt. Die Mobilisierung, die zweifellos die Spitalabstimmungen zustande gebracht haben, wirkte sich somit zwar auf die eidgenössischen Vorlagen, nicht aber auf die Wahlen in die Synode aus.
Bekenntnis zum Fusionsprozess
Eine kirchenpolitische Stellungnahme gab vor den Wahlen namentlich Susanne Sauder ab: «Ich möchte das gelingende Zusammen-Wachsen von Kirchgemeinden unterstützen, um unserer reformierten Landeskirche einen überzeugenden und mutigen Start in die nächsten 500 Jahre zu ermöglichen: Dass wir im Kleinen weiterhin nahe bei den Menschen in unseren Gemeinden sind und im Grossen zeigen, dass wir in der Gesellschaft etwas zu sagen und für die drängenden Fragen unserer Zeit Sinnvolles beizutragen haben.» Auch Hans Streit bekannte sich ausdrücklich zum Fusionsprozess der Kirchen im Bezirk Affoltern. Die Resultate zeigen, dass diese Positionsbezüge von den Wählerinnen und Wählern positiv aufgenommen wurden.


