Take-away als neuer Trend

Das Bild am letzten Freitagabend auf dem Mettmenstetter ­Dorfplatz steht sinnbildlich für eine Diversifizierung in der Gastronomie, die sich schon vor der Coronakrise angebahnt hat. Sicher ist aber: Die klassischen Restaurantbetreiber können nicht ausschliesslich von Take-away-Angeboten leben.

Nicht alle Gastronomen trifft der Corona-Lockdown gleichermassen: Raffaelo Natales mobile Pizze finden auf dem Mettmenstetter Dorfplatz reissenden Absatz. (Bild Martin Platter)
Nicht alle Gastronomen trifft der Corona-Lockdown gleichermassen: Raffaelo Natales mobile Pizze finden auf dem Mettmenstetter Dorfplatz reissenden Absatz. (Bild Martin Platter)

Mit dumpfen Ton knattern zwei Harleys auf den Parkplatz beim Dorfbrunnen in Mettmenstetten. Es ist ein lauer Freitagabend und die Sonne steht bereits ziemlich tief über dem Horizont. Zwei Kunden mehr für Raffaelo Natale von der mobilen Pizzeria Pulcinella, der seinen Wagen auf dem Dorfplatz aufgestellt hat. Der Schornstein des Pizzaofens raucht und der Platz ist gut bevölkert. Ein feiner Duft des italienischen Nationalgerichts liegt in der Luft. Natale hat mit der Zubereitung der Pizze alle Hände voll zu tun, während seine Frau das Geschäftliche mit der bunten Kundschaft abwickelt. «Es läuft brutal», sagt der Affoltemer, der vor fünf Jahren mit seinem Take-away-Familienbetrieb angefangen hat und fügt an: «Der Lockdown hat uns in die Hände gespielt, aber auch das anhaltend schöne Wetter. So warten die Leute gerne auf ihre Pizza.»
Immer wieder beobachtet Natale, wie Wildfremde während des Wartens vor dem Wagen miteinander ins Gespräch kommen. Damit sich die Menschen nicht zu nahe kommen, hat der Pizzaiolo mit Trassierband und Abstandsmarken am Boden dafür gesorgt, dass die Abstandsregeln des Bundesamtes für Gesundheit eingehalten werden. «Das war Bedingung, um die Bewilligung von der Gemeinde zu erhalten. Die Idee ist, dass sich die Leute mit frischen Pizze eindecken, die sie dann zu Hause essen», erklärt Natale.

Die tote Zeit sinnvoll genutzt
Der weite Blick auf den Dorfplatz verrät den Ausnahmezustand, der durch das Coronavirus verursacht wurde. Vis-à-vis ist das Gartenrestaurant und die Laternen-Bar des Restaurants Rössli geschlossen. Ebenso die lauschige Gartenwirtschaft des «Spycher» und die des Restaurants Bahnhöfli, die am Freitagabend mit Sicherheit ebenfalls rege frequentiert worden wären. Die betroffenen Wirte nehmen es erstaunlich gelassen, haben die Zeit des Lockdowns produktiv genutzt, um aufgeschobene Wartungsarbeiten in ihren Gastronomiebetrieben auszuführen.
Ein ähnliches Bild zeigt sich auch in den anderen Dörfern des Säuliamts, dort, wo es überhaupt noch ein Restaurant gibt. Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Gastronomiebetriebe schon vor der Coronakrise mit einem Strukturwandel zu kämpfen hatten. Dank der raschen Bundeshilfe dürfte sich dieser nun trotz der ausserordentlichen Situation noch etwas verzögern.
Bei den ­Betroffenen ist man sich jedoch einig: Lange darf der Bundesrat mit seinem Lockdown-Ausstiegsfahrplan für die Gastronomie nicht mehr warten. Sorge bereitet auch das Danach, die Ungewissheit, wie lange es dauert, bis die Gäste wieder das Bedürfnis haben, sich auswärts bewirten zu lassen. Und ob Erlasse kommen, die keine Vollbesetzung der Gaststuben mehr zulassen. Dann würde es für viele schwierig werden. Entlassungen oder sogar Schliessungen würden wohl unausweichlich.
 

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