«Teure stationäre Leistungen durch günstige ambulante ersetzen»
Gesundheitsdirektor Thomas Heiniger legte in Affoltern seine Spitalpolitik offen. Auch wenn die Anzahl Patienten der Demografie entsprechend ansteigt, sollen in den Zürcher Spitälern bis 2020 nicht mehr Pflegetage anfallen.

«Im Schweizer Vergleich haben wir fitte, effiziente und gute Spitäler», durfte der Zürcher Gesundheitsdirektor Thomas Heiniger vergangenen Donnerstagabend seinem zahlreich im Affoltemer Mehrzwecksaal aufmarschierten Publikum mitteilen. Rund 70 Personen, darunter Kantons- und Bezirksräte, Gemeindepräsidenten und Spitalmitarbeitende waren der Einladung der Spital-Betriebskommission gefolgt, um sich über Spitallandschaft und Zukunftspläne des Spitals Affoltern informieren zu lassen.
Die Gesundheitsausgaben wachsen – und damit auch der Kostendruck. Dem will der Kanton entgegenwirken. Grundvoraussetzung ist eine Datenbasis, um die Fallkosten schweregradbereinigt vergleichen zu können. In der aktuellsten Ausgabe dieser Rangliste von 2015 belegte das Spital Affoltern einen Platz im oberen Mittelfeld. Also knapp in der Profitzone, denn als Messlatte dient das teuerste derjenigen Spitäler, die zusammen 40 Prozent der Patientinnen und Patienten am günstigsten behandelten. «Wer das nicht erreicht, der muss effizienter werden», so der Gesundheitsdirektor kompromisslos. Schliesslich will er die Kostensteigerung im Gesundheitswesen abbremsen. Heiniger verriet auch, wie das zu erreichen ist: Heute teure stationäre Leistungen sollen künftig durch günstige ambulante ersetzt werden – soweit es sich medizinisch machen lässt. So sollen Patienten nach Eingriffen etwa am Meniskus, wegen eines Leistenbruchs oder Karpaltunnelsyndroms künftig gleichentags nach Hause gehen. So sieht seine Bedarfsanalyse für 2020 trotz 7% mehr Patienten keinen Anstieg an Pflegetagen vor – und damit auch keinen Bedarf nach zusätzlichen Betten.
Grundidee bei der Planung der kantonalen Spitallandschaft ist eine sinnvolle Versorgung durch Leistungsgruppen – neben der Grundversorgung. Dadurch werden unnötige Verlegungen vermieden. So soll im spezialisierteren Bereich nicht jedes Spital von allem ein bisschen machen: «Was ich häufiger mache, das mache ich besser und günstiger», so Heiniger. Deshalb setzt er auch auf Minimalfallzahlen, will diese erhöhen und auf weitere Bereiche ausdehnen. Die Auswertungen zeigen, dass bei Minimalfallzahlen die Kosten weniger stark anstiegen und die Sterberate sowie die durchschnittliche Spital-Aufenthaltsdauer sanken.
Bei allen Diskussionen über Kosten und Effizienz darf die Qualität nicht leiden: Als entscheidenden Indikator dafür nennt Thomas Heiniger die Patientenzufriedenheit. Und die sei in den Zürcher Spitälern auf hohem Niveau. Lob gab es auch von alt Nationalrat Toni Bortoluzzi: Der Kanton Zürich sei führend in der Umsetzung der neuen Spitalfinanzierung.


