Trockenheit trifft nicht alle gleich
Während die Maisernte ungewiss ist, bringt die Trockenheit beim Gemüsebau auch Vorteile
Wie stark die Bauern im Säuliamt von der Trockenheit betroffen sind, hänge von verschiedenen Faktoren ab, sagt der Mettmenstetter Landwirt und Zürcher Bauernverbandspräsident Martin Haab. Allein die Lage der Anbauflächen sorge für Unterschiede: «In Hausen gab es vor Kurzem zweimal etwas Regen, während es in Mettmenstetten trocken blieb. Südlich ausgerichtete Flächen mit flachem, kiesigem Boden leiden besonders. Je näher das Land an der Reuss liegt, desto trockener ist der Boden.»
Entscheidend ist auch die Ausrichtung des Betriebs. Während die Getreideernte bereits abgeschlossen ist und gute Erträge brachte, sieht es beim Mais teilweise anders aus. Wer nicht im April, sondern erst Ende Mai angesät habe und im Winter auf grosse Mengen Futtermais angewiesen sei, müsse nun bangen: «Jetzt wäre die Phase, in welcher der Kolben ausgebildet wird. Dort sind später die Nährstoffe drin. Fehlt das Wasser, bleibt der Kolben klein.»
Natürlich können neben der Hitze auch andere Gründe zu Ernteausfällen führen: etwa Hagel. «Aber dann gibt es normalerweise die Möglichkeit, ein paar Kilometer weiter schönen Mais einzukaufen. Wenn ich heute Mais kaufen müsste, wüsste ich nicht, wo», sagt Haab. Der Zürcher und der Schaffhauser Bauernverband haben nun gemeinsam eine Online-Herbstfutterbörse für betroffene Betriebe lanciert.
Auf seinem eigenen Betrieb sei die Situation nicht so kritisch wie anderswo, sagt Haab: «Wir haben im Frühling viel gutes Futter produziert.» Dennoch schmerzt es auch ihn, tatenlos zuzusehen, wie der Mais verdorrt. Also schritt er vor einigen Tagen zur Tat: Aus einer nahe gelegenen Baugrube durfte er Grundwasser abschöpfen. Während drei Tagen karrte er das Wasser mit dem Güllenfass an den höchstgelegenen Punkt seines Maisfelds und goss es aus. «Aber das ist natürlich nur ein Tropfen auf den heissen Stein.» Deshalb hofft Haab nun auf einen schönen Herbst, um einen Teil der Ernte noch kompensieren zu können. «Im gesamtschweizerischen Vergleich sind wir im Säuliamt eher noch auf der besseren Seite», so Haabs Bilanz zur aktuellen Situation. «Aber das ist für mich kein Trost.»
Keine Fäulnis, keine Pilzerkrankungen
Und wie fällt Timon Mosers Zwischenbilanz zur bisherigen Erntesaison aus?
«Bis jetzt läuft es nicht so schlecht», sagt der Obfelder Gemüsebauer. Zwar zehre der Aufwand für die Bewässerung an den Kräften, «aber ich bin ja noch jung, motiviert und arbeite gern». Und Moser sagt auch: «Wenn es so lange geregnet hätte, wie es jetzt bereits schön war, hätten wir das grössere Problem.»
Ist der Boden ständig feucht, verfault das Gemüse, oder Pilzerkrankungen breiten sich aus. Auch für das Anpflanzen sind die Zeitfenster dann sehr klein. Die aktuelle Trockenheit macht ihn im Alltag flexibler, weil er gewisse Arbeiten auch mal auf den nächsten Tag verschieben kann. Und: Das Gemüse wird weniger dreckig.
Dank der Bewässerung sind seine Ernteausfälle im Vergleich zu anderen Jahren bisher überschaubar geblieben: Ein Satz Salat (das sind etwa 12000 Stück) und zwei Sätze Fenchel sind eingegangen. Zwar rechnet Timon Moser damit, dass sein Gemüse in diesem Jahr etwas kleiner ausfällt. Hingegen dürfte es gut lagerbar sein. Und: «Ich hatte dieses Jahr noch keine Hagelschäden. Das ist natürlich auch etwas wert.»








