Überschüsse in Rechnung und Ehrungen
Wettswil: Sowohl die politische als auch die Schulgemeinde hat im Jahr 2025 besser gewirtschaftet als budgetiert
Gerade einmal 53 Stimmberechtigte (dies entspricht 1,4 Prozent der Stimmbevölkerung) waren im Aegertensaal anwesend, als am Montag dieser Woche die Wettswiler Gemeindeversammlung über die Bühne ging. Zum mässigen Interesse haben sicher nicht nur das schöne Wetter und die laufende Fussball-Weltmeisterschaft beigetragen, sondern auch das jeweils einzige Traktandum, das bei der politischen Gemeinde wie auch bei der Schulgemeinde zur Abstimmung stand. Die Zahlen in den zu bewilligenden Jahresrechnungen waren dabei so positiv, dass sie quasi mit der Sonne um die Wette strahlten. Gemeindepräsidentin Katrin Röthlisberger begrüsste die Anwesenden und nutzte die Gelegenheit, dem Saal auch noch den neu gewählten Gemeinderat Roman Ackermann vorzustellen, der am 1. Juli sein Amt antreten wird. «Das nächste Mal darf er dann hier oben auf der Bühne Platz nehmen», meinte Röthlisberger scherzhaft.
Es folgten die Ausführungen von Finanzvorständin Sarah Willimann zur Jahresrechnung 2025, die der Gemeinderat in seiner Sitzung vom 30. März zuhanden der Gemeindeversammlung verabschiedet hatte. Die Erfolgsrechnung der politischen Gemeinde zeigt einen Ertragsüberschuss von 2.281 Millionen Franken gegenüber einem budgetierten Aufwandüberschuss von 1.127 Millionen, was einer Abweichung von 3.408 Millionen Franken entspricht. «Was hat nun also zu diesem besseren Ergebnis geführt?», fragte Gemeinderätin Willimann rhetorisch, um dann darzulegen, dass im Jahr 2025 die schwer prognostizierbaren Grundstücksgewinnsteuern den Ausschlag zu dem weit über den Erwartungen liegenden Resultat gegeben hätten. Im Jahr zuvor hatte es ebenfalls einen Überschuss gegeben, damals waren aber die höher als budgetiert ausgefallenen Einnahmen bei den Gemeindesteuern dafür verantwortlich. Die Finanzvorständin ging auch auf einzelne Posten der Erfolgsrechnung ein. «Die Kesb hat erstaunlicherweise besser abgeschnitten, als wir es budgetiert hatten», stellte sie fest. Dies könne jedoch nicht als Signal einer Entspannung in diesem Bereich verstanden werden, man habe es mit mehr schweren Fällen zu tun, und auch die Fallzahlen insgesamt gingen nach oben. Angesichts der komplexer werdenden Situation könne man von Glück sprechen, dass 2025 nun als «günstiges» Jahr in die Erfolgsrechnung eingegangen ist. Bei der Vorstellung der Bilanz/Jahresrechnung erwähnte Sarah Willimann, dass die Rückzahlung von Schulden durch die Primarschule in den Zahlen enthalten sei.
Noch nicht alle Infrastruktur-vorhaben sind vollständig umgesetzt
Die Gemeinde konnte nicht alle geplanten Investitionen umsetzen, weshalb die Ausgaben in der Investitionsrechnung tiefer ausgefallen sind als budgetiert. Dies habe unter anderem damit zu tun, dass Vorhaben wie zum Beispiel der neue Streethockeyplatz sowie die Umrüstung der Beleuchtung im öffentlichen Raum auf LED-Technik noch nicht vollständig umgesetzt worden seien. Der Lift im Türmlihaus und die neue Weihnachtsbeleuchtung seien günstiger ausgefallen als erwartet. Die finanzpolitischen Ziele, die sich Wettswil für die Jahresrechnung 2025 gesetzt hatte, sind beim Gesamtsteuerfuss, der im besten Fünftel des Kantons liegen sollte, und beim Selbstfinanzierungsanteil erreicht worden. Einzig beim Nettovermögen je Einwohner, das man sich innerhalb der Bandbreite von 0 bis 2000 Franken gewünscht hatte, wurde das gesetzte Ziel mit einer Ist-Situation von 5280 Franken verfehlt. Auf die Frage eines Anwesenden, wie denn das im Bereich Kultur/Sport ausgewiesene Budget verteilt werde, erklärte Sarah Willimann, dass die Gemeinde rund 250000 Franken für den Sportplatz Moos ausgebe – inklusive Abschreibungen. Ebenso sind in dieser Position die Kosten für die Bibliothek (diese gehört zu 50% der Gemeinde und zu 50% der Primarschule) und auch die Unterstützung der Vereine enthalten. Im Falle des Sportplatzes Moos beteiligten sich auch Bonstetten und Stallikon anteilmässig an der Finanzierung. Des Weiteren wurde die Forderung in den Raum gestellt, dass man dem 40er-Fest eine Defizitgarantie geben solle. Momentan betrage der Gemeindebeitrag für das Fest 5000 Franken. Bereits nach einer guten halben Stunde konnte im Saal über die Jahresrechnung der politischen Gemeinde abgestimmt werden, die Vorlage wurde von den anwesenden Stimmberechtigten einstimmig gutgeheissen.
Fast eine Million wurde von der Schule zurückbezahlt
Bei der Gemeindeversammlung der Primarschule Wettswil zeigte sich ein ähnliches Bild wie an jener der politischen Gemeinde. «Auch unsere Rechnung schliesst deutlich besser als budgetiert», schickte der abtretende Schulpräsident Roger Schmutz voraus, und Finanzvorständin Franziska Bieri erläuterte einige Details zu den ausgewiesenen Zahlen. Sie begann ihre Ausführungen humorvoll mit einer kleinen Anekdote, die treffend auf den Punkt bringt, wie sich die finanzielle Situation der Primarschulgemeinde darstellt. «Jemand von der Revisionsgesellschaft hat unlängst die Bemerkung gemacht, dass unsere diesjährige Jahresrechnung ein langweiliger Fall wäre», erklärte sie. «Im ersten Moment fand ich diese Aussage fast ein wenig beleidigend, doch dann wurde mir bewusst, dass es ja beispielsweise kein gutes Zeichen ist, wenn man von seinem Arzt erfährt, dass man für ihn als Patient beziehungsweise Patientin ein interessanter Fall ist.» Bezüglich der Erfolgsrechnung wies Franziska Bieri darauf hin, dass es – abgesehen von den Mehreinnahmen im Steuerbereich und dem Mehraufwand beim Ressourcenausgleich – zu keinen weiteren signifikanten Abweichungen in Bezug auf das Budget kam. Bei der Bilanz sei die Tatsache hervorzuheben, dass fast eine Million Franken an die politische Gemeinde zurückbezahlt werden konnte. Es handle sich hier um Verpflichtungen, die auf den Schulhausbau Aegerten im Jahr 2017 zurückgingen. Eine Diskussion zur Jahresrechnung wurde von den Stimmberechtigten nicht verlangt, und bei der Abstimmung resultierte ein eindeutiges Mehr für die Vorlage.
Emotionale Verabschiedungen von Amtsträgern
Diese frühsommerliche Gemeindeversammlung wurde auch von der emotional anrührenden Verabschiedung von zwei langjährigen Amtsträgern geprägt. Zum einen betraf dies den Präsidenten der Rechnungsprüfungskommission (RPK), Christian Gräub. Er war im Jahr 2010 in dieses anspruchsvolle Amt gewählt worden. Gemeindepräsidentin Katrin Röthlisberger dankte ihm für den langjährigen Einsatz und betonte, dass allen im Gemeinderat bewusst sei, was ein solches Amt bedeute und was er in all den Jahren geleistet habe. Ebenfalls verabschiedet wurde Schulpräsident Roger Schmutz, er hatte 16 Jahre im Dienst der Schulpflege gestanden. «Es ging dir nicht darum, die Schule einfach nur strategisch zu führen, du wolltest sie zum Wohle der Schülerschaft gestalten», meinte Schulpfleger Matthias Gretler in seiner Verabschiedungsrede. Roger Schmutz habe sein Amt mit überaus viel Herzblut ausgeführt und ein riesiges Engagement an den Tag gelegt. Man werde ihn in Zukunft im Gremium schmerzlich vermissen.








