Und plötzlich war er Influencer
Als Kind kam Marco Pereira aus Portugal ins Bündnerland. Er ist dankbar, in der Schweiz seine Ausbildung genossen zu haben. Vor einem Jahr begann er, Filme von Landschaften auf sozialen Medien zu veröffentlichen. Nun hat er 2,1 Millionen Followers auf Instagram und 3,7 Millionen auf TikTok.

Marco Pereira ist ein typischer Secondo, ein Sohn von Migranten, der seit vielen Jahren in der Schweiz lebt. Seine Eltern kamen in die Schweiz und arbeiteten hart, der Vater auf dem Bau, die Mutter im Verkauf, um ihren Kindern ein «besseres Leben» zu ermöglichen. Ihre beiden Kinder mussten sie einige Jahre bei den Grosseltern in Portugal zurücklassen, bis sie sie nachkommen lassen konnten.
Secondas und Secondos sagt man nach, dass sie im Vergleich mit Schweizern beruflich erfolgreicher sind. «Ich bin zuverlässig, ehrgeizig und ein Perfektionist. Wenn ich etwas mache, tue ich es mit Leidenschaft, bleibe dran und ziehe es durch», beschreibt er sich selbst.
Filmen mit dem Handy
Nach einer Lehre als Sanitärinstallateur EFZ bildete sich Marco Pereira zum Rohrnetzmonteur BP weiter und ist heute als Fachmann für den Bau, Unterhalt und Betrieb von Gas- und Wasserleitungsnetzen tätig. Er überwacht die Arbeiten auf der Baustelle und führt Sicherheitskontrollen durch. Einmal im Monat hat er am Wochenende Pikettdienst. An den freien Samstagen gilt es für ihn und seine Lebenspartnerin, mit dem Auto loszufahren, um schöne Orte in der Schweiz zu fotografieren und mit dem Handy kleine Filme von rund 10 Sekunden Länge zu drehen. Diese stellt er dann bei TikTok und bei Instagram ins Netz.
Instagram ist ein soziales Netzwerk, wo Videos und Fotos geteilt werden. Nutzer können ihre Fotos und Videos bearbeiten und Posts für alle Followers oder Befreundete sichtbar machen. Instagram wird durch Werbung finanziert. Es bestehen Diskussionen und Untersuchungen über Auswirkungen solcher Plattformen auf die Nutzenden.
TikTok ist ein Videoportal, das Kurzvideos zeigt, Funktionen eines sozialen Netzwerks anbietet und von einem chinesischen Unternehmen betrieben wird. Im Juli 2021 lag TikTok mit 63 Millionen Downloads vor Facebook und WhatsApp. Insgesamt wurde die App drei Milliarden Mal heruntergeladen.
Freude am Vermitteln
Eine Studie zeigte aber beispielsweise eine positive Beziehung zwischen Extraversion, Lebenszufriedenheit, sozialer Unterstützung und Instagram-Mitgliedschaft auf. Andere Studien belegen, dass Menschen, welche die sozialen Medien nutzen, weniger Einsamkeitsgefühle haben.
Marco Pereira wurde durch seine Aktivitäten auf Instagram und TikTok motiviert, immer mehr schöne Ecken der Schweiz zu erkunden und seine Freude über die schönen Landschaften mit vielen anderen zu teilen. Dass seine Fotos gut ankommen, beweisen die Klickzahlen. Klicks bezeichnen die Beliebtheit einer Webseite oder eines Beitrags auf den sozialen Medien. Dazu wird im Internet gemessen, wie oft eine Seite aufgerufen wird. Eines der Videos von Marco Pereira hat bereits 208 Millionen Aufrufe und mehr als 9,5 Millionen Likes. Mit einem Like bringen Nutzer sozialer Netzwerke zum Ausdruck, dass ihnen etwas gefällt.
Auf TikTok hat er unter swiss-beautiful 3,7 Millionen Followers, Menschen, die ihm folgen, die seinen Kanal abonniert haben. Je mehr Followers eine Person auf TikTok & Co. haben, desto mehr Menschen lesen und sehen ihre Nachrichten und Videos. Haben sie so hohe Zahlen wie Marco Pereira heute, nennt man Sie Influencer – die heute zu richtigen Berühmtheiten werden, von ihren Followern Post erhalten und mit ihren Auftritten im Internet Geld verdienen können.
Influencer
Marco Pereira reiste vor Kurzem auf Einladung von Valser Wasser ins Bündnerland, ein erster kommerzieller Auftrag. Man wurde auf ihn aufmerksam und will nun seine swiss-beautiful-Posts nutzen, um auf sich und auf Produkte aufmerksam zu machen. So können Influencer aus ihrem Hobby einen «Beruf» machen und viel Geld verdienen.
So weit ist Marco Pereira aber noch nicht, er liebt seinen Beruf als Rohrnetzmonteur und wird weiterhin lediglich seine Freizeit nutzen, um auf Schweizer Landschaften aufmerksam zu machen. Warum er so schnell so viele Follower gewinnen konnte? Marco Pereira weiss es nicht. Er ist konstant daran, Fotos und Videos zu veröffentlichen, und setzt auch eifrig Hashtags (aus dem englischen «hash» für das Schriftzeichen Doppelkreuz, #, und «tag» für Markierung). Diese Hashtags dienen dazu, Nachrichten mit bestimmten Inhalten oder zu bestimmten Themen in sozialen Netzwerken auffindbar zu machen.
Marco Pereira hätte gern mehr Zeit, seiner Leidenschaft für Landschaften nachzugehen. «Ich bleibe dran, ich bin überzeugt, dass man alles erreichen kann, wenn man will und sich einsetzt.» Die unzähligen Rückmeldungen seiner Fans motivieren ihn. «Ich denke, ich habe das schnellste Wachstum auf Instagram in der Schweiz. Und sogar auf TikTok muss auch ich einer der wenigen Influencers sein, die so viele Klicks auf ein Video haben. Mein Erfolg freut mich, wird mich aber nicht verändern. Ich liebe es, Schweizer Landschaften zu filmen, und es war nie mein Fokus, diese Zahlen zu haben. Meine Leidenschaft sind wirklich die Landschaften!»
Instagram: @swiss.beautiful_ Tiktok: swiss_beautiful.


