Unerwarteter Ausgang der Gemeindeversammlung in Obfelden
Statt der erwarteten Routine manifestierte sich ein folgenreiches Problem mit der Jahresrechnung 2025
Ein durch die Rekordwärme aufgeheizter Singsaal im Schulhaus Chilefeld, dessen schweisstreibendem Raumklima auch mit dem Einsatz von Ventilatoren nicht beizukommen war, und ein in Kürze beginnendes Spiel der Schweizer Nationalmannschaft bei der Fussball-Weltmeisterschaft in Nordamerika. Unter diesen Vorzeichen versammelten sich die politisch engagierten Stimmberechtigten Obfeldens am Mittwochabend letzter Woche zur Sommer-Gemeindeversammlung. Die geschilderten Faktoren liessen die Erwartung aufkommen, dass dies eine im Eilzugstempo durchzuziehende Routine-Veranstaltung werden würde.
Bei der vorgeschalteten Gemeindeversammlung der Sekundarschule Obfelden-Ottenbach ging diese Idealvorstellung auf, Schulpräsident Jure Batur konnte eine Rechnung präsentieren, bei der die Zahlen in den meisten Punkten ziemlich nahe am Budget lagen. Beim Aufwand stellte Batur sogar fest, dass das Ergebnis «punktgenau wie budgetiert» ausgefallen sei. Der Ertragsüberschuss von 629085 Franken in der Erfolgsrechnung werde dem Eigenkapital gutgeschrieben, erklärte der Schulpräsident. Ohne dass zuvor Fragen oder Anmerkungen eingebracht worden wären, wurde die Jahresrechnung 2025 von den Stimmberechtigten gutgeheissen.
Eine IT-Umstellung hat die Buchhaltung entgleisen lassen
Die Gemeindeversammlung der politischen Gemeinde Obfelden begann mit der Vorstellung der drei neugewählten Gemeinderäte, die ihr Amt im Juli antreten werden. Damit war der erfreuliche Teil der Veranstaltung schon weitgehend vorüber, denn als der abtretende Gemeinderat und Finanzvorstand Christoph Kobel die Bühne betrat, verriet bereits seine Miene, dass er nicht nur gute Nachrichten zu verkünden hatte. «Es war kein normales Jahr, es war ein stressiges Jahr, und so ging es auch im 2026 weiter», kam er gleich auf die Probleme zu sprechen. Es folgte die Schilderung einer Kette von Ereignissen, die Obfelden in eine unangenehme Lage gebracht haben. Die Umstellung auf ein neues IT-System sei der Ausgangspunkt der Schwierigkeiten gewesen, es sei in der Folge zu Verzögerungen bei Buchungen gekommen, erfuhren die 95 im Saal anwesenden Stimmberechtigten. Im weiteren Verlauf habe dann der Abteilungsleiter Finanzen seine Kündigung eingereicht, sodass die Gemeinde Ende Januar 2026 ohne Finanzchef dastand, bei einer gleichzeitig sehr herausfordernden Situation bei der Buchhaltung. «Es herrscht Zeitdruck bei der Erstellung einer Jahresrechnung, diese muss jeweils noch von einer externen Revisionsstelle geprüft werden, und in unserem Fall der Rechnung 2025 zeigte sich, dass der Revisionstermin nicht mehr zu halten war», erklärte Christoph Kobel. Es sei schwer gewesen, überhaupt noch einen neuen Termin zu finden, weil die Revisionsunternehmen zu Jahresbeginn immer sehr ausgelastet seien. Was auf die quasi in letzter Sekunde doch noch durchgeführte Prüfung folgte, schilderte der Präsident der Rechnungsprüfungskommission, Ralph Kleiner. «Wir erfuhren von der Revisionsstelle, dass diese Rechnung nicht genehmigt wird. Die Abweichungen werden nicht massiv sein, aber es sind fehlerhafte Buchungen enthalten. Deshalb ist es unser Antrag, die Rechnung nicht anzunehmen.»
Das Ergebnis an sich wäre sehr positiv
Bevor es zur Abstimmung kam, stellte Finanzvorstand Kobel die (wegen der beschriebenen Umstände nicht bis ins Detail belastbaren) Zahlen vor. Die Jahresrechnung 2025 zeigt demnach eine erhebliche Abweichung nach oben gegenüber dem Budget. Diese Differenz rührt hauptsächlich von den auch in Obfelden massiv angestiegenen Grundstücksgewinnsteuern her. «Es ist schlichtweg verrückt, wie diese Grundstücke gehandelt werden, ich nehme an, dies wird auch im laufenden Jahr wieder so sein», resümierte der langjährige Gemeinderat. Beim Blick auf einzelne Ressorts gab es im Gesundheitsbereich einige interessante Aussagen, so würden die Menschen jetzt eher wieder in ein Pflegeheim einziehen, während in der Zeit der Corona-Pandemie eher Spitexleistungen bezogen worden seien. Stark nach oben gingen gleichzeitig die Leistungen für pflegende Angehörige, und zwar in einem Ausmass, wie es «vermutlich nicht vorgesehen» sei. Firmen wie etwa «Pflegewegweiser» erlebten dadurch einen regelrechten Boom. Budgetabweichungen gebe es auch im Verwaltungsvermögen, der Aufwand sei tiefer ausgefallen als budgetiert. Dies, weil nicht alle Investitionen so schnell hätten umgesetzt werden können, wie dies ursprünglich geplant war.
Der Souverän weist die Rechnung zurück
«Für uns als Gemeinderat ist es völlig nachvollziehbar, dass die Rechnungsprüfungskommission Ihnen nun empfiehlt, diese Jahresrechnung nicht anzunehmen», liess Gemeindepräsident Stephan Hinners die Stimmberechtigten im Saal wissen. «Wir stehen vor einer ausserordentlichen Situation und müssen nun gemeinsam neu über die Bücher», so sein Fazit in diesem Moment. Eine Rechnung gutzuheissen, die nicht korrekt sei, entspreche auch nicht seinem persönlichen Qualitätsanspruch. Bei der Abstimmung wurde dem Rückweisungsantrag des Gemeinderats dann mit acht Gegenstimmen grossmehrheitlich zugestimmt. Die Korrekturen an der Jahresrechnung 2025 sollen nun im Verlauf dieses Jahres erfolgen, sodass die Rechnung an der Gemeindeversammlung vom 2. Dezember erneut dem Souverän vorgelegt werden kann. Kurz vor der Abstimmung waren noch einige Fragen aus dem Saal beantwortet worden. So erkundigte sich etwa ein Stimmberechtigter nach den Mehrkosten, die nun durch die Situation mit der Buchhaltung entstehen würden. «Ich kann Ihnen hier noch keine Zahlen nennen, aber es sind sicher mehr als fünfzig Stellenprozente, die dazugekommen sind», antwortete Christoph Kobel. «Aber um welchen genauen Betrag es hier auch geht, wichtig ist, dass wir wieder eine ordentliche Buchhaltung haben», machte er klar. In dieselbe Kerbe schlug auch Gemeindepräsident Hinners: «Wir mussten Manpower einstellen, denn externe Experten sagen, dass es nicht einfach werden wird, diese Sache wieder in Ordnung zu bringen.»






