Urs Huber wird Rekordsieger an der Crocodile Trophy
Als erster Fahrer in der 24-jährigen Geschichte der Crocodile Trophy kann Urs Huber in Port Douglas zum fünften Mal das Gesamtklassement der Achtetappenfahrt gewinnen. Auf dem vorletzten Teilstück hätte dies ein Känguru jedoch beinahe vereitelt.

Nach acht Tagen und einer Rennzeit von 27:38:30 Stunden stand Urs Huber als Rekordsieger in Port Douglas fest. Bis zuletzt duellierte sich der 33-Jährige mit seinem früheren Teamkollegen Konny Looser, der nach den ersten beiden auch die Schlussetappe gewann und im Gesamtklassement schliesslich Zweiter wurde. Als Dritter erklomm der Wahlluxemburger Sören Nissen das Podium. Bei den Frauen war die Australierin Sarah White zum zweiten Mal die Schnellste. Sie benötigte 36:10:25 Stunden für den Parcours, der durch den australischen Bundesstaat Queensland führte.
Huber beanspruchte bei seiner Siegfahrt auch Glück. Kurz nach dem Start der sechsten Etappe machte er unliebsame Bekanntschaft mit einem kleinen Känguru. «Wir fuhren auf einer Schotterstrasse. Links und rechts war nur Steppe. Plötzlich sah ich ein kleines Känguru, dass durch uns aufgeschreckt wurde. Es sprang in grossen Sätzen direkt auf mich zu. Es ging blitzschnell. Ich hatte keine andere Chance, als einfach zu hoffen, dass es irgendwie abdreht oder bremst. Doch es sprang direkt auf die Strasse. Und schon knallte es mir direkt von links ins Hinterrad.» Der Stoss habe ihn derart stark versetzt, dass er das Gleichgewicht verlor und auf der rauen Schotterstrasse stürzte.
Die Rennaufgabe bereits vor Augen
«In dem Moment befürchtete ich schon das Aus. Doch ausser einem kleinen Kratzer an Knie und Ellbogen war ich in Ordnung. Auch das Känguru schien mit einem Schrecken davongekommen zu sein, denn es hüpfte in grossen Sätzen weiter. Einzig das Bike hatte am Hinterrad eine Acht abbekommen, war aber noch fahrbar. Ich musste jedoch den Hinterreifen nachpumpen. Fairerweise haben meine Kollegen aus der Spitzengruppe gewartet. So fuhr ich kurz darauf weiter, als sei nichts geschehen. Ich hatte allerdings riesiges Glück. Hätte das Känguru mich angesprungen, wäre die Sache wohl nicht so glimpflich ausgegangen», beschreibt Huber die ungewöhnliche Szene.
Die verbleibenden beiden Teilstücke verliefen ohne Zwischenfälle. Huber wusste, dass sein früherer Teamkollege Looser nichts zu verlieren hatte und behielt ihn stets im Auge. Doch auch Looser, der zum ersten Mal an der Crocodile Trophy startete, hatte nach den Strapazen in den Vortagen nicht mehr die beste Beinkondition. Erst fünf Kilometer vor dem Ziel in Port Douglas, als es auf die Schlussabfahrt zuging, griff der Hinwiler nochmals an. Huber wusste, dass er den Gesamtsieg hatte und überliess ihm den Etappensieg.
Die Komfortzone verlassen
Was reizt Huber eigentlich an diesem Rennen in der Wildnis auf der anderen Seite der Welt? Er sagt: «Während ich mich sonst auf den Support von meinem Team verlassen kann, bin ich an der Crocodile Trophy auf mich alleine gestellt und muss mich den Umständen anpassen. Das Leben im Zelt, das Essen aus der Feldküche, die kalte Dusche aus dem Gartenschlauch bedeuten Komfortfaktor Null. Das verlangt umso mehr Willen.» Er ist überzeugt, dass ihn diese Erfahrungen in der Wildnis weitergebracht haben. «Das hilft mir, mit anderen unvorhergesehenen Situationen während der normalen Saison besser zurechtzukommen.» Huber findet, es schade niemandem, die eigene Komfortzone hin und wieder zu verlassen.


