«Verhaltener Optimismus» ist angebracht

UBS-Chefökonom Dr. Daniel Kalt liess die Ämtler Arbeitgeber vergangenen Mittwoch in Rifferswil einmal mehr an seinem Fachwissen teilhaben. In der Schweiz geht er von einem «lauwarmen Wachstum» aus – warnt aber vor politischen Unsicherheiten im System.

Am Arbeitslunch im «Schwiizer Pöschtli», Rifferswil: Dieter Greber (links), Präsident des Arbeitgeberverbands Bezirk Affoltern, und UBS-Chefökonom Daniel Kalt. (Bild Thomas Stöckli)
Am Arbeitslunch im «Schwiizer Pöschtli», Rifferswil: Dieter Greber (links), Präsident des Arbeitgeberverbands Bezirk Affoltern, und UBS-Chefökonom Daniel Kalt. (Bild Thomas Stöckli)

«Wenn Frau Le Pen kommt, dann vergessen Sie meine Ausführungen», meinte Daniel Kalt nach einer guten halben Stunde Wirtschaftsrückblick und -ausblick. Es war das politische Geschehen, das die Börsen in jüngster Vergangenheit immer wieder in Aufruhr versetzt hat: Erst der Brexit-Schock, dann der Trump-Schock. Dieses Jahr blickt mancher Anleger mit Skepsis auf die Wahlen in den Niederlanden. Auch dort hatten isolationistische Kräfte zuletzt Aufwind. Als «kritische Knacknuss» bezeichnete Daniel Kalt die Wahlen in Frankreich: Dort strebt genannte Marine Le Pen den «Frexit» an.

Im kommenden Jahr rechnet Kalt in der Schweiz mit einem «lauwarmen Wachstum» – etwas mehr als die EU, aber deutlich weniger als die USA. Dort blicken die KMU geradezu euphorisch in die Zukunft mit Trump. Nicht mit dem Wirtschaftswachstum mithalten kann in der Schweiz die Anzahl der Beschäftigten. Da beschränke sich der Zuwachs seit dem Franken-Schock aufs Sozialsystem und die Verwaltung, so Kalt. Als Folge davon verliere die Schweiz für Zuwanderer an Attraktivität. «Mit dieser Verlangsamung erledigt sich die Masseneinwanderungsinitiative von allein», meinte Kalt.

Negativzins als «Systemkiller»

Fast 50 Ämtler Arbeitgeber folgten im Saal des «Schwiizer Pöschtli» den Ausführungen des UBS-Chefökonomen – «dieses Interesse spricht für den Referenten», so Dieter Greber, Präsident des Arbeitgeberverbands Bezirk Affoltern. Daniel Kalt erwartet 2017 eine Beschleunigung der Weltwirtschaft. Das werde sich auch auf die Gewinne der Unternehmen in der Schweiz auswirken. Seine Prognose, ein Plus von 5%, schränkte er allerdings sogleich ein: Aufgrund der politischen Unsicherheiten im System könne es auch wieder Rückschläge geben.

Ein Übel – insbesondere für Pensionskassen und Sparer – ist und bleibt vorerst die Zinskurve im negativen Bereich. «Das killt das System», so Kalt. Den Brexit sieht er allerdings als möglichen Wendepunkt. Der wird auch dringend erwartet: Bei Null-Zins frisst die steigende Inflation in den Industrieländern nämlich die Kaufkraft weg. Durch neue Schutzzölle, wie sie protektionistische Kräfte in verschiedenen Staaten einzuführen gedenken, könnte sich dieser Effekt dort noch akzentuieren. Sorgen bereiten auch die Immobilienmärkte: Leerstände nehmen zu und insbesondere Verkaufsflächen sind bereits massiv unter Druck.

Entlastung Euro-Franken-Kurs

Aufwind prophezeit der UBS-Chefökonom dafür an der Währungsfront. So soll der im Vergleich zum US-Dollar aktuell massiv unterbewertete Euro gegen Mitte Jahr anziehen. Das dürfte auch den Euro-Franken-Kurs entlasten. In sechs Monaten erwartet Kalt den Kurs bei 1.12, Tendenz weiter steigend – sofern die Wahlen in Frankreich keine Überraschung bringen. Auffällig ist, dass die SNB keinen Euro-Franken-Kurs zu verteidigen, sondern auch den US-Dollar einzubeziehen scheint.

Als wegweisende politische Themen der nahen Zukunft nannte Daniel Kalt nebst der Unternehmenssteuerreform III die Altersvorsorge 2020: «Wenn diese Reform nicht gelingt, droht das Drei-Säulen-System zu kollabieren», warnte er.

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