Viele Wünsche und wenig Geld
Mehr Fahrgäste, Verkehrsverlangsamung und wenig Spielraum

Die Mittel für den Ausbau des Ämtler Postautonetzes sind knapp. Dennoch stiessen zahlreiche Wünsche der Gemeinden im Hinblick auf das Fahrplanverfahren 2027/28 bei den Delegierten der Regionalen Verkehrskonferenz RVK auf Zustimmung. Geleitet wurde die RVK von Gaby Noser Fanger, Präsidentin der Zürcher Planungsgruppe Knonaueramt ZPK und Gemeindepräsidentin von Ottenbach.
Die Zahlen stimmen: Jährlich zählen die öffentlichen Verkehrsmittel im Knonauer Amt mehr Fahrgäste – 2023 belief sich deren Zahl auf 7,5 Millionen, 2024 auf 7,9 Millionen und 2025 bereits auf 8,3 Millionen. Damit lag die Zahl um mehr als eine Million über dem Vor-Pandemie-Niveau von 2019. Kein Wunder, dass mit mehr Fahrgästen das Bedürfnis nach Angebotserweiterungen steigt. Demgegenüber hat das Bundesamt für Verkehr beschlossen, sich vorderhand nicht mehr an neuen Ausbauprojekten zu beteiligen, was den ZVV jährlich rund eine Million Franken kostet. Entsprechend begrenzt sind die Ausbaumöglichkeiten.
Das eidgenössische Parlament hat den Ausbauschritt «STEP 2035» mit grossen Angebotserweiterungen bei der Zürcher S-Bahn beschlossen. Dazu gehören namentlich ein Spurausbau zwischen Zürich und Winterthur und die Erweiterung des Bahnhofs Stadelhofen. Die absehbaren Mehrkosten von «STEP 2035» führten zu einer Überprüfung der noch nicht begonnenen Ausbauschritte im Rahmen des Projektes «Verkehr ’45».
Verschiedene Zielkonflikte
Ein Problem, mit dem der öffentliche Strassenverkehr konfrontiert ist, sind Tempo-30-Zonen. Dies führt zu Zielkonflikten, denn die Verlangsamung des privaten Strassenverkehrs soll nicht nur die Verkehrssicherheit erhöhen und die Lärmbelastung senken, sondern auch das Umsteigen auf öffentliche Verkehrsmittel vorantreiben. Doch diese werden durch entsprechende Massnahmen ebenfalls gebremst, was insbesondere bei den Zuganschlüssen zu Problemen führt.
Das kantonale Gesetz über den öffentlichen Personenverkehr, das per 1. Januar 2026 in Kraft getreten ist, verlangt nun, dass bauliche Massnahmen und Verkehrsanordnungen auf Staats- und Gemeindestrassen so zu gestalten sind, «dass sie den öffentlichen Verkehr nicht verlangsamen». Die Stadt Zürich hat beim Bundesgericht gegen den Beschluss zur Änderung dieses Gesetzes Beschwerde eingereicht, weil sie der Verlangsamung des Verkehrs im Gegensatz zum Kanton Priorität einräumt, doch verweigerte das Gericht der Beschwerde eine aufschiebende Wirkung.
Der Zürcher Verkehrsverbund ZVV sieht sich bei Verlangsamungen des Verkehrs oft mit Mehrkosten konfrontiert und will daher gemäss dem revidierten Gesetz entsprechende Massnahmen vermeiden. Er strebt eine Entschädigung durch die Strasseneigentümer an, konkret durch die Gemeinden oder den Kanton, wenn Massnahmen getroffen werden, die den Busverkehr verlangsamen.
Interessanter Kompromissvorschlag
Céline Wüst vom ZVV erläuterte die Kosten, die Ausbaumassnahmen erfordern. So koste ein zusätzlicher ganztägiger Kurs mit einem Gelenkbus etwa eine Million Franken im Jahr, einer während der Hauptverkehrszeiten ein Drittel dieses Betrags, lediglich am Abend ab 20 Uhr ein Viertel davon. Angesichts dieser Beträge und der vielen Begehren der Gemeinden müsse priorisiert und etappiert werden, denn es könne nicht alles gleichzeitig umgesetzt werden.
Die Delegierten versuchten ihrerseits, durch die Priorisierung einer grösseren Zahl von Begehren zusätzlichen Druck für einen Ausbau aufzubauen. Ob dies tatsächlich Wirkung zeigt, ist angesichts des bescheidenen Betrags von 480000 Franken, der für Ausbaumassnahmen in der Fahrplanperiode 2027/28 zur Verfügung steht, fraglich, umso mehr, als die – bereits überdurchschnittlich weit fortgeschrittene – Elektrifizierung der Busse ebenfalls mit diesem Betrag finanziert werden muss.
Wie komplex die Verzahnung der verschiedenen Linien ist, zeigt das folgende Beispiel: Die zeitweise Verlängerung der Linie 227 als Linie 205 nach Islisberg hat zur Folge, dass verschiedene Haltestellen in dieser Zeit vom 227er nicht angefahren werden können. Einen möglicherweise kostenneutralen Kompromiss schlug der Stalliker Gemeindepräsident Reto Bernhard vor: Statt Haltestellen zu streichen, könnte der Takt der fraglichen Kurse von 60 auf 90 Minuten verlängert werden. In einer Konsultativabstimmung stellten sich die Delegierten klar hinter diese Idee im Hinblick auf die nächste Fahrplanperiode.


