Vorzeitige Lärmsanierung
Nach jahrelangem Kampf ändert der Kanton Zürich seine Praxis bei der Finanzierung von Lärmschutzfenstern. Davon profitieren lärmgeplagte Anwohner in Obfelden und Ottenbach.

Im Oktober 2022 startete der Kanton Zürich für die Staatsstrassen in Obfelden und Ottenbach ein Lärmsanierungsprojekt. Dazu erfolgten diverse Einsprachen aus den beiden Gemeinden. Unterstützt durch die Sektion Zürich des Verkehrsclubs Schweiz (VCS) kämpfen je über 40 lärmgeplagte Anwohnerinnen und Anwohner für mehr Lärmschutz. In Obfelden betrifft das die Dorf-, Ottenbacher- und Mettmenstetterstrasse, in Ottenbach das Gebiet im Dorfzentrum an der Affoltern- und der Jonenstrasse.
Weitere Einsprechende in Obfelden wurden von Daniel Brunner, ehemaliger Zuger Politiker und Vorkämpfer für Tempo 30 auf lärmbelasteten Hauptstrassen, unterstützt. Nun zeichnet sich ein erster Erfolg ab.
Kanton Zürich im Rückstand
Zur Reduzierung des Strassenlärms stehen verschiedene Massnahmen zur Verfügung, unter anderem Temporeduktionen, lärmarme Beläge oder Schallschutzfenster. Der Kanton Zürich stellte sich bisher auf den Standpunkt, dass für Lärmsanierungen erst ordentliche Lärmsanierungsprojekte festgesetzt und im Rahmen eines Strassenbauprojekts umgesetzt werden können. Lärmschutzfenster sind dabei erst die letzte Möglichkeit, wenn zum Beispiel Tempo-Reduktionen nicht den gewünschten Effekt bringen. So mussten Anwohner in der Regel bis zu einer Projektfestsetzung warten.
Die Pflicht zur Lärmsanierung von Strassen besteht schweizweit aber seit Inkraftsetzung der Lärmschutzverordnung von 1987. Trotz Verlängerung der Sanierungsfrist bis März 2018 sind gemäss Regierungsrat immer noch 25 Prozent der Landgemeinden nicht saniert.
Kehrtwende bei Lärmschutz
Die Kehrtwende folgt nun nach einem Regierungsratsbeschluss vom März 2022. Dieser ermöglicht eine vorzeitige Auszahlung von Beiträgen an Lärmschutzfenster. Der Regierungsrat begründet dies, dass durch ein ordentliches Lärmsanierungsprojekt jeweils etliche Jahre vergehen, in denen die Anwohnerinnen und Anwohner ohne jeglichen Lärmschutz verbleiben.
Gerade in Obfelden, wo sich verschiedenste Strassenbauprojekte erst in der Planung befinden, müssten die Lärmgeplagten noch Jahre auf Massnahmen warten. Nun kann aber die Fachstelle Lärmschutz der Baudirektion Zürich die Kosten und Beiträge für Schallschutzfenster vorgängig und losgelöst vom ordentlichen Lärmsanierungsprojekt prüfen, verfügen und auszahlen.
Sanierungen in Ottenbach und Obfelden
Die erfreulichen Schreiben des Kantons trafen in Ottenbach bereits im Dezember 2022 ein, in Obfelden wurden die Anwohner im Januar informiert. Wie aus den dem «Anzeiger» zur Verfügung gestellten Unterlagen hervorgeht, wurde den Eigentümern im Detail beschrieben, welche Fenster genau ersetzt werden können. Die Betroffenen haben nun die Möglichkeit, allfällig bereits erstellte Fenster dem Kanton in Rechnung zu stellen. Oder andererseits innerhalb von zwölf Monaten die Sanierung an ein vom Kanton beauftragtes Planungsbüro zu delegieren oder selbst durchzuführen. Dazu liegt auch gleich eine unterschriftsbereite Auftragserteilung bei.
Für die Lärmsanierung sind der Alarm- und der Immissionsgrenzwert entscheidend. Beim Alarmgrenzwert ist die Sanierung verpflichtend und die Schallschutzfenster werden komplett bezahlt. Wer jetzt nicht die vorzeitige Sanierung nutzt, muss diese beim ordentlichen Lärmschutzverfahren umsetzen. Befindet sich der Lärmwert über dem Immissionsgrenzwert ist die Sanierung freiwillig und es wird nur ein Anteil an Lärmschutzfenster bezahlt.
Kosten von fast 200000 Franken
Gemäss den Berichten zur Sanierung wird in Ottenbach mit Kosten von 150000 Franken, in Obfelden mit 40000 Franken gerechnet. Daniel Bruner zeigt sich sehr erfreut über die Entscheidungen. Er geht davon aus, dass durch den Entscheid im ganzen Kanton Zürich über eine Million Franken vorzeitig ausbezahlt werden. Er bemängelt einzig, dass die Umsetzung seit verschiedenen Gerichtsurteilen zum Thema rund drei Jahre dauerte.
Die Forderungen der Einsprechenden nach unter anderem Tempo 30 und lärmarmen Belag bleibt noch offen, aber ein wichtiger, schnell realisierbarer Zwischenschritt scheint erreicht.


