Wachstum – in Ottenbach gut für das Dorfleben
Grosse Partizipation in Gremien und Interesse an der Dorfgemeinschaft
3000 Einwohnerinnen und Einwohner bis 2030 – dieses Entwicklungsziel hat Ottenbach bereits 2025 erreicht. Und das ohne Baulandreserven, sondern dank innerer Verdichtung, die auch durch Abreissen und Neubau von Einfamilienhäusern entstanden ist. Das entspricht einer Bevölkerungszunahme von 20 Prozent innert zehn Jahren – eine Steigerung, die künftig kaum mehr getoppt werden kann – nicht nur, weil Bauland fehlt, sondern auch deshalb, weil Ottenbach gemäss kantonalem Richtplan als «ländlich» gilt und im Säuliamt 80 Prozent des Wachstums im Gebiet Affoltern/Hedingen stattfinden soll.
Das jüngste Wachstum hat in Ottenbach nicht – wie in Agglo-Gemeinden – in die Anonymität geführt. Das Gegenteil ist der Fall: Die Bevölkerung partizipiert mehr denn je am Dorfleben. «Die Nach-Corona-Zeit hat da einen weiteren Schub ausgelöst, unser Dorfleben ist voll intakt», sagt Gemeindepräsidentin Gaby Noser Fanger, auch unter Verweis auf eine breite Veranstaltungspalette. Über 40 Spräggele und sehr viel Volk am Spräggele-Määrt im vergangenen Dezember bedeuten eine Rekordteilnahme, ebenso beliebt ist der Räbeliechtli-Umzug. Neu gibt es eine Kinderfasnacht mit Umzug. Und für das 2027 angesagte Dorffest ist bereits ein Organisationskomitee tätig. Auch die Beteiligung an Workshops der Gemeinde, das Mitmachen in Arbeitsgruppen sind klare Hinweise auf ein lebendiges Dorfleben. Das zeigt, dass die Bevölkerung an der Entwicklung der Gemeinde grosses Interesse zeigt.
Das frühzeitige Einbinden der Stimmberechtigten hat sich bisher mit Blick auf die Abstimmungen an der Gemeindeversammlung und an der Urne gelohnt. Die vom Gemeinderat aufgegleisten Projekte, die auch im Zusammenhang mit dem Bevölkerungswachstum stehen, wurden allesamt mit grossen Mehrheiten akzeptiert: der Schulhaus-Neubau, die Sanierung des über 50-jährigen Hallenbades und die Erweiterung der Sportanlage. Wegen der gestiegenen Schülerzahlen – in Ottenbach heute rund 260 – wurde auch das Gebäude am Schulhausweg 1 langfristig gemietet und umgebaut. Dort sind eine Kita und ein Kindergarten untergebracht. Erwähnenswert ist auch, dass es da sogar noch zu einer Steuersenkung gereicht hat. Dank der Reduktion bei der Oberstufe Obfelden-Ottenbach hat Ottenbach den Gesamtsteuerfuss in der laufenden Legislatur um zwei Prozent reduzieren können.
Partizipation weiter stärken
Auch mit kommenden Projekten will die Gemeinde die Partizipation der Bevölkerung aufrechterhalten beziehungsweise weiter stärken: nach einer Umfrage, einem Workshop, einer E-Mitwirkung beim Regionalen Entwicklungskonzept (REK), nach dem Workshop «Wohnen im Alter» sowie der Kern-/Begleitgruppe für die Zentrumsgestaltung. Interesse und Engagement widerspiegeln sich aber auch bei Initiativen, etwa beim Feuerwerksverbot, der Windkraft oder Unterschriften für Tempo 30 an der Zwillikerstrasse. Für «Wohnen im Alter» ist Ende Januar eine Info-Veranstaltung angesagt. Zur Sprache kommt da auch die Absicht von drei Ärzten, in Ottenbach eine Familienpraxis zu eröffnen. Ausserdem steht die Frage nach der Zukunft des Restaurants Post im Raum, weil Wirtin Biljana Krstanovic nach über 25 Jahren Ende 2026 aufhören will. Gibt es eine Nachfolge, und was passiert mit dem Gelände des grossen Parkplatzes? Fragen, die die Bevölkerung natürlich interessieren.
Neugestaltung Dorfzentrum erst 2028
Aber es «knirscht auch im Gebälk», etwa bei der Zentrumsplanung, nachdem die Stimmberechtigten dazu im Mai 2022 einen Kredit von 2.2 Millionen Franken bewilligt hatten – mit einem Ja-Anteil von 75 Prozent. Nachdem Kanton und Gemeinde den Planer auswechseln müssen, verzögern sich Strassen-Instandsetzung und Neugestaltung des Dorfzentrums um ein Jahr. «Das ist sehr bedauerlich», fügt Gaby Noser Fanger bei. Sie sagt aber auch, dass die Autobahnzubringer-Eröffnung im Juni eine Reduktion des Verkehrs durch das Dorf bewirkt hat. «Mir sagen Einwohnerinnen und Einwohner, dass es seit der Einführung von Tempo 30 im Dorf spürbar ruhiger geworden ist», fügt sie bei, auch überzeugt davon, dass der Kanton nach dem Ja zur Mobilitätsinitiative im November 2025 das Tempo-30-Regime nicht einfach rückgängig machen könne oder werde.
Dieses Mal ein Wahlkampf
Wichtige Vorhaben sind in Ottenbach also nach Zustimmung des Souveräns vor ihrer Realisierung oder bereits in Angriff genommen. In der kommenden Legislatur wartet aber nochmals ein grosser Brocken: der Ausbau der ARA Kelleramt in Unterlunkhofen oder ein Anschluss an die ARA in Bremgarten. Da ist auch Ottenbach mit von der Partie und wird sich mit der Frage der Mitfinanzierung beschäftigen müssen. Ihr Wunsch für die anstehende Legislatur 2026 bis 2030, für die das Motto «Innovatives, nachhaltiges und lebendiges Ottenbach» gilt, soll auch künftig gelten: ein weiterhin engagierter und kompetenter Gemeinderat mit ausgeprägtem Teamgeist. «Wie das in den letzten Legislaturperioden der Fall gewesen ist», ergänzt die Gemeindepräsidentin, die nun eine vierte Amtsdauer anstrebt, aber nun bei den Wahlen mit Ernst Diethelm einen Herausforderer hat. Auch im Gemeinderat gibt es – anders als vor vier Jahren – acht Bewerber für fünf Sitze; die separat gewählte Schulpräsidentin ist 6. Mitglied des Gemeinderates. Die Kandidatinnen und Kandidaten stellen sich im Rahmen der Podiumsdiskussion von heute Dienstag vor.
Was macht für sie Ottenbach aus? «Das intakte Dorfleben, das Wir-Gefühl, der gute Umgang und der Einsatz der Bevölkerung für die Gemeinschaft machen mich stolz auf unsere Gemeinde.» Dabei hebt sie auch die altersmässige Durchmischung der Bevölkerung, die aktiven jungen Familien hervor – und natürlich die Lebensqualität, die durch die Natur, die Naherholung, den gut erschlossenen ÖV und die Lage zwischen den Zentren Zug und Zürich begünstigt wird. Gaby Noser streicht auch die gute Zusammenarbeit mit Nachbargemeinden heraus. Dazu zählen unter anderem die Sekundarschulgemeinde Obfelden-Ottenbach, die Sozialsekretärin in Obfelden, die im Auftrag der Gemeinde Ottenbach Fälle aus Ottenbach prüft, die Zusammenarbeit mit den Feuerwehren Affoltern/Aeugst und die Obfelder Fachunterstützung bei der Hallenbad-Sanierung.
Vor den Gemeindewahlen vom 8. März stellt der «Anzeiger» vom 6. Januar bis 17. Februar in einer Serie die Ausgangslage in den einzelnen Gemeinden vor und lässt die Gemeinderatskandidatinnen und -kandidaten zu Wort kommen.
Bisher erschienen: Wettswil (6.1.), Bonstetten (9.1.), Mettmenstetten (13.1.) und Rifferswil (16.1.). (red)
Ottenbach
Gemeindefläche: 5,02 km2
Anzahl Einwohner: 2973 (per Ende 2024)
Besonderheit: Spräggele
Das wird am 8. März gewählt:
Gemeinderat:
5 Mitglieder, inklusive Präsidium
Primarschulpflege:
5 Mitglieder, inklusive Präsidium (ex officio das sechste Gemeinderatsmitglied)
Rechnungsprüfungskommission:
5 Mitglieder, inklusive Präsidium
Sekundarschulpflege Obfelden-Ottenbach:
5 Mitglieder, inklusive Präsidium








