Weihnachtsbeleuchtung: Es werde Licht!
Die erste Weihnachtsbeleuchtung kauften Luisa und Enrique Hediger, um ihren Kindern eine Freude zu machen. Dann wurden sie selbst zu Liebhabern.

Es leuchtet, es blinkt, es singt. Nein, das Haus der Familie Hediger kann man nicht übersehen, wenn man entlang der Zwillikerstrasse in Richtung Hedingen fährt. An diesen Fenstern, auf den Hecken und entlang dem Dach ist richtig etwas los. Man ahnt es: Hier waren eingefleischte Dekofans am Werk. Dabei hatte alles ganz harmlos angefangen. Als Familie Hediger vor 15 Jahren nach Hedingen zog, wollten Luisa und Enrique ihren Kindern eine Freude machen und kauften ihre erste Lichterkette. «Wir mochten Weihnachten schon immer», so Luisa Hediger. Die Kette blieb nicht lange allein: Bald schon kamen weitere Sujets hinzu: Sterne und Glocken und Rentiere und Samichläuse. Die Hedigers hatten eine neue Leidenschaft entdeckt.
Das Auto musste aus der Garage weichen – für die Beleuchtung
Wie viele Leuchtartikel ihre Sammlung umfasst, weiss Enrique Hediger nicht genau. Auf jeden Fall sind es viele: Wenn es nicht gerade Weihnachtszeit ist und die Beleuchtung ihren grossen Auftritt hat, wird sie eingelagert und braucht Platz. Viel Platz. Inzwischen haben die beiden ihren Garagenplatz geopfert, damit alles verstaut werden kann. Doch die Garage allein reicht längst nicht mehr. Auch der Estrich ist voll mit Weihnachtsdekoration. Auch dieses Jahr hätte Enrique Hediger gerne das eine oder andere hübsche Sujet dazugekauft, doch aus Platzgründen musste er es lassen.
Steine für den bösen Samichlaus
Der Auftakt zum dreissigtägigen Lichtspektakel erfolgt bei Familie Hediger jedes Jahr am 6. Dezember. Damit am Samichlaustag alles parat ist, holt Enrique Hediger seine Beleuchtung bereits Anfang November aus der Garage und vom Estrich. Ist alles noch ganz? Brennen die Lämpchen noch? Dann müssen die Figuren im Garten platziert, verkabelt und isoliert werden. Und auch die Timer müssen richtig eingestellt werden. Inzwischen fragen im Herbst die Freunde und Bekannten an: «Wann geht es wieder los?», um dann am Tag X zur Hilfe zu kommen. Zwar hat Enrique Hediger inzwischen auf LED umgerüstet, ganz günstig ist der Spass dennoch nicht: «Unsere Stromrechnung ist im Dezember jeweils doppelt so hoch», so die beiden Fans.
Inzwischen sind die Hedigers im Dorf längst bekannt für ihr Faible. Als die Familie vor zwei Jahren über die Feiertage ins Ausland reiste und den Garten und ihr Haus ausnahmsweise nicht schmückte, war das niemandem so recht geheuer. «Wohnt Familie Hediger überhaupt noch in Hedingen? Geht es ihnen gut?», hörte man es im Dorf raunen. Immer wieder kommen Eltern oder Grosseltern mit Kindern am Haus der Hedigers vorbei, um die Dekoration zu bestaunen. Einmal entdeckte Luisa Hediger einen Knaben, der ihren aufblasbaren Samichlaus mit Steinen bewarf. Sie fragte ihn, warum er das tue, und er klagte: «Der Samichlaus war gemein zu mir. Dieses Jahr hat er mich einfach vergessen. Ich bin sehr hässig.» Darauf brachte die Familie Hediger dem Jungen ein Samichlaus-säckli vorbei und beruhigte ihn: «Er hatte sich bloss im Haus geirrt.»
Die Familie lässt ihre Weihnachtsbeleuchtung exakt einen Monat brennen. Am 6. Januar, dem Dreikönigstag, leuchtet sie zum letzten Mal. Dann wird zusammengepackt. Aber bis dahin ist ja noch etwas Zeit.


