Weil es «stört»: Müllmänner dürfen in Affoltern keine laute Musik mehr hören

Immer, wenn sie kamen, wurde es fröhlich. Sie, das waren zwei Männer, die beim Abfall- und Recyclingunternehmen Obrist als Müllmänner angestellt sind. Wenn sie montags und dienstags in Affoltern in das Quartier einbogen, in dem Susanne Crimi wohnt, ging ihr das Herz auf. Auf dem Trittbrett des Kehrrichtfahrzeugs stehend, sangen sie zur Musik, die dann jeweils lief. Es klang nach fröhlicher, östlicher Volksmusik. Dazu sammelten sie die Abfallsäcke ein oder leerten die Container. Sie seien sich nie zu schade gewesen, Hilfe anzubieten, wenn sie oder andere Anwohnende auf den letzten Drücker noch mit einem Abfallsack herbeigeeilt kamen. «Ich habe mich jedes Mal gefreut, wenn ich die beiden sah», erzählt Crimi.
Dann sei es vor etwa zwei oder drei Wochen plötzlich still geblieben. Musik war nicht mehr zu hören, als das Kehrichtfahrzeug um die Ecke bog. Also sprach Crimi die Männer an – und erfuhr, dass sich einzelne Anwohnerinnen und Anwohner aus Affoltern über die Musik beschwert hätten.
Auf Anfrage bestätigt Obrist Transport + Recycling AG, dass es wegen der Musik Reklamationen gab. Deshalb habe man intern die Weisung erlassen, dass die Musik entweder leiser sein muss oder dass die betroffenen Quartiere nicht mehr frühmorgens oder spätnachmittags angefahren werden dürfen. «Wir sind ein Dienstleister und versuchen uns anzupassen.»
Für Susanne Crimi bleiben die Reklamationen ein Rätsel: «Ich finde die Kritik total daneben. Nicht viele würden diese Arbeit erledigen wollen. Und dann soll sie nicht einmal Spass machen dürfen? Es ist doch schön, wenn bei der Arbeit Lebensfreude spürbar ist.»


