Wenn Demokratie Präzisionsarbeit ist

Am 8. März sind die Wahlbüros auch im Säuliamt gefordert – viele Helfende im Einsatz

Affolterns Stadtschreiber Stefan Trottmann zeigt das Formular mit den 32 Positionen, die es bei den bevorstehenden Wahlen zu beachten gilt. (Bild Werner Schneiter)
Affolterns Stadtschreiber Stefan Trottmann zeigt das Formular mit den 32 Positionen, die es bei den bevorstehenden Wahlen zu beachten gilt. (Bild Werner Schneiter)

Noch bevor der Wahlkampf für den Urnengang vom 8. März in die Gänge kam, begannen die Vorbereitungen für die Stadt Affoltern und die Gemeinden. «Bei uns beginnt die Planung rund ein halbes Jahr vor dem Abstimmungs- und Wahltermin», sagt Affolterns Stadtschreiber Stefan Trottmann. Wichtiger Punkt ist dabei die Beachtung der Fristen, die in Affoltern seit dem 14. Oktober 2025 laufen. Insgesamt sind es für die Verwaltung 32 Schritte, um den richtigen Weg einzuhalten, die politischen Rechte zu beachten und die Frage zu klären, ob es zu einer stillen Wahl kommt.

In Affoltern sind am Wahlsonntag, 8. März, 36 Verwaltungsangestellte und ebenso viele Wahlbüromitglieder im Einsatz. Letztere sind jeweils für vier Jahre gewählt und erhalten eine Stundenentschädigung von 35 Franken – kein üppiges «Salär», denn es handelt sich ja um Sonntagsarbeit. Die Leitung des Wahlbüros obliegt Stadtpräsidentin Eveline Fenner. Der kommende Termin stellt eine besondere Herausforderung dar, weil es sich um einen eidgenössischen Abstimmungstermin handelt, der nun erstmals mit einer Kommunalwahl zusammenfällt.

«Götti-System»

Die Wahlbüromitglieder erhalten vor Amtsantritt eine Grundschulung, die an einem Abend stattfindet. An Abstimmungs- und Wahlterminen gilt in Affoltern schliesslich das «Götti-System». Mit anderen Worten: «Wir achten bei der Zusammenstellung der Gruppen auf eine gute Durchmischung von Erfahrenen und weniger Erfahrenen», hält Stefan Trottmann fest, der in Affoltern Sekretär des Wahlbüros ist. Stimmberechtigte können die Arbeit im Wahlbüro (Kasinosaal) zwar beobachten, sind aber in den Räumlichkeiten einem speziellen Ort zugewiesen und müssen sich an vorgegebene Regeln halten. Zum Schutz von Personendaten und zur Wahrung des Stimmgeheimnisses sind weder Fotografieren, Filmen noch Livestreaming erlaubt. Und das Wahlbüropersonal darf keinerlei Auskünfte erteilen.

Vieraugenprinzip

In Affoltern schliessen die Wahlurnen am Sonntag um 10 Uhr. Die Arbeit des Wahlbüros beginnt um 8 Uhr – mit ersten Schritten: Couverts öffnen, Zettel den verschiedenen Sachvorlagen zuordnen, Wahlzettel den jeweiligen Behörden. Wahlzettel werden abgezählt, in einer bestimmten Zahl in Couverts gesteckt und von einem Team übernommen, geprüft, erfasst – zum Beispiel, ob ungültig oder doppelt. Mitarbeitende der Verwaltung erfassen zusammen mit den Wahlbüromitgliedern die Resultate im neuen System «Voting», welches heuer in allen Gemeinden das langjährige System «Wabsti» ablöst. Es gilt stets eine Kontrolle nach dem Vieraugenprinzip, begleitet auch von der Frage, ob die Eingabe mit dem, was auf den Wahlzetteln vermerkt ist, übereinstimmt. Dazu wird durch einen Zufallsgenerator eine gewisse Anzahl Wahlzettel pro Couvert zur Kontrolle ausgewählt. «Werden Fehler festgestellt, so wird das ganze Couvert detailliert kontrolliert», sagt Stefan Trottmann. Sind alle Zettel des Couverts erfasst, so holt sich die Wahlbürogruppe ein neues, mit noch nicht erfassten Zetteln gefülltes Couvert.

Die Arbeit des Wahlbüros ist in der Tat anspruchsvoll. Konzentration und exaktes Vorgehen sind das eine, die Vorbereitung das andere. Die Stimmrechtsausweise für die reformierte Kirchenpflege müssen separat erfasst werden, weil da bereits 16-Jährige sowie Ausländerinnen und Ausländer zur Wahl zugelassen sind, die wiederum bei Vorlagen des Bundes, des Kantons und der Gemeinde nicht stimmberechtigt sind. Hier gilt es, den entsprechenden Code auf dem Stimmrechtsausweis zu beachten.

Die Arbeit im Wahlbüro nimmt Zeit in Anspruch. Der Stadtschreiber rechnet bei den kommenden Wahlen bis 15.30 Uhr mit ersten Resultaten, bei den Bundesvorlagen gehts schneller. Diese Resultate sollten so schnell wie möglich nach Zürich übermittelt werden.

Von Hand in Maschwanden

Derweil Affoltern rund 7300 Stimmberechtigte zählt, sind es in Maschwanden, der kleinsten Ämtler Gemeinde, gerade mal 438. Entsprechend kleiner ist auch das Wahlbüro. Am 8. März sind in Maschwanden vier Vertreterinnen und Vertreter der Verwaltung (einschliesslich Gemeindepräsident) und drei Wahlbüromitglieder im Einsatz. Ausgezählt wird laut Gemeindeschreiberin Chantal Nitschké von Hand. Beim Gemeinderat und der Rechnungsprüfungskommission ist das dieses Mal nicht notwendig. Die beiden Behörden sind bereits in stiller Wahl gewählt. Parallelen zu Affoltern gibt es bei der Stimmabgabe. Auch in Maschwanden wird überwiegend brieflich abgestimmt; nur 15 bis 25 Stimmberechtigte kommen jeweils am Sonntag an die Urne. In Affoltern sind es über 90 Prozent, die ihr Stimmcouvert per Post einreichen.

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