«Wenn man ein solches Daheim hat, kann man über sich hinauswachsen»
Bei der Bundesfeier in Bonstetten berichtete Sportkletterin Petra Klingler in einer äusserst emotionalen Rede darüber, wie viel Rückhalt ihr die Heimat bei ihrer erfolgreichen Karriere gegeben hat
«Es ist eine riesige Ehre für mich, hier zu stehen, an dem Ort, wo ich aufgewachsen bin.» Mit diesen Worten eröffnete Petra Klingler, allseits bekannte Sportkletterin und Weltmeisterin im Bouldern im Jahr 2016, ihre Ansprache an der Bundesfeier in Bonstetten. «An diesem Hang hier habe ich Skifahren gelernt und bin mit meinem Schlitten runtergesaust, ich habe unglaublich viele Erinnerungen, die mit dieser Umgebung zu tun haben», fuhr die 2024 vom Leistungssport zurückgetretene Athletin fort.
Das Publikum, das auch dieses Jahr wieder den Nationalfeiertag in der Scheune auf dem Hof der Familie Weiss an der Dachenmasstrasse feiern durfte, hing förmlich an ihren Lippen, als sie von ihrem Werdegang erzählte und dabei immer wieder den riesigen Rückhalt betonte, den ihr die Menschen an ihrem Wohnort gegeben hätten. Petra Klingler berichtete von den Anfängen ihrer Kletterkarriere, die sie «von der Chilbi in Bonstetten an die grössten Wettkämpfe der Welt» geführt habe. Als erste Schweizerin in ihrem Sport bei Olympischen Spielen starten zu dürfen und im Nationaldress ihr Land zu repräsentieren, sei ein Gefühl, das sie hier am Rednerpult zu beschreiben versuche, das aber im Grunde auch heute noch unbeschreiblich sei. Solche Momente blieben viel mehr im Gedächtnis als all die Pokale, die sie gewonnen habe. Als die ehemalige Weltmeisterin darauf zu sprechen kam, wer alles hier in der Scheune anwesend sei von den so wertvollen Menschen, die sie auf ihrem Weg bestärkt hätten – etwa ihre Primarlehrerin –, gab es bei ihren Emotionen kein Halten mehr, und sie brach kurzzeitig in Tränen aus. Diese grossen Gefühle wurden vom Publikum mit einem lang anhaltenden, herzlichen Applaus quittiert. «Bonstetten ist mein Daheim, und ich habe stets gewusst, hier habe ich Menschen, die immer zu mir stehen werden, als Petra, nicht als Sportlerin», diese Gewissheit habe ihr Rückendeckung bei allen Herausforderungen gegeben.
Kleine Zeichen aus der Heimat, die mitten ins Herz trafen
Auch vermeintlich kleine Zeichen hätten eine riesige Wirkung erzielt: «Wenn man auf der anderen Seite der Erde steht und plötzlich ein Brieflein von jemandem aus der Nachbarschaft zu Hause in den Händen hält, den man nicht einmal kennt, dann berührt dies enorm», liess die Spitzensportlerin die Anwesenden wissen. Was sie im fernen Ausland von der Schweiz vermisst habe, sei im Übrigen nicht das üblicherweise Meistgenannte gewesen, sondern die Lebensqualität an sich, etwa das Hahnenwasser, das man hier bedenkenlos trinken kann. «Die Schweizer sind immer ein bisschen zurückhaltend, wenn es darum geht, sich selbst zu feiern, aber wir dürfen wirklich stolz sein auf unser magisches Land», resümierte Petra Klingler. «Wenn man etwas im Leben hat, das einem Freude bereitet, kann man hier unglaublich viel erreichen, dies hat mein Weg gezeigt.» Die Ansprache der prominenten Bonstetterin, die just ab dem ersten August dieses Jahres wieder ihren offiziellen Wohnsitz in der Unteramts-Gemeinde hat, kam auch bei Gemeindepräsidentin Arianne Moser gut an: «Man hat in der Rede die ganze Emotionalität des Sports verspürt und realisiert, wie viele Leute es braucht, die einen unterstützen, damit eine solche Karriere überhaupt möglich wird», meinte die höchste Repräsentantin Bonstettens gegenüber dem «Anzeiger».
*Die Namensgleichheit unseres Korrespondenten mit den Hofbesitzern ist zufällig






