Wer Fehlverhalten sieht, soll eingreifen

Unter der «Tragik der Allmend» versteht man, dass sich niemand verantwortlich fühlt, wenn etwas allen gehört. Am Türlersee bedeutet das, dass Vandalen leichtes Spiel haben und sich Fussgänger vermehrt über Velofahrer aufregen, die das absolute Fahrverbot missachten.

Vandalen haben bei einem alten Holzsteg Latten herausgerissen und auch die Sicherheitsabsperrung zerstört. (Bild sals)
Vandalen haben bei einem alten Holzsteg Latten herausgerissen und auch die Sicherheitsabsperrung zerstört. (Bild sals)

Der Türlersee ist ein einmaliges Naturschutz- und Naherholungsgebiet. Obwohl es immer wieder Ideen gab, den Türlersee in eine privilegierte Wohnlage zu verwandeln, haben Naturschützer einen kantonalen Schutzstatus erreicht, der dafür sorgt, dass der Türlersee als Erholungsgebiet allen zur Verfügung steht.

Am Türlersee setzen sich vor allem der Türlersee Schutzverband, die Naturfreunde und der Sportfischerverein für ein friedliches Miteinander in der Natur ein. Schutzwarte des Schutzverbands patrouillieren regelmässig an den Ufern und sorgen für die Einhaltung der Regeln, Feuerstellen werden erstellt und Holz geliefert, damit die Tiere im Naturschutzgebiet nicht durch Holzholende gestört werden. Mit der immer dichter werdenden Besiedlung im Knonauer Amt wird auch der Türlersee als Ausflugs- und Naherholungsziel von immer mehr Menschen besucht. Spaziergänger, Jogger, Hundehalter, Fahrradfahrer haben verschiedene Tempi und Interessen, was zu Konflikten führt.

Fahrradfahrer missachten Regeln

«Da es auf dem Uferweg immer wieder zu Zusammenstössen zwischen den verschiedenen Fussgängergruppen und Velofahrern gekommen ist, gilt heute ein allgemeines Fahrverbot und für Hundehalter gilt absolute Leinenpflicht, wie überall in Naturschutzgebieten. Gerade Fahrradfahrer setzen sich aber immer wieder über das Verbot hinweg, was manchmal zu unschönen Szenen führt. Das Problem ist, dass wir vom Schutzverband nicht rund um die Uhr da sein können und sich Menschen durch den immer stärker ausgeprägten Individualismus zwar aufregen, aber Fehlbare nicht auf ihr Verhalten ansprechen», erläutert Philipp Reinhardt, der Einsatzleiter der Schutzwarte und ergänzt: «Die restriktiven Nutzungsregelungen am Türlersee wurden eigentlich dafür erstellt, dass alle das Seeufer geniessen können.»

Jugendliche Vandalen

Zu Menschen, die sich nicht an die Nutzungsregeln halten, kamen diesen Sommer vermehrt jugendliche Vandalen, die noch mehr über die Stränge schlugen. Philipp Reinhardt: «Aus einem alten Holzsteg, der eigentlich nur zum Fischen gedacht ist, wurden über ein Dutzend Planken herausgerissen und er wurde damit unbenutzbar gemacht. Wir haben ihn dann abgesperrt, doch die Jugendlichen rissen die Absperrung herunter und nutzten ihn weiterhin zum Sonnenbaden.» Aus mehreren Stegen wurden in diesem Sommer Holzlatten entfernt.

An einem Ort wurde zudem ein Holzunterstand komplett abgerissen und das Blech entsorgt. «Wir leisten hier unentgeltliche Arbeit, erstellen Stege, bauen Holzunterstände und stellen auf eigene Kosten Holz zur Verfügung. Und manche Jugendliche wissen nichts Besseres als die gesamten Vorräte in einer Nacht zu verheizen und anschliessend den Holzunterstand zu demolieren», meint Philipp Reinhardt erschüttert.

Es braucht mehr Zivilcourage

Pubertierende Jugendliche müssen sich von den Eltern und der Gesellschaft distanzieren und ihre eigenen sozialen Gruppendynamiken entwickeln. Dabei gehörten grober Unfug und mutwillige Zerstörung immer zu den bevorzugten Mitteln. Nur wenn Jugendliche beim Unfug erwischt und ihnen von der Gesellschaft Grenzen aufgezeigt werden – möglicherweise auch durch Strafen – können sie aus ihren Verfehlungen lernen und wichtige Lebenslehren ziehen. Die Regeln am Türlersee wie in allen Naherholungsgebieten sind klar und nicht nur Polizei und Türlersee Schutzverband sind für deren Einhaltung verantwortlich. Jeder Einzelne – die gesamte Gesellschaft – ist angehalten, beobachtetes Fehlverhalten direkt anzusprechen und Betreffende, ob jugendlich oder erwachsen, auf ihr Fehlverhalten aufmerksam zu machen. Nur so können die Naherholungsgebiete im Säuliamt erhalten werden, ohne dass noch mehr Verbotsschilder und teure Sicherheitskräfte benötigt werden. Zivilcourage ist heute gefragter denn je.

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