Werbung um Unterstützung für das Spital Bezirk Affoltern
Generalversammlung und Info-Abend des Vereins «Ja zum Spital Affoltern»

Auch wenn das Spital Affoltern nach schwierigen Jahren mittlerweile wieder auf stabilem Kurs ist: Es benötigt weiterhin die Unterstützung möglichst vieler Säuliämtlerinnen und Säuliämtler. So lautete am Donnerstagabend anlässlich der Generalversammlung des Vereins «Ja zum Spital Affoltern» die Kernbotschaft des seit einem Jahr amtierenden Vereinspräsidenten Thomas Naef.
Um dem Verein wieder etwas mehr Schwung zu verleihen, organisierte der Vorstand im Anschluss an die GV erstmals eine öffentliche Informationsveranstaltung. Sie bot den rund 50 Interessierten Gelegenheit, die neue Leiterin des Spitals, Irene Christen, kennenzulernen. Christen, ursprünglich Ergotherapeutin und zuletzt CEO der NRG-Gruppe (weltweite Anbieterin für Neurorehabilitation), ist seit gut 100 Tagen in Affoltern tätig und nach eigenem Bekunden «sehr gut gestartet». Aufgefallen seien ihr in Affoltern unter anderem die «familiäre Atmosphäre» im Spital, die sie so noch nirgendwo erlebt habe, erklärte sie am Donnerstag. Und der Stolz der Angestellten. Beides sei mit Blick auf den Fachkräftemangel im Medizinbereich von Bedeutung. Es sei wichtig, dass das Spital Affoltern als guter, nachhaltiger Arbeitgeber wahrgenommen werde, «der sein Personal nicht verheizt».
Schwerpunkte Psychiatrie, Altersmedizin und Palliative Care
Die Positionierung des Spitals mit den Schwerpunkten Psychiatrie, Altersmedizin und Palliative Care – neben der Notfallmedizin (siehe Kästchen) und der ambulanten Medizin – bezeichnete Christen als «sehr zukunftsgerichtet». Bekanntlich wachse die ältere Bevölkerung sehr stark und damit die Pflegebedürftigkeit. Dass man auf dem richtigen Weg sei, bewiesen auch die guten Belegungszahlen, die in den letzten Monaten kontinuierlich gestiegen seien. Vor allem im Bereich Psychiatrie sei die Auslastung «sehr, sehr hoch».
Auch finanziell hat das Spital inzwischen das Krankenbett verlassen. Nach jahrelangen Verlusten erzielte es im vergangenen Jahr einen Gewinn von 2.2 Millionen Franken. Und das soll keine Ausnahme bleiben, erklärte Spital-Verwaltungsratspräsident Stefan Gyseler. Ziel sei, das Spital in der Gewinnzone zu etablieren. Dies sei auch im Hinblick auf mittel- und langfristig notwendige Sanierungs- und andere Bauprojekte wichtig. Solche Projekte könne das Spital – «wie fast alle anderen Spitäler in der Schweiz auch» – nicht selber finanzieren. Aus seiner Sicht könne das dafür notwendige Geld dereinst nur durch eine Kapitalerhöhung beschafft werden. Politisch sei dies nur möglich, wenn das Spital zuvor seine Hausaufgaben gemacht habe.
Eine Finanzierung von grösseren Bauprojekten durch Fremdkapital schloss Gyseler aus: «Wir könnten die Schulden nicht zurückzahlen.» Und wohin eine hohe Fremdverschuldung führen könne, lasse sich derzeit am Beispiel des Spitals Wetzikon ablesen.
Nach wie vor Werben um neue Mitglieder
Die vor der Informationsveranstaltung durchgeführte GV des Vereins «Ja zum Spital Affoltern» hatte nur gerade 25 Minuten gedauert. Aktuell zählt der Verein noch 188 Mitglieder sowie 488 Sympathisantinnen und Sympathisanten. «Derzeit gibt es für den Verein keinen Grund, aktiv zu werden», räumte Thomas Naef ein. Dennoch sei es zwingend nötig, dass der Verein bestehen bleibe und sich um neue Mitglieder bemühe. Denn die Situation könne immer wieder ändern – nicht zuletzt aufgrund politischer Entwicklungen. Naef, der auch Präsident des Arbeitgeberverbands des Bezirks Affoltern ist, erinnerte nebenbei daran, dass das Spital zu den grössten Arbeitgebern in der Region zählt. Gegründet worden war der Verein 2017 – im Vorfeld der Volksabstimmung über die strategische Umstrukturierung des Spitals. 2019, im Jahr der Abstimmung, sprachen sich alle 14 Gemeinden im Bezirk für die Umwandlung des Spitals in eine gemeinnützige Aktiengesellschaft aus und damit für den Fortbestand des Spitals.
Positive Erfahrungen mit dem «Notfall light»
Nach der Schliessung der Chirurgie verfügt das Spital Affoltern aktuell nur noch über einen sogenannten «Notfall light». Dieser ist offiziell seit Anfang Jahr in Betrieb. Die ersten Erfahrungen mit dem Pilotprojekt stimmten positiv, teilte das Spital bereits vor einigen Wochen mit. Spitalverwaltungsratspräsident Stefan Gyseler ist sogar überzeugt, dass Affoltern mit diesem Modell manchen Spitälern in der Entwicklung voraus ist.
Das «Notfall light»-Konzept sieht etwa im Fall eines Unfalls mit akut notwendigem chirurgischem Eingriff vor, dass die Ambulanz einen Patienten aus dem Bezirk direkt in eine spezialisierte Klinik fährt – ohne Umweg über Affoltern. Unkomplizierte kleinchirurgische Notfälle können dagegen weiterhin am Spital Affoltern diagnostiziert und behandelt werden. Dazu zählt etwa ein unkomplizierter Armbruch. Behandelt werden können beispielsweise aber auch Herzrhythmusstörungen oder Infekte. Und sollten fachspezifische kaderärztliche Expertenmeinungen nötig sein, können mit den heutigen Kommunikationsmöglichkeiten jederzeit kurzfristig Fachärzte etwa vom Triemli-Spital in Zürich für eine Einschätzung beigezogen werden.


