Windmessungen stehen immer am Anfang

Die möglichen Windenergieanlagen in den sogenannten Eignungsgebieten in der Region bewegen viele Gemüter. Der Weg bis zur Errichtung wäre aber länger, als viele erwarten

Die oberen Teile der Windmessmasten bestehen wegen der Flugsicherheit aus roten und weissen Segmenten.

Die oberen Teile der Windmessmasten bestehen wegen der Flugsicherheit aus roten und weissen Segmenten.

Das Errichten des Windmessmastes in Zünikon geschah mithilfe eines sogenannten Kletterkrans, der an der Spitze montiert war. (Bilder Marcus Weiss)

Das Errichten des Windmessmastes in Zünikon geschah mithilfe eines sogenannten Kletterkrans, der an der Spitze montiert war. (Bilder Marcus Weiss)

Mitte März dieses Jahres in Zünikon, einem Weiler der Gemeinde Wiesendangen unweit von Winterthur. Wir befinden uns auf einer schmalen Fahrstrasse am Waldrand, auf der vor uns liegenden Wiese tut sich Erstaunliches. Verfolgt von zahlreichen Augenpaaren der eingeladenen Medienvertreter, wächst ein gertenschlanker Gittermast unter dem waghalsig anmutenden Einsatz einer fast schon akrobatisch agierenden Montagetruppe stückweise in die Höhe; die noch nicht verwendeten Segmente mit ihrer rot-weissen Flugsicherungsbemalung liegen verstreut im grünen Gras. Wenige Tage später schon wird das Konstrukt mit 125 Meter seine Endhöhe erreicht haben und eine neue Landmarke in der von Wiesen und Wäldern geprägten Gegend bilden. Es handelt sich um einen Windmessmast, mit dem die Korporation Zürich Wind (eine Kooperation der Energieversorgungsunternehmen EKZ, ewz und Stadtwerk Winterthur) die Tauglichkeit des Standorts für die Gewinnung von Windstrom ausloten will.

Im Visier steht bei dieser Windmessmast-Montage das Eignungsgebiet Nummer 15, das sich über Teile der Gemeinden Wiesendangen, Hagenbuch und Elgg erstreckt, das dargelegte Szenario würde wohl aber bei einem konkreten Windenergie-Projekt im Knonauer Amt auf dieselbe Art und Weise ablaufen. Der Aufwand am Ort des Geschehens ist beträchtlich: Neben dem eigentlichen Aufbau des Mastes müssen unter anderem die Abspannseile, welche die Metallkonstruktion in der Senkrechten halten, an weit verstreut liegenden Stellen in der Wiese befestigt werden. Injektionsanker, die neun Meter tief in den Boden ragen, zehn Tonnen Zugkraft pro Anker, so lauten einige der Fakten, die Daniel Brunner von der Mastbaufirma Vertic pro AG zu liefern weiss.

Die Winddaten eines ganzen Jahres werden aufgezeichnet

«Wir rechnen mit Kosten von ungefähr 300000 bis 500000 Franken pro Standort für die Windmessung, dies sind Vorinvestitionen, mit denen wir ins Risiko gehen», erklärt Pascal Müller, Co-Leiter der Kooperation Zürich Wind. Mindestens ein Jahr lang solle der Mast hier stehenbleiben, damit man die Winddaten im Querschnitt eines ganzen Jahres aufzeichnen könne. «Solche Messdaten sind auch wichtig für die Bewilligungsfähigkeit der Windenergieanlagen, und, falls dann tatsächlich gebaut wird, eine unverzichtbare Datengrundlage für die Lieferanten der Anlagen», fährt Müller fort. Deshalb sei die Windmessung zwingend immer der erste Schritt bei der Evaluation eines Standortes. Auch in Ossingen und Rickenbach (Eignungsgebiete Nummer 10 und 13) sind in diesem Frühjahr gleichartige Windmessmasten errichtet worden, wobei an diesen beiden Standorten aufgrund der Platzierung Helikopter für die Montage eingesetzt worden sind. Bereits jetzt können die gemessenen Winddaten zu jeder Tages- und Nachtzeit live über die Website von Zürich Wind abgerufen werden.

Auf die Tatsache angesprochen, dass oftmals ins Feld geführt wird, im Kanton Zürich seien die zu erwartenden Windausbeuten zu schwach, um erfolgreich Energie zu produzieren, erklärt Sara Koller vom Unternehmen Meteotest, dass generelle Zahlenangaben kein taugliches Mittel seien, um festzustellen, ob sich ein Standort für die Stromproduktion eigne. «Sehr wichtig ist, dass man immer wieder auch hohe Windgeschwindigkeiten hat: Ganzjährig konstant fünf Meter pro Sekunde ist beispielsweise viel schlechter als zeitweise zehn Meter pro Sekunde und zu anderen Zeiten gar kein Wind», macht sie klar.

Kategorische Ablehnung von Windenergie oft aus Unwissen

Die Kooperation Zürich Wind beschränkt sich bei ihren Aktivitäten vorerst auf diese drei möglichen Eignungsgebiete. Im Hinblick auf die Eignungsgebiete im Bezirk Affoltern ist für den «Anzeiger» nun die Frage interessant, wie an diesen Orten die Zusammenarbeit mit den Gemeinden respektive der Austausch mit der von möglichen Windkraftanlagen betroffenen Bevölkerung funktioniert. «Der erste Schritt ist immer das Gespräch mit der Gemeinde. Zeigt sich diese offen gegenüber der Windenergie, wird der Kontakt mit der lokalen Bevölkerung und den Landeigentümern gesucht», antwortet Pascal Müller. Falls sich herausstelle, dass in der Gemeinde grosser Widerstand gegen die Windenergie vorhanden sei, verfolge man den entsprechenden Standort nicht weiter, halte den Dialog mit der Gemeinde aber weiterhin aufrecht; dies sei etwa in Stammheim so geschehen. Der Co-Leiter der Kooperation Zürich Wind betont aber, dass seiner Erfahrung nach die kategorische Ablehnung von Windenergieanlagen oftmals auf Unwissen beruhe. Sobald die Zusammenhänge und die angewandte Technik erklärt würden, wachse meist auch das Verständnis und die Akzeptanz.

Der kleinste Teil des Prozesses wäre die eigentliche Bauzeit

Es sei ohnehin ein langer Prozess, mindestens drei bis fünf Jahre würden bis zu einer Baubewilligung vergehen. «Wir rechnen mit acht bis zehn Jahren, bis hier tatsächlich etwas stehen würde, die eigentliche Bauzeit ist hiervon noch der kleinste Teil», konstatiert Pascal Müller. Ein grosser Teil davon sei die auf den Standort bezogene Umweltverträglichkeitsprüfung, die allein mindestens zwei Jahre in Anspruch nehme. «Es wird von den Skeptikern der Windenergieanlagen meist viel zu weit vorgegriffen und so getan, als sei alles schon abgeklärt und für gut befunden worden, dabei werden die Umweltaspekte erst wirklich unter die Lupe genommen, wenn ein konkretes Projekt vorbereitet wird», so der Co-Leiter von Zürich Wind. Zum jetzigen Zeitpunkt verfüge man nur über relativ rudimentäre Daten.

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