Zürcher Bauern wollen dezentrale landwirtschaftliche Forschung

Gegen 300 Delegierte des Zürcher Bauernverbandes (ZBV) haben am Mittwoch in Bonstetten einstimmig eine Resolution zur Stärkung der dezentralen landwirtschaftlichen Forschung in der Schweiz verabschiedet – eine klare Antwort auf bundesrätliche Bemühungen zur Auslotung von Sparpotenzial.

An der Delegiertenversammlung des Zürcher Bauernverbandes im Bonstetter Gemeindesaal, von links: ZBV-Geschäftsführer Ferdi Hodel, ZBV-Präsident Hans Frei, Vorstandsmitglied Martin Haab und Regierungsrat Ernst Stocker. (Bild Werner Schneiter)
An der Delegiertenversammlung des Zürcher Bauernverbandes im Bonstetter Gemeindesaal, von links: ZBV-Geschäftsführer Ferdi Hodel, ZBV-Präsident Hans Frei, Vorstandsmitglied Martin Haab und Regierungsrat Ernst Stocker. (Bild Werner Schneiter)

Im Bonstetter Gemeindesaal zeigten sich die Zürcher Bauern einmal mehr von ihrer kämpferischen Seite, nachdem der Musikverein Bonstetten unter der Leitung von Nino Wrede für die musikalische Ouvertüre sorgte und Gemeinderat Claude Wuillemin die Bauern in launigen Worten willkommen hiess. So geisselte ZBV-Präsident Hans Frei in seinem Eingangsvotum den im Rahmen einer Weiterentwicklung der Agrarpolitik die vom Bundesrat ins Auge gefassten Grenzöffnungen. Damit werde unter anderem die Inlandversorgung weiter geschwächt und die Versorgung der Bevölkerung zunehmend aus dem Ausland sichergestellt, sagte er – und hofft nun auf einen bundesrätlichen Richtungswechsel, nachdem der Nationalrat die agrarpolitische Gesamtschau der Landesregierung zurückgewiesen hat. Frei bezeichnete diese als «völlig desorientiert» und sieht die Bauern seit dem klaren Ja an der Urne am 24. September 2017 zur Ernährungssicherheit durch die Bevölkerung gestärkt. Für den Präsidenten gehört auch eine fundierte Ausbildung zu den verlässlichsten Rüstzeugen einer zukunftsfähigen Landwirtschaft, für die er ein vergleichbares Einkommen zur übrigen Gesellschaft verlangt. Voraussetzung dafür sei wiederum eine Unterstützung aus dem vorgelagerten Wissenssystem und eine breit angelegte Forschung. Für den ZBV-Präsidenten wären Entscheide auf Bundesebene zu strategischen Forschungsfeldern im Landwirtschaftsbereich wirksam – dies auch vor dem Hintergrund von Klimawandel, Ressourcenknappheit, Globalisierung sowie neuer Ernährungs- und Lebensgewohnheiten. «Hier muss der Bundesrat die Weichen stellen» fordert Hans Frei.

«Ihr seid gut und stark …»

Eine Resolution zur «Stärkung einer schlagkräftigen, einheimischen und mit der Praxis eng verknüpften landwirtschaftlichen Forschung» soll nun der Landesregierung auf die Sprünge helfen. Sie wurde an der fast dreieinhalb Stunden dauernden 176. DV einstimmig verabschiedet – im Sinne eines klaren Signals aus dem Kanton Zürich, das dem Bundesrat mittels Begleitschreiben übermittelt wird. Namentlich wollen die Bauern auch die bestehenden Forschungsstandorte Reckenholz und Wädenswil stärken. Im Kantonsrat ist zu diesem Thema ein dringliches Postulat eingereicht worden. Der Regierungsrat ist zur Entgegennahme bereit.

Finanzdirektor Ernst Stocker ist überzeugt, dass die Bauern die Herausforderungen meistern werden. Der SVP-Regierungsrat ist gelernter Landwirt und – nachdem sein Sohn den Hof übernommen hat – immer noch «hautnah» an dieser Branche, die sich wie andere dem Wandel stellen muss. Er plädiert auch für Forschung in diesem Bereich.

«Forschung ist die Umwandlung von Wissen in Geld», sagte Stocker und schloss damit: «Bauern sind nicht an allem schuld; sie haben Unternehmergeist. «Ihr seid gut und stark, und ihr werdet die Umbrüche überleben», machte er den Delegierten im Gemeindesaal Mut.

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